Grundwasser stark zurückgegangen

Vorarlberg / 12.06.2026 • 15:46 Uhr
Grundwasser stark zurückgegangen
Wasser gewinnt an Wert: Bis 2050 könnte das verfügbare Grundwasser hierzulande überhaupt um mehr als 30 Prozent zurückgehen. Foto: VN/Steurer

Klimabericht mit Extremszenario für Vorarlberg. Versorgung laut Land jedoch gesichert.

SCHWARZACH. Wolfram Hanefeld schaut aus dem Fenster und stellt fest, dass es regnet. Früher hätte man sich geärgert darüber, meint er: Jetzt sei es gut. Hanefeld leitet die Abteilung „Wasserwirtschaft“ beim Land und hat unter anderem die Grundwasserstände im Auge, die durch hunderte Messtationen erfasst werden: Bei 95 Prozent ist der Pegelstand zurzeit unterdurchschnittlich, bei knapp einem Fünftel besonders niedrig. Zum Beispiel bei jenem in Feldkirch-Altenstadt, bei dem er nur noch knapp über dem langjährigen Minimum liegt. Durch die jüngsten Niederschläge hat sich die Lage nicht groß entspannt. Damit es das tut, müsste es laut Hanefeld über Monate hinweg mehr regnen.

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Die derzeitigen Entwicklungen liefern eine Vorahnung auf das, was längerfristig droht. Laut einem Klimastatusbericht, der auf Bundesebene herausgegeben worden ist, könnte das verfügbare Grundwasser bis zum Jahr 2050 österreichweit nirgends so stark zurückgehen wie in Teilen Vorarlbergs und Kärntens: Im ungünstigsten Fall seien hier „Rückgange von über 30 Prozent möglich“.

Ein Grund dafür sind Veränderungen, die bereits laufen. So berichtet Peter Müller von „GeoSphere Austria“, dass sich die Niederschlagsmengen tendenziell zwar nicht ändern würden, aber die Intensitäten. Sprich: Es regnet immer öfter kurz, aber heftig. Das sei für die Grundwasser-Neubildung ein Problem, so Müller: „Intensive Starkregen führen zu mehr Oberflächenabfluss und weniger Versickerung ins Grundwasser.“

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Volker Hollenstein, Politischer Leiter der Naturschutzorganisation WWF, schlägt aufgrund des Klimastatusberichts Alarm: „Selbst im wassereichen Vorarlberg ist Wasser längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Wir müssen Wasser viel besser in der Landschaft halten. Jeder verbaute Bach und jeder versiegelte Quadratmeter Boden macht uns verwundbarer gegenüber Trockenheit, Hitze und Hochwasser.“

Und was sagt Wolfram Hanefeld? „Wir müssen uns nicht fürchten.“ Die Trinkwasserversorgung sei langfristig gewährleistet. Auch wenn die Pegelstände derzeitig niedrig sind, würden sie die historischen Minimalwerte nirgends unterschreiten. Zweitens: Die Gemeinden hätten in den letzten Jahren sehr viel für die Absicherung der Wasserversorgung getan. Zum Beispiel durch die Erschließung neuer Quellen und Brunnen sowie durch Verbundleitungen. Durch solche sichern sich viele schon heute gegenseitig ab. Im Rahmen des Trinkwasserverbandes Bregenzerwald etwa werden in den nächsten Jahren weitere zehn Gemeinden zwischen Bezau und Sibratsgfäll miteinander verbunden und bei Bedarf mit Wasser aus dem Brunnen Hohlstein (Schwarzenberg) beliefert werden.

Wolfram Hanefeld
Wolfram Hanefeld: „Auch bei den prognostizierten Rückgängen können wir den Bedarf noch klar decken.“ Foto: Land, Amanda Dizdarevic

Drittens: Ein Rückgang von über 30 Prozent wäre massiv. Dabei muss laut Hanefeld jedoch berücksichtigt werden, dass es in Vorarlberg große Niederschlagsmengen und daher auch eine sehr große Grundwasser-Neubildung gibt. Das bedeute, dass man auch bei den prognostizierten Rückgängen in allen Teilen des Landes „noch klar“ den Bedarf decken könne.

Nichtsdestotrotz bleibe Handlungsbedarf. Ihm versuche man zum Beispiel im Rahmen einer Wasserwirtschaftsstrategie gerecht zu werden. Darin werde unter anderem auf das „Schwammstadt-Prinzip“ gesetzt. Es steht für möglichst viele unversiegelte Flächen, in denen Wasser versickern und gespeichert werden kann.