Ameisen im Haus: Was wirklich gegen die Schädlinge hilft

Vorarlbergs Haushalte kämpfen diesen Sommer mit einem Ameisenansturm. Durch die dichte Bauweise rücken uns die Insekten immer näher auf die Pelle und können im Haus empfindliche Schäden anrichten.
von Mona Pfefferkorn
Hard Ob im mühsam gepflegten Garten, unter den Terrassenplatten oder plötzlich als lange Straße quer durch die Küche: Viele Vorarlberger Haushalte kämpfen diesen Sommer mit einer Ameisenplage. “Dieses Jahr ist ein relativ starkes Ameisenjahr. Man merkt schnell, dass mehr Ameisen als sonst unterwegs sind”, erklärt Ronald Knoll, Inhaber und Geschäftsführer vom Vorarlberger Fachbetrieb Knoll Schädlingsbekämpfung.
Süßer Treibstoff und Proteine für die Brut
Doch warum zieht es die winzigen Insekten überhaupt magisch in unsere Häuser und Wohnungen? Die Antwort liegt in der simplen Biologie der Nahrungssuche. Sobald Ameisen auf Nahrungssuche gehen, benötigen sie im Grunde zwei verschiedene Arten von Lebensmitteln: “Einmal brauchen sie für sich das Benzin, damit sie sich bewegen können. Meist sind das zuckerhaltige Nahrungsmittel”, erklärt Knoll. Zum anderen transportieren sie Proteine in Form von Larven oder toten Insekten in das Nest, womit die Brut gefüttert wird. Finden die Späherinnen eine solche Nahrungsquelle im Haus, entsteht schnell eine Ameisenstraße in den Wohnbereich.

Gefahr für das Baumaterial
Dass Ameisen heuer ein massives Thema im Land sind, merkt Knoll im täglichen Betrieb: Seine Firma wird derzeit wöchentlich wegen Ameisenbefalls gerufen. Durch den vermehrten Wohnbau werden die Ameisen in ihrem Lebensraum eingeschränkt und weichen immer öfter in Wohnanlagen aus.

Draußen sind Ameisen nützliche Teile der Natur. Zum Schädling werden sie erst im Haus, wo sie bevorzugt in Hohlböden oder Zwischenwänden nisten. “Dort machen sie dann schon Schäden”, warnt Ronald Knoll. “Nicht nur die Holzameise zersetzt Holz, auch die normale Wegameise kann Holz und Isolierungsmaterial zersetzen.”
Hausmittel sind keine Lösung
Herkömmliche Baumarktmittel bringen meist nur kurzfristigen Erfolg. Profis reduzieren den Staat stattdessen strukturell: Stirbt die Königin, stirbt das ganze Volk. Bei Hausmitteln stellt Knoll klar: “Backpulver funktioniert heutzutage eigentlich nicht mehr.” Echtes Weinsteinbackpulver zerreißt die Ameise durch den Treibeffekt, beseitigt aber kein Nest dauerhaft. Wer eine Ameisenstraße entdeckt, kann stattdessen zu Essig oder Zitronenwasser greifen: Durch gründliches Putzen verlieren die Tiere die Orientierung und finden den Weg nicht mehr.
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Giftige Substanzen
Wenn die Schädlingsbekämpfer anrücken, kommen im Wohnbereich meist spezielle Mittel zum Einsatz. Angst um spielende Kinder oder Haustiere wie Hunde und Katzen muss man dabei im Haus nicht haben. “Wenn wir ein Ameisenpräparat ausbringen, ist das für die Ameise schädlich, aber für Menschen oder für ein anderes Säugetier ist es niemals giftig”, beruhigt der Schädlingsbekämpfer. Ein Mensch oder ein Haustier müsste Unmengen des Ameisengifts schlucken, damit es überhaupt eine gefährliche Wirkung im Magen entfalten könnte.
Alternative Methoden
Neben den klassischen Behandlungen gibt es mittlerweile aber auch alternative Methoden, die besonders im öffentlichen Bereich – wie in Kindergärten oder auf Spielplätzen – sehr gefragt sind. Hier setzen die Vorarlberger Profis auf eine zu 100 Prozent giftfreie Heißwassermethode. “Wir haben ein spezielles Gerät, das fasst 500 Liter Wasser und wird auf 120 Grad erhitzt”, erklärt Knoll. Dieses kochende Wasser wird zielgerichtet direkt in die Nester eingebracht, wodurch Insekten und Brut durch die Hitze unschädlich gemacht werden.

“Das Tier gehört zur Natur”
Im normalen Hausgarten rät der Kammerjäger zu Gelassenheit. Befindet sich ein Ameisenvolk mitten in der Wiese und stört niemanden, sollte man es schlicht gewähren lassen. “Dort soll es leben, denn dort gehört das Tier zur Natur und erfüllt eine wichtige Aufgabe”, so Knoll abschließend.