Zu viel Plastik im Bioabfall: Vorarlberg startet Aktion für sauberen Kompost

Plastikmüll gefährdet den Vorarlberger Kompost-Kreislauf. Mit einer mobilen Upcycling-Aktion will der Gemeindeverband nun für mehr Bewusstsein sorgen.
von Mona Pfefferkorn
Bregenz Eigentlich ist es ein perfekter Kreislauf: Vorarlberger Küchenabfälle werden im Biomüll entsorgt. Dieser wird anschließend im grenznahen Deutschland zu hochwertigem Kompost verarbeitet, der dann wieder auf den heimischen Äckern landet. Doch die Realität sieht derzeit etwas anders aus.
“Wir haben leider das Problem, dass sehr viele Fremdstoffe im Bioabfall sind. Vor allem Plastik und Aluminium landen oft in der Biotonne”, erklären Matthias Hendrickx-Fischer und Alexander Cukic vom Vorarlberger Gemeindeverband.

Vorarlberger Biomüll geht auf Reisen
Das Problem ist messbar: Im nassen Zustand darf die Störstoffquote eigentlich nur zwischen ein und vier Prozent liegen. Vorarlberg übertrifft diese Prozentzahl mittlerweile regelmäßig. Weil die Anlage in Deutschland den verunreinigten Müll nicht annehmen darf, müssen Ladungen abgewiesen werden. Diese werden dann per Zug quer durch Österreich nach Niederösterreich transportiert. Dieser zusätzliche Transport bedeutet einen erheblichen logistischen und finanziellen Mehraufwand.

Eine alte Papiertonne wird zum mobilen Marktstand
Um die Bevölkerung direkt zu erreichen, hat der Gemeindeverband am 26. Mai ein mobiles Projekt gestartet. Eine alte Papiertonne wurde kurzerhand zu einem mobilen Marktstand umgebastelt und stand von 9 bis 12 Uhr in Bregenz beim Sparkassenplatz. Alexander Cukic erklärt: “Heute ist in Deutschland der Tag der Biotonne. Wir dachten, das passt ganz gut und darum stehen wir heute hier.” Die Aktion ist zudem der Startschuss für die Vorarlberger Umweltwoche, welche am 30. Mai beginnt.
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Dass die Vorarlberger Aufklärung auch international ankommt, beweist ein Animationsfilm des Vorarlberger Gemeindeverbandes zum Thema Plastik im Biomüll: Der Clip wurde bereits auf neun internationalen Festivals nominiert und in Wien sowie Sofia preisgekrönt. Ein zweites Video ist für den Herbst geplant.

Verwertung startet in der Küche
Um den Kreislauf des frischen Lebensmittels zum Biomüll direkt vor Ort spürbar zu machen, holte sich der Gemeindeverband Unterstützung: Sophia Oberhauser und Sophia Hagleitner waren mit ihrem eigenen Kimchi-Stand vor Ort. Die Mitarbeiterinnen von “einfach machen” zeigten live, wie aus übrig gebliebenem Gemüse durch Fermentierung köstliches Kimchi wird. Sie bewiesen: Richtige Resteverwertung fängt schon in der Küche an.

Frischer Kompost für Zuhause
Die Passanten erhielten am Stand zudem Papiertüten, gefüllt mit frischer Komposterde und dazu Bio-Basilikumsamen. “Die Tüte ist auch perfekt, um den Bioabfall zu Hause zu sammeln”, so Hendrickx-Fischer, da sich Papier im Gegensatz zu Plastik rückstandslos zersetzt. Der Auftritt in Bregenz war erst der Anfang. Künftig soll die mobile Tonne vor allem bei großen Wohnanlagen zum Einsatz kommen, da dort die Fehlwurf-Quote am höchsten ist. So soll das Bewusstsein für sauberen Kompost und die richtige Mülltrennung verstärkt werden.