Vom Schandfleck zum grünen Hingucker: Franz Wölfler netzt ein Hochhaus

2500 Unterschriften wurden gesammelt, um eine Veränderung mitten im Ortskern zu erreichen. Seitdem hat sich viel getan.
Dornbirn Mit zwei schweren, vollgefüllten Gießkannen quert Franz Wölfler die Hauptstraße in Dornbirn. Sein Ziel: Das graue “Telekomhochhaus” an der Rathauskreuzung neben der Mohrenbrauerei und die dort wachsenden Kletterpflanzen.

Wilder Wein und Efeu streben entlang der Stadtstraße sowohl gen Himmel und bedecken entlang des ersten Stocks bereits die gesamte Breite. “Mich freut besonders, dass ein Trieb nun den dritten Stock erreicht hat”, verrät Wölfler. Bei den derzeitigen Temperaturen holt er jeden Tag bei Ulli Zumtobels Modegeschäft mit zwei großen Gießkannen Wasser und tränkt die Kletterpflanzen.

“Ich bin kein grüner Aktivist, sondern habe etwas für Ästhetik übrig”, erklärt der 76-jährige Dornbirner mit steirischen Wurzeln. Nicht nur für ihn galt das Hochhaus mitten in der Stadt als optischer Schandfleck. “Ich dachte mir, ob so etwas in so einer schönen Stadt wie Dornbirn sein muss. Es müsste doch möglich sein, dies zeitgemäß zu begrünen.”
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Der Pensionist wurde aktiv. Engagement ist ihm nicht fremd: In Dornbirn kennt man ihn aufgrund seiner ehrenamtlichen Mitarbeit von der Rollstuhlbegleitung über Tischlein Deck Dich bis zur Deutschbegleitung von Geflüchteten. Zuerst suchte er selbst das Gespräch mit A1 Telekom, dann über die Initiative Stadt.Leben.Dornbirn, die parallel auch Unterschriften sammelte. Gemeinsam mit “Grünplaner” Conrad Amber – der für die Arbeiterkammer in Feldkirch ein ähnliches Konzept umsetzte – entwarf man ein Konzept, das 2500 Unterstützer fand. “Wir hätten auch 5000 Unterschriften bekommen, hätten wir weiter gesammelt”, ist Wölfler überzeugt.

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Mit den Unterstützungserklärungen erreichten Wölfler und Beate Fetz von Stadt.Leben.Dornbirn 2024 auch den Hauseigentümer. Das Konzept von Amber war dann doch zu teuer: “Sie waren der Ansicht, dass sie bei über 2000 Immobilien hier keine Ausnahme machen können. Dabei wäre dies hier ein Leuchtturmprojekt geworden”, hat Wölfler wenig Verständnis. Der Kompromiss war, dass neben dem bestehenden Wilden Wein eben noch vier Efeupflanzen gesetzt und das Gebäude hin zur Brauerei saniert wurde.

Wölfler setzt darauf, dass die Pflanzen mindestens bis inklusive dem vierten Stock wachsen werden. “So ist das Haus zumindest aus dem Blickwinkel der Verkehrsteilnehmer begrünt”, ist er optimistisch.
