Auszeit hinter Klostermauern: Die Mehrerau öffnet neue Gästezimmer

Nach der Sanierung stehen im Kloster Mehrerau fünf neue Gästezimmer zur Verfügung. Der jüngste Mönch der Abtei, Pater Maurus (30), ist für die Gäste zuständig und gibt einen Einblick.
Darum geht’s:
- Kloster Mehrerau bietet fünf neue Gästezimmer an.
- Buchungen nur direkt beim Sekretariat möglich.
- Sanierungsarbeiten kosteten etwa zwei Millionen Euro.
Bregenz Wer im Kloster Mehrerau übernachtet, bucht kein Wellnessprogramm. Wer hier bleibt, lässt sich auf einen anderen Rhythmus ein: auf das Läuten der Glocken, stille Gänge, Gebetszeiten und einen Ort, an dem die Grenze zur Klausur trotzdem bestehen bleibt. Mit der Sanierung kommen nun fünf neue moderne Gästezimmer zu den bestehenden zwölf dazu. Ein Hotel will die Bregenzer Abtei jedoch nicht sein.

Für die Gäste zuständig ist Pater Maurus Korn. Der 30-Jährige ist der jüngste Mönch im Kloster – “mit Abstand”, sagt er und grinst. Seit 2015 lebt der studierte Theologe und Philosoph in der Mehrerau. Neben wissenschaftlicher Arbeit und Führungen ist er vor allem für die Gastmeisterei zuständig. “Damit ich nicht in den Elfenbeinturm komme, ist das gut”, sagt er. “Die Gäste halten einen am Boden.”


Dass ausgerechnet er von Bodenständigkeit spricht, passt auch zu seinem Namen. Den hat sich Pater Maurus nicht selbst ausgesucht. Für seinen Ordensnamen sollte er dem damaligen Abt drei Vorschläge machen. Zwei hatte er sofort im Kopf: Benedikt und Johannes Paul. Für den dritten fehlte ihm die Idee – bis ein Freund Maurus vorschlug. Ausgerechnet dieser Name gefiel dem Abt. Heute passt er für den 30-Jährigen: “Der heilige Maurus war der erste Schüler des heiligen Benedikt”, erzählt er. “Und somit bleibe ich auch ein Schüler der Benediktinerregel.”

Fünf neue Gästezimmer
Von September 2025 bis Mai 2026 wurde der Bereich zwischen Kirche und Osttrakt saniert. Rund zwei Millionen Euro kostete der Bauabschnitt. Aus acht ehemaligen Mönchszimmern im ersten Obergeschoss wurden fünf neue Gästezimmer, alle mit eigenem Bad, eines davon barrierefrei. Türen wurden restauriert, Fenster saniert, alte Böden teils aufgearbeitet und wieder eingesetzt.


Ein Hotel will das 1097 gegründete Kloster trotzdem nicht sein. “Wir sind kein Hotel, sondern ein Gästebetrieb”, betont Pater Maurus. Buchungen sind deshalb auch nicht über gängige Hotelplattformen wie Booking möglich, sondern nur direkt beim Sekretariat. Wer hier übernachtet, bekommt Einblick in einen Ort, an dem gelebt, gebetet und gearbeitet wird.




Wer mit Maurus durch die Anlage geht, landet beim Mammutbaum vor der Kirche, in der karg gestalteten Abteikirche, in der Krypta oder der Prunkbibliothek. Im neu gestalteten Gästebereich begegnet Geschichte den Besuchern nun auch beim Frühstück. Dort hängt etwa das restaurierte Triptychon, der Flügelaltar, der früher in der Apsis der Abteikirche zu sehen war. Aus Klostergeschichte macht Pater Maurus keine Vorlesung, sondern erzählt von Altären, Heiligen und Stiftern so, dass auch Platz für eine Pointe bleibt.




“Man kommt wieder”
Die Nachfrage sei gut, besonders im Sommer und während der Festspielzeit. Die Gäste, die hierher kommen, seien sehr unterschiedlich, erzählt Pater Maurus: Pilger, Seminargruppen, Pfarren, Vereine, Kulturgäste, Frauen und Männer, die Ruhe suchen oder Fragen mitbringen. Oft gehe es in den Gesprächen um Politik, Gesellschaft, Geschichte, Wirtschaft – “alles, was den Menschen aktuell umtreibt”, sagt der gebürtige Deutsche.

Sein Anspruch an den Gästebetrieb sei einfach: “Was wir machen wollen und können, ist, es unseren Gästen so gut gehen zu lassen, dass sie sagen: Ich komme wieder.” Ganz abgeschlossen ist die Sanierung noch nicht, auch die Küche wird noch auf den neuesten Stand gebracht. Doch mit den neu gestalteten Zimmern öffnet sich das Kloster wieder ein Stück weiter.


Zahlen und Fakten: Gästebereich
Sanierungsdauer: September 2025 bis Mai 2026
Kosten: rund zwei Millionen Euro
Sanierter Bereich: zwischen Kirche und Osttrakt, vom Erdgeschoss bis ins zweite Obergeschoss
Neue Gästezimmer: Aus acht ehemaligen Mönchszimmern im ersten Obergeschoss wurden fünf neue Doppelzimmer geschaffen. Alle verfügen über ein eigenes Bad, eines davon ist barrierefrei.
Gästezimmer gesamt: Nach dem Umbau stehen im Kloster Mehrerau insgesamt 17 Gästezimmer zur Verfügung. Die zwölf bestehenden Gästezimmer waren nicht Teil dieses Sanierungsabschnitts.
Weitere Arbeiten: Restauriert beziehungsweise saniert wurden unter anderem Stuckdecken, Wände, Zimmertüren, Fenster, alte Böden, das Treppenhaus, die Fassade sowie Teile des Innenhofs. Auch die Haustechnik mit Elektro, Sanitär, Heizung und Lüftung wurde erneuert.
Buchungen: www.mehrerau.at/gast-sein/uebernachten-im-kloster
Führungen: www.mehrerau.at/gast-sein/klosterfuehrung