Bahnhofs-Bier, Gulasch und Geschichte: Im „Zum Hans“ kehrt ein letztes Mal Leben ein

Der Bregenzer Bahnhof verschwindet bald, doch vorher kehrt in seine alte Gastwirtschaft noch einmal Leben ein.
Bregenz Im ehemaligen Bregenzer Bahnhofsrestaurant “Zum Hans” tut sich etwas. Die Türen stehen offen, frische Luft zieht durch die lange leer stehenden Räume. Die schweren Holztische stehen wieder an ihrem Platz, der alte Fliesenboden glänzt fast wie neu. “Es ist, als würde man ein Stück Geschichte betreten”, sagt Brini Fetz (37), die gerade mit dem Feinschliff für ihr bevorstehendes Event beschäftigt ist. Mit ihrem Pop-up-Kiosk haucht die Bregenzerin der historischen Gastwirtschaft, die seit 2019 leer steht, wieder Leben ein.

Tatsächlich öffnen sich die Türen nur noch ein allerletztes Mal. Im Rahmen der Architekturtage 2026 verwandeln Architekturtheoretiker Fabian Reiner und Fotograf Sven Högger die ehemalige Kassenhalle des Bahnhofs in einen Ausstellungsraum. Über mehrere Monate hinweg haben sie sich mit dem bald verschwindenden Gebäude auseinandergesetzt, mit seinen Übergängen, seiner Architektur und den Geschichten, die sich dort eingeschrieben haben.

Die Architekturtage stehen heuer unter dem Motto “Infrastruktur – Was uns verbindet”. “Kaum ein Ort passt besser dazu als der Bregenzer Bahnhof”, sagt Reiner. Jahrzehntelang sei er Ankunftsort, Treffpunkt, Wartesaal und Durchgangsort zugleich gewesen. Nun steht der Abriss bevor.
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Begleitend zur Ausstellung wird das ehemalige Bahnhofsrestaurant wieder bespielt. Den ganzen Tag über können Besucher einkehren, sich ein “Bahnhofs-Bier” gönnen, das eigens von Grabhers Sudwerk gebraut wurde, und den Ort noch einmal erleben.

Brini Fetz, die hauptberuflich als Designerin mit dem Fokus auf Food tätig ist, hat ihren Pop-up-Kiosk im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. “Das Projekt Kiosk ist für mich eine Plattform, um sozialen Austausch in der Öffentlichkeit rund um das Thema Genuss zu schaffen”, sagt sie. Genuss sei etwas, zu dem jeder einen Bezug habe. “Das ist niederschwellig und bringt die Leute zusammen. Es ist ein Thema, das uns alle beschäftigt. Das finde ich faszinierend.”


Der Pop-up-Kiosk passe perfekt in das ehemalige Bahnhofsrestaurant, freut sich Fetz. “Ein Bahnhof ist eigentlich ein Ort, an dem man nicht lange bleibt. Man kommt an, wartet kurz und fährt wieder weiter”, sagt sie. Neben der Wartehalle sei das Bahnhofsrestaurant früher einer der wenigen Orte gewesen, an denen Menschen tatsächlich Zeit verbrachten. “Jetzt gibt es noch einmal die Möglichkeit für einen letzten Einkehrschwung, in dem bestimmt bei vielen Besuchern manche Erinnerungen wach werden.”

Seit Wochen bereitet sich Brini Fetz auf die letzte Türöffnung vor und hat dafür viele regionale Partner gewonnen. Serviert werden Kaffee von den Tinto Kaffeeröstern aus Hard, Croissants von Copain Bakery, Gulasch von Der Jogi Fleisch, Sachertorte und Apfelstrudel von der Backstube Wunderkind und Lenas Eis. “Alles erinnert an ein klassisches Bahnhofsbuffet”, erklärt Fetz lächelnd.

Brini Fetz hofft, dass viele Menschen den Bahnhof an diesem Tag noch einmal bewusst erleben. Kaum ein anderer Ort werde in Bregenz schließlich so viel diskutiert wie dieser. “Immerhin wurde er sogar einmal zum hässlichsten Bahnhof Österreichs gewählt”, sagt sie. Dabei werde oft übersehen, was eigentlich in dem Gebäude steckt. “Wenn man einmal den Staub wegwischt, merkt man erst, wie ikonisch dieser Ort eigentlich ist.”
Die Ausstellung “Letzte Aufnahme” wird am Freitag, 19:30 Uhr in der alten Kassenhalle eröffnet. Ab 18 Uhr finden Führungen statt. Das ehmalige Bahnhofsrestaurant “Zum Hans” im oberen Stock ist von 9 bis 22 Uhr geöffnet.



