Auf Stellensuche für Pflegekräfte

Land arbeitet an Möglichkeiten der Unterbringung von Absolventen der Pflegeschulen.
Lauterach Es klingt paradox: Einerseits benötigt die Pflege dringend Personal, andererseits gibt es derzeit einen Überhang an Absolventinnen und Absolventen der Pflegeschulen. Die Rede ist von rund 140 Personen. “Es muss uns gelingen, diese Leute im System zu halten”, sagt Emanuel Jori, Obmann des Landesverbands der Heim- und Pflegeleitungen, mit Blick auf die nächste Pensionierungswelle in drei bis vier Jahren. Auch das Land weiß um die Notwendigkeit von Maßnahmen. “Deshalb prüfen wir, wie Absolventen nach ihrer Ausbildung eingesetzt werden können”, bestätigt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher auf VN-Anfrage laufende Gespräche.
Vom Spital ins Heim
Ein Modell, das diskutiert wird, ist, ob eine Anstellung bei einer Krankenanstalt möglich sein könnte und Fachkräfte von dort aus jenen Einrichtungen in der mobilen Pflege bzw. stationären Langzeitpflege zur Verfügung gestellt werden, in denen aktuell Bedarf besteht. “Überlegungen dazu befinden sich aber erst in Ausarbeitung”, ergänzt Rüscher. Die Situation sei weder einem geänderten Personalschlüssel noch eingefrorenen Stellen geschuldet. Sie hänge vielmehr mit der Umstellung der Pflegeausbildung zusammen. Mit der schrittweisen Verlagerung der Ausbildung des gehobenen Dienstes an die FH Vorarlberg und der damit verbundenen Übergangsphase kam es demnach zeitweise zu Veränderungen bzw. Verschiebungen bei den Ausbildungsabschlüssen. “Gleichzeitig sehen wir die Entwicklung auch positiv. Wir freuen uns sehr über das große Interesse an Pflegeausbildungen und vor allem über die vielen Absolventinnen und Absolventen”, ortet die Gesundheitslandesrätin darin “ein wichtiges Signal für die langfristige Versorgungssicherheit”.

Emanuel Jori pflichtet bei, wonach die vielfältigen Ausbildungswege inzwischen Früchte tragen. Als besondere Herausforderung in der Langzeitpflege bezeichnet er die Nachbesetzung der diplomierten Pflegefachkräfte. “In Ausbildung sind sicherlich genügend, so kann der Gedankengang in Zusammenarbeit mit dem Akutbereich ein guter Ansatz sein, sofern die Rahmenbedingungen stimmen”, bemerkt Jori. Aus Sicht des Landesverbands muss vor allem die mittlere Führungsebene gestärkt werden, auch monetär: “Dieser Bereich ist im Kollektivvertrag nicht abgebildet.” Alles in allem hat sich laut Emanuel Jori aber viel zum Besseren entwickelt. Die neue Tarifreform etwa bezeichnet er als großen Wurf und hebt den guten Austausch zwischen Trägern und Land hervor. Jori ist ohnehin überzeugt, dass die Zukunft der Pflege in den Händen aller Player liegt, also Land, Gemeinden, Träger und Gewerkschaft.
Plädoyer für Miteinander
Zu tun gibt es noch genug. “Bis zur nächsten Pensionierungsrunde müssen strukturelle Dinge erledigt sein”, nennt Emanuel Jori als Beispiel die Digitalisierung. Er weiß: “Die Bürokratie in die Digitalisierung zu gießen, ist ein Kraftakt und kostet.” Doch sie sollte mehr Freiraum für die Pflege schaffen, etwa bei der aufwendigen Dienstplangestaltung. Weitgehend ungelöst ist auch die ärztliche Versorgung. “Würde die funktionieren, wäre die Pflege ebenfalls entlastet und würde Sicherheit im Alltag bei medizinischen Fragen bekommen”, sagt Jori. Er selbst kann diesbezüglich nicht klagen. Sechs Hausärzte in Lauterach: “Das ist Luxus”, flicht der Leiter des dortigen SeneCura-Heims ein. Schwierig sei es in den Städten, fordert er ein Konzept. Ebenso wäre die Bereitstellung der wöchentlichen Medikamentendosen für jeden Bewohner, die sogenannte Verblisterung, ein großer Wunsch, weil eine Erleichterung, aber: “Logistisch und finanziell vermutlich nicht so einfach.” Dennoch: “Wir müssen gemeinsam im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten positive Lösungen in der Pflege finden, denn das Interesse am Beruf ist hoch”, plädiert Emanuel Jori für ein Miteinander auf allen Ebenen. Vorarlberg benötigt in den kommenden zehn Jahren rund 2650 neue Pflege- und Betreuungskräfte. 2024 wurden etwa 16.000 Menschen im Pflegenetz des Landes begleitet.
