Zeitgeschichte im Kleinformat: Peter Schmid verewigt Dornbirn auf Sondermarke

Vorarlberg / 26.05.2026 • 12:00 Uhr
(Bilder Schmid) Peter Schmid mit der Sonderbriefmarke zum Dornbirner Stadtjubiläum.
Peter Schmid mit der Sonderbriefmarke zum Dornbirner Stadtjubiläum. privat

Der Philatelie-Club und Peter Schmid verewigten Dornbirn auf einer Sondermarke.

Dornbirn, Nenzing Wenn Peter Schmid über Briefmarken spricht, klingt das nie nach einem bloßen Hobby. Für den 75-jährigen Nenzinger sind sie vielmehr kleine Zeitkapseln, die Geschichte, Kultur und gesellschaftliche Entwicklungen bewahren. “Jede Briefmarke erzählt eine Geschichte”, sagt Schmid. Genau diese Begeisterung brachte er auch in die Sonderbriefmarke zum 125-Jahr-Jubiläum der Stadt Dornbirn ein, die der Philatelie-Club Montfort anlässlich des internationalen Philatelietages gestaltet und gerade präsentiert hat.

Briefmarken sind für Peter Schmid kleine Fenster in die Vergangenheit.
Briefmarken sind für Peter Schmid kleine Fenster in die Vergangenheit.

Die Marke zeigt den Dornbirner Marktplatz um die Jahrhundertwende – mit dem Roten Haus, der Stadtpfarrkirche St. Martin und der damaligen Elektrischen Bahn Dornbirn–Lustenau. Für Schmid war rasch klar, dass genau dieses Motiv die Geschichte Dornbirns auf besondere Weise verdichtet. “Es zeigt Dornbirn in einer Phase des Aufbruchs – vertraut und gleichzeitig voller Zukunftsgeist”, erklärt er. Gerade die historische Straßenbahn weckt bis heute Emotionen, schließlich wird über moderne Straßenbahnideen noch immer diskutiert.

Sammeln, forschen, bewahren

Hinter der Sondermarke steckt aber weit mehr als ein schönes Bild. Bevor ein Entwurf entsteht, beginnt intensive Recherchearbeit: “Historische Fotografien, Archivmaterialien, alte Stadtansichten und die Frage, welche Symbole eine Stadt tatsächlich prägen”, erzählt er. Ziel ist es, Geschichte und Identität auf wenigen Quadratzentimetern sichtbar zu machen.

Die Sondermarke erzählt in einem einzigen Bild die Geschichte einer Stadt, die sich in 125 Jahren von einer industriell geprägten Gemeinde zu einem modernen, lebendigen Zentrum entwickelt hat.
Die Sondermarke erzählt in einem einzigen Bild die Geschichte einer Stadt, die sich in 125 Jahren von einer industriell geprägten Gemeinde zu einem modernen, lebendigen Zentrum entwickelt hat.

Zur Philatelie kam Schmid schon in seiner Kindheit. Sein Großvater schenkte ihm erste Briefmarken, die zunächst allerdings unbeachtet in einer Schublade landeten. Wirklich gepackt hat ihn das Hobby erst Ende der 1970er-Jahre bei einem Stadtbummel in Deutschland. In einem Schaufenster entdeckte er Briefmarken mit alten Feuerwehrautos – und kaufte sie spontan. Weil er selbst bereits bei der Feuerwehr aktiv war, begann er zu recherchieren, welche Geschichten hinter den Motiven steckten. Daraus entwickelte sich über Jahrzehnte eine Spezialsammlung zum Thema Feuerwehr, Brandschutz und Technik.

Der Nenzinger engagiert sich seit vielen Jahren im Philatelie-Club Montfort.
Der Nenzinger engagiert sich seit vielen Jahren im Philatelie-Club Montfort.

Heute zählt Schmid zu den profilierten Philatelisten der Region. Besonders stolz ist er auf seltene Stücke wie einen ungezähnten Halbbogen der Florian-Marke oder einen Brief, der einen Postamtsbrand überstanden hat. Seine Sammlung wurde bereits international mit “Groß-Gold” ausgezeichnet. Noch wichtiger als Preise seien ihm aber die Begegnungen mit anderen Sammlerinnen und Sammlern. “Man tauscht nicht nur Marken, sondern auch Geschichten, Erinnerungen und Wissen.”

Bürgermeister Markus Fäßler und Stadtrat Valentin Sottopietra (re.) zeigten sich beeindruckt von der detailgetreuen Darstellung, die ein wichtiges Stück Dornbirner Stadtgeschichte abbildet.
Bürgermeister Markus Fäßler und Stadtrat Valentin Sottopietra (re.) zeigten sich beeindruckt von der detailgetreuen Darstellung, die ein wichtiges Stück Dornbirner Stadtgeschichte abbildet.

Dass die Philatelie heute nicht mehr den Stellenwert früherer Jahrzehnte hat, sieht Schmid durchaus. Früher seien Briefmarken alltäglich gewesen, heute fehle vielen jungen Menschen der Zugang dazu, weil kaum noch Briefe verschickt würden. Dennoch glaubt er fest an die Zukunft des Hobbys. Entscheidend sei, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass Briefmarken kleine Abenteuer sein können – “Geschichten, Rätsel, Kunstwerke und Zeitreisen im Miniaturformat”.

Peter Schmids (ganz re.) Briefmarken-Sammlung wurde schon international mit „Groß-Gold“ prämiert.
Peter Schmids (ganz re.) Briefmarkensammlung wurde schon international mit “Groß-Gold” prämiert.

Neben seiner Leidenschaft für die Philatelie engagiert sich Schmid ehrenamtlich in zahlreichen Vereinen. Er ist bei der Feuerwehr aktiv, arbeitet in der Vorarlberger Museumswelt mit, singt im Chor und schreibt derzeit an der Chronik zum 100-Jahr-Jubiläum des Schiklubs Frastanz.

Wenn jemand behauptet, Briefmarkensammeln sei längst aus der Zeit gefallen, widerspricht Schmid deshalb entschieden. “Gerade weil sich die Welt so schnell dreht, ist Philatelie aktueller denn je”, sagt er. Für ihn bleiben Briefmarken kleine Zeitzeugen – und ein Fenster in die Welt. CTH

“Gerade weil sich die Welt so schnell dreht, ist die Philatelie aktueller denn je.”

sagt Peter Schmid

Zur Person

Peter Schmid
Geb. 1950 in Frastanz
Familienstand: geschieden
Wohnort: Nenzing
Beruf: Pensionist
Hobbys: Feuerwehr, Museum, Wintersport, Philatelie