“Ich will es hier nur sauber und meine Ruhe haben” – Walter Batruel kämpft um seinen Zufluchtsort

Der Bluesmusiker galt schon in jungen Jahren als Rebell. Seit 40 Jahren führt er mit den Behörden einen Schlagabtausch um sein kleines Domizil am Alten Rhein.
Hohenems “Bitte lächeln, versteckte Kamera” warnt ein nicht ganz ernstgemeintes Schild am Alten Rhein bei Hohenems. Dahinter beginnt Walter Batruels kleines Reich. Seit 40 Jahren verbringt die 79-jährige Blueslegende hier seine freie Zeit – und ist genau so lange schon im Zwist mit den Behörden.

Nach dem Schild geht es unter einem Baumhaus und entlang eines Geländers hinunter zum Wasser. Sitzecken, zum Teil überdacht, werden mit Zierrat wie einem goldenen Löwen ergänzt. Der Zugang zum Wasser ist bequem, auch gibt es Platz für eine Hängematte. “Das hier habe alles ich gemacht”, verweist der legendäre Musiker auf gepflegte Wege, Abstützungen und mehrere Vogelhäuschen, in denen sogar genistet werde. Hausboote gab es hier auch schon, aber diese Zeiten sind vorerst vorbei. “Letztes Jahr hatten wir auch noch ein Boot hier, aber das habe ich mit nach Hause genommen.”

Den Hohenemser trifft man dabei hier nicht nur im Sommer an, sondern rund um das Jahr. “In dem Baumhaus schlafe ich regelmäßig, es ist ein Traum”, verrät Batruel. Als vergangenes Jahr mehrere Bäume umstürzten, sorgte der Hohenemser dafür, dass der Wasserzugang von ihnen nicht vollständig blockiert wird. Und er weiß auch von einem Erlebnis zu erzählen, dass er eben nur aufgrund des Baumhauses schon einen Wald- und Flurbrand verhindern konnte, den andere Badegäste verursacht hatten. Auch drei Müllsäcke hat er entlang des Ufers aufgehängt.

Aber den Behörden sind diese baulichen Betätigungen ein Dorn im Auge. Schuld ist vor allem auch ein naher Grenzstein: “Wir sind hier in der Schweiz, der Weg da hinten ist die Grenze”, erklärt Batruel. Daher hat der 79-Jährige regelmäßig mit den Behörden auf beiden Seiten der Grenze zu tun.

“Ich rege mich schon lange nicht mehr auf, das habe ich mir abgewöhnt”, betont der Hohenemser. Tatsächlich ist es seit Jahren eher ein Katz-und-Maus-Spiel: Batruel baut sich etwas auf, die Behörden melden sich, er baut es wieder ab. Sobald sich die Situation beruhigt, baut er es wieder auf. “Hin und wieder bekomme ich eine Strafe, die zahle ich dann brav, dann ist wieder für eineinhalb Jahre Ruhe.”

Doch sein lassen will es der Musiker nicht. “Es ist fünf Minuten von meinem Haus entfernt – ich habe es hier herrlich”, räumt er ein. Natürlich verweist er auch auf seinen Einsatz, dass es hier sauber und die Natur rundum geschützt bleibt. Und er hat auch Fürsprecher, etwa Stadtrat Bernhard Amann. “Wenn man nichts täte und einen Saustall hätte, wär es was anderes”, spricht er sich in den sozialen Netzwerken für etwas Augenmaß aus.
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“Sie argumentieren damit, was denn wäre, wenn das jeder täte”, erklärt Batruel. “Aber es tut sich längst nicht jeder diese ganze Arbeit an.” Ans Aufgeben denkt der Bluesmusiker, der mit The Gamblers, Hems Harlem und seiner selbstgebauten Bluesmachine über Vorarlbergs Grenzen hinweg bekannt wurde, längst nicht. “Ich will es hier nur sauber und meine Ruhe haben.”

