Impfbereitschaft ist wieder gestiegen

Vorarlberg / 08.06.2026 • 14:48 Uhr
Impfbereitschaft ist wieder gestiegen
2024 ist die Zahl der Keuchhusten- und Masernfälle durch die Decke gegangen. Das hat sich geändert, unter anderem wohl aufgrund von Impfungen, wie es beim Land heißt. Foto: APA

Wenige Keuchhustenfälle und keine einzige Masernerkrankung bisher im heurigen Jahr.

SCHWARZACH. “Das ist eine gute Nachricht”, sagt der Gesundheitsexperte Armin Fidler im Gespräch mit den VN, um allerdings sogleich zu relativieren: “Man sollte sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen.” Gemeint ist die Entwicklung hochansteckender Infektionskrankheiten: Nach Corona hatte es plötzlich sehr viele Fälle gegeben, österreichweit und in Vorarlberg.

Beispiel Keuchhusten, eine Erkrankung, die besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein kann: In den Jahren seit 2015 waren hierzulande bis dahin keine oder allenfalls 70 Fälle bestätigt worden. Dann handelte es sich plötzlich um ein Vielfaches davon, 2024 nämlich um ganze 456. Ähnlich, aber auf deutlich niedrigerem Niveau, verhielt es sich in Bezug auf Masern, das plötzlich 23-mal festgestellt wurde.

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Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung seither: 2025 kam es zu einem starken Rückgang, der sich heuer bisher fortgesetzt hat. Für die ersten fünf Monate weist die staatliche Gesundheitsagentur AGES vorerst fünf Keuchhustenerkrankungen und keinen einzigen Masernfall in Vorarlberg aus.

Für die vorübergehende Spitze im Jahr 2024 ist eine Erklärung naheliegend: In der Coronazeit wurden weniger Impfungen vorgenommen, und in Bezug auf die beiden Erkrankungen sind ebensolche sehr wirkungsvoll. Bei Masern ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erforderlich, damit es praktisch keine Chance mehr hat. In der Coronazeit ist die Rate gesunken. Aktuelle Daten liegen nicht vor, sie dürfte aber noch nicht stark genug gestiegen sein: Auch wenn es derzeit keine bis sehr wenige Erkrankungsfälle gibt, könnte es nach Einschätzung von Fidler daher jederzeit wieder zu sehr vielen kommen.

Hubert Dünser
“Wir haben in diesem Jahr zwei-, dreimal mehr Keuchhusten-Auffrischungsimpfungen”, berichtet der Allgemeinmediziner Hubert Dünser, der in Röthis eine Ordination betreibt. Foto: Dünser

Der Allgemeinmediziner Hubert Dünser, der in Röthis eine Ordination betreibt, stellt jedoch fest, dass “dieser Peak im Jahr 2024” etwas bewirkt hat: In der Bevölkerung habe das Problembewusstsein deutlich zugenommen. Zum Beispiel eben auch in Bezug auf Keuchhusten, wie Dünser aus der Praxis berichtet: “Ich sehe das bei den Vorsorgeuntersuchungen. Da frage ich den Impfstatus ab und merke, dass die Leute das wollen. Wir haben in diesem Jahr zwei-, dreimal mehr Keuchhusten-Auffrischungsimpfungen.” Ebensolche werden Erwachsenen alle fünf Jahre empfohlen.

Dass es mittlerweile weniger Erkrankungsfälle gibt, führt man beim Land auf mehrere Faktoren zurück: “Zum einen haben die erhöhten Fallzahlen der vergangenen Jahre zu einer größeren Immunität in der Bevölkerung beigetragen. Zum anderen wurde im Zuge der Ausbruchsgeschehen verstärkt auf den Impfschutz aufmerksam gemacht, wodurch wohl zahlreiche Personen fehlende Impfungen beziehungsweise Auffrischungsimpfungen nachgeholt haben.”

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Von einer dauerhaften Entwarnung zu sprechen, wäre dennoch verfrüht: “Sowohl Keuchhusten als auch Masern sind hochansteckende Infektionskrankheiten, die sich bei bestehenden Impflücken jederzeit wieder ausbreiten können. Einzelne Fälle und auch lokale Ausbrüche sind daher weiterhin möglich.”