“Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich”: Segos wird zum Bierlabor

Vorarlberg / 31.05.2026 • 09:00 Uhr
"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
Hannes Keckeis (r.) hat Segos während der Coronapandemie gegründet. Mit Laurin Bernhart hat er nun einen erfahrenen Brauer und Mitgeschäftsführer an seiner Seite.Roland Paulitsch

Segos produziert nur einen Bruchteil dessen, was große Brauereien schaffen. Gerade deshalb beteiligt sich Frastanzer an dem jungen Unternehmen. Ein Besuch in der Braumanufaktur zeigt, warum dort künftig neue Bierideen entstehen könnten.

Darum geht’s:

  • Kleine Braumanufaktur Segos startet kreative Bier-Experimente.
  • Gründer Hannes Keckeis möchte Brauhandwerk näherbringen.
  • Segos bleibt trotz Frastanzer Partnerschaft eigenständig.

Göfis Der Duft von Gerste liegt in der Luft, als Stephan Summer und René Masal Schaufel für Schaufel den dampfenden Treber, ausgelaugter Rückstand der Malzmaische, aus dem Läuterbottich holen. In der kleinen Braumanufaktur Segos in Göfis herrschen hochsommerliche Temperaturen. Kein Wunder: In den Edelstahlkesseln wird seit sechs Uhr morgens Bier gebraut.

"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
In der Maischepfanne rührt Stephan Summer die Maische aus Wasser und Gerstenmalz um. Durch verschiedene Temperaturstufen wird die enthaltene Stärke in vergärbaren Zucker umgewandelt.Roland Paulitsch

Hinter Segos steckt Gründer Hannes Keckeis (30). Der Name leitet sich vom keltischen “Segavio” ab, einem frühen Namen der Region um Göfis, und steht für Sieg und Stärke. Wo heute Malz, Hopfen und Hefe zu flüssigem Gold verarbeitet werden, befand sich einst die Näherei von Keckeis’ Großvater.

"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
Aus der ehemaligen Näherei des Großvaters wurde Schritt für Schritt eine Brauerei: Heute entstehen im Gebäude in Göfis die Biere von Segos.Roland Paulitsch

Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt zur Brauerei umgebaut. “Während der Pandemie wollte ich nicht immer nur im Büro sitzen. Irgendwann habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Bierbrauen zu beschäftigen”, erzählt der Rankweiler.

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“Bier ist etwas Emotionales”

Der gelernte Grafiker brachte sich vieles selbst bei. Bücher, Videos und vor allem das Lernen durch Ausprobieren hätten ihn geprägt. Zuspruch erhielt er dabei auch aus seinem Umfeld. “Viele fanden die Idee von Anfang an cool. Bier ist speziell hier in Vorarlberg etwas Emotionales”, sagt Keckeis. Unterstützt wird Keckeis von Laurin Bernhart (29), Braumeister und Vorstand der Brauerei Frastanzer, der nach dem Einstieg der Traditionsbrauerei auch die Rolle des zweiten Geschäftsführers übernommen hat.

"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
René Masal füllt Malz in die Maischepfanne. Hier beginnt der Brauprozess.Roland Paulitsch
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Vor oder während der Gärung wird eine Probe der Würze entnommen, um zu prüfen, wie viel Zucker noch enthalten ist.Roland Paulitsch

Gemeinsam führen die beiden Geschäftsführer die VN durch die Produktion. Über den Kesseln steigt Dampf auf, im Raum riecht es nach warmem Malz. In der Maischepfanne werden Wasser und Gerstenmalz vermischt. Über verschiedene Temperaturstufen werden die enthaltenen Stärkeanteile in vergärbaren Zucker umgewandelt. Danach wandert die Flüssigkeit in den Läuterbottich, wo feste und flüssige Bestandteile getrennt werden. Es folgen Sudpfanne, der sogenannte Whirlpool und Kühlung, bevor die Würze in die Gärtanks gelangt. “Erst dort entsteht aus der Würze mit Hilfe der Hefe das eigentliche Bier”, erklärt Masal.

"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
Der Treber wird aus dem Läuterbottich entfernt. Dabei handelt es sich um die festen Bestandteile des Gerstenmalzes, die nach dem Trennen von Würze und Malz zurückbleiben.Roland Paulitsch
"Das wäre in einer großen Anlage kaum möglich": Segos wird zum Bierlabor
Was nach dem Brauen übrig bleibt, wird weiterverwendet: Der sogenannte Treber dient unter anderem als Futtermittel für Wiederkäuer.Roland Paulitsch

Für Keckeis geht es dabei um weit mehr als die Herstellung eines Getränks. “Viele Menschen trinken Bier, wissen aber kaum, wie es entsteht. Wir möchten das Brauhandwerk greifbar machen und zeigen, warum unterschiedliche Biere unterschiedlich schmecken”, sagt er.

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Nach dem Brauprozess gelangt die Würze in die Gärtanks. Dort wandelt die Hefe den Zucker in Alkohol und Kohlensäure um.Roland Paulitsch

Maracuja-Bier

Dass bei Segos experimentiert werden darf, zeigt ein Blick in die Produktpalette. Neben klassischen Sorten entstehen auch ungewöhnliche Kreationen. Aktuell sorgt ein Maracuja-Bier für Aufmerksamkeit. Fruchtig und leicht säuerlich erinnert es eher an die tropische Frucht. Aber nicht jeder Versuch sei ein Volltreffer gewesen. “Ein reines Kiwi-Bier hat uns geschmacklich nicht überzeugt”, erzählt Keckeis schmunzelnd. “Erst als wir daraus ein Erdbeer-Kiwi-Bier gemacht haben, hat es richtig funktioniert.”

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In der Göfner Braumanufaktur entstehen neben klassischen Bieren auch außergewöhnliche Kreationen. Roland Paulitsch

Gerade diese Experimentierfreude war einer der Gründe, warum sich die Brauerei Frastanzer an Segos beteiligt hat. Keckeis hält 51 Prozent der Anteile. Die Brauerei Frastanzer ist mit 29 Prozent beteiligt, die Vorstände Kurt Michelini und Laurin Bernhart mit jeweils zehn Prozent. Trotz der Partnerschaft soll Segos eigenständig bleiben.

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Laurin Bernhart (v. l.), René Masal, Stephan Summer und Gründer Hannes Keckeis.Roland Paulitsch

“In einer kleinen Brauerei können wir Dinge ausprobieren, die in einer großen Anlage kaum möglich wären”, sagt Bernhart. “Mit einem 250-Liter-Braukessel und einer Jahreskapazität von 1500 Hektolitern bleibt die Manufaktur bewusst klein.” Während die junge Brauerei von Personal und strategischem Know-how der Frastanzer profitiert, bietet Segos ein Umfeld, in dem neue Ideen unkompliziert getestet werden können.

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