Finanzielle Nöte haben sich verschärft

Vorarlberg / 03.07.2026 • 13:14 Uhr
Finanzielle Nöte haben sich verschärft
Elmar Stüttler: “Viele haben sich das nie vorstellen können, aufgrund der gestiegenen Preise ist es aber dazu gekommen, dass die eigenen Mittel für sie nicht mehr ausreichen.“ Foto: VN/Stiplovsek

„Tischlein deck dich“-Chef Stüttler: Mehr Pensionisten und Alleinerziehende brauchen Hilfe. 

SCHWARZACH. Die Berichte von „Tischlein deck dich“-Chef Elmar Stüttler sind ebenso alarmierend wie jene von Caritas-Direktor Walter Schmolly: Laut Stüttler hat sein Verein zuletzt mehr Menschen mit Lebensmittel versorgen müssen, laut Schmolly hat sich die Lage von jenen verschärft, die ohnehin schon zu kämpfen haben. 

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Es sind Berichte, die bestätigen, was die Statistik Austria bei Erhebungen feststellt, die sie einmal pro Quartal unter dem Titel „Soziale Krisenfolgen“ durchführt: Vielen geht es gut, viele weitere haben jedoch zu kämpfen. Nimmt man zur Orientierung Durchschnittswerte für die letzten drei Erhebungswellen, ergibt sich für Vorarlberg folgendes Bild: Rund zwei Drittel der Haushalte kommen mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht, sehr leicht, leicht oder eher leicht über die Runden. 19 Prozent berichten jedoch von „etwas Schwierigkeiten“ sowie 16 Prozent von „Schwierigkeiten“ oder „großen Schwierigkeiten“. 

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Wobei: Was heißt das? Für sehr viele stellen Wohnkosten eine Belastung dar: für 55 Prozent eine gewisse und für 17 Prozent eine schwere. 30 Prozent wiederum haben nicht einmal Reserven, um unerwartete Ausgaben in Höhe von 1660 Euro aus eigenen Mitteln tätigen zu können. Und für jeweils rund 20 Prozent sind weder ein Urlaub pro Jahr noch regelmäßige Freizeitaktivitäten drinnen, die etwas kosten. Für acht Prozent geht sich nicht einmal alle zwei Tage zumindest ein Hauptgericht aus. Wobei auch hier gilt: Was Befragte darunter verstehen, kann sehr unterschiedlich sein.

Der Punkt ist, dass Elmar Stüttler, der nah dran ist an Notlagen, diese Größenordnung für absolut plausibel hält. Der Russ-Preis-Träger hat den Verein „Tischlein deck dich“ gegründet, der Lebensmittel an Bedürftige ausgibt. Seinen Angaben zufolge hat die Nachfrage in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. „Vor allem auch mehr Pensionisten und Alleinerziehende sind gekommen. Viele haben sich das nie vorstellen können, aufgrund der gestiegenen Preise ist es aber dazu gekommen, dass die eigenen Mittel für sie nicht mehr ausreichen.“

Walter Schmolly
„Die Armutssituationen sind verfestigter und der Unterstützungsbedarf insbesondere für Lebensmittel und Wohnen ist höher”, berichtet Caritas-Direktor Walter Schmolly. Foto: Caritas

Caritas-Direktor Walter Schmolly berichtet, dass die Menschen, die von Einkommensarmut betroffen seien, sich immer schwerer tun würden, aus ihrer Situation herauszukommen: „Die Armutssituationen sind verfestigter und der Unterstützungsbedarf insbesondere für Lebensmittel und Wohnen ist höher. Überdurchschnittlich vertreten in dieser Gruppe sind Haushalte, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind sowie Alleinerziehenden- und Mehrkind-Haushalte.“

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Schmolly übt daher Kritik an Maßnahmen der Regierung: Mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel werde zwar am richtigen Thema angesetzt. Die Entlastung werde durch die Paketsteuer aber wieder mehr oder weniger wettgemacht. Außerdem sei die Nicht-Anpassung von Leistungen wie der Familienbeihilfe fatal: Das sei in Wirklichkeit eine Kürzung, die ausgerechnet Alleinerziehende und Mehrkind-Haushalte am härtesten treffe.

Für Arbeiterkammer-Präsident Bernhard Heinzle zeigt die Entwicklung, dass Notlagen zunehmend größere Teile der Bevölkerung betreffen: „Wenn jede fünfte Person in Vorarlberg auf Urlaub verzichten muss und fast jeder Dritte größere unerwartete Ausgaben nicht ohne Kredit stemmen kann, dann ist das kein Randproblem mehr. Das ist die Mitte der Gesellschaft.“ 

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„Das ist kein Randproblem mehr”, stellt AK-Präsident Bernhard Heinzle fest: “Das ist die Mitte der Gesellschaft.“ FOTO: AK

Heinzle greift vor diesem Hintergrund etwas auf, was die Statistik Austria zuletzt zusätzlich abgefragt hat und dabei herausgekommen ist: „Eine klare Mehrheit spricht sich gegen Kürzungen bei Gesundheit und Pensionen aus und für Vermögens- und Erbschaftssteuern“, so der Arbeitnehmervertreter: „Die Politik wäre gut beraten, auf die eigene Bevölkerung zu hören.“ Diese wisse, wo anzusetzen wäre.