Masern, Mumps und Co.: Warum verschwundene Krankheiten heute zum Impfproblem werden

Vorarlberg / 03.07.2026 • 08:00 Uhr
Masern, Mumps und Co.: Warum verschwundene Krankheiten heute zum Impfproblem werden
Über Impfungen zu reden ist noch immer nicht ganz einfach. VN/Stiplovsek

Das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch soll der anhaltenden Impfskepsis beikommen.

Bregenz Impfen ist noch immer ein sehr kontroversiell diskutiertes Thema, und das, obwohl Krankheiten wie Kinderlähmung, Masern oder Mumps damit stark zurückgedrängt bzw. ausgerottet werden konnten. Doch genau hier liegt laut Maria Paulke-Korinek der Hase im Pfeffer. „Viele Menschen kennen Erkrankungen, die durch Impfungen vermieden werden können, nicht mehr, was dazu führt, dass der Respekt davor verlorengegangen ist“, erklärt die Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium im VN-Gespräch. Die im Zuge der Pandemie angekündigte Impfpflicht war der Sache ebenfalls wenig zuträglich: „Wir haben das zwar nicht systematisch erhoben, aber ich nehme wahr, dass es die einen oder anderen skeptisch eingestellten Menschen schon bewogen hat, sich nicht impfen zu lassen.“ Den wichtigsten Hebel, eine Verbesserung zu erwirken, sieht Paulke-Korinek im Arzt-Patienten-Gespräch. Das würden auch internationale Untersuchungen belegen: „Deshalb sind wir bemüht, die Aufklärung und Information in der Ärzteschaft sowie beim Gesundheitspersonal zu intensivieren.“

Maria Paulke-Korinek
Maria Paulke-Korinek kennt die Probleme rund um das Impfwesen. Karo Pernegger

Neutrale Informationen

Maria Paulke-Korinek referierte dieser Tage bei den aks-Impfgesprächen. Dabei handelt es sich um eine etablierte Fortbildungsveranstaltung, die aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Impfbereich thematisiert. Der aks betreibt auch eine Plattform, die aktuelle neutral aufbereitete Impfinformationen liefert. „Solche Angebote sind in Zeiten, in denen viele online nach Fakten suchen, ungemein wichtig“, sagt Paulke-Korinek und fügt ergänzend an: „Die Leute wissen, dass es sich um eine vertrauenswürdige Aufklärung handelt. Da zu unterscheiden ist oftmals gar nicht so einfach.“

Die Fachfrau weiß um die Schwierigkeit, Menschen zur Impfung zu bringen. „Der große Unterschied zwischen Medikamenten und Impfungen ist, dass ich die Impfung einem Gesunden verabreiche. Das schafft nicht unbedingt Motivation“, bemerkt Maria Paulke-Korinek. Dass aber viele Leute schon aktiv bei Ärzten etwa nach der Gürtelrose- und Pneumokokken-Impfung fragen, stimmt sie etwas zuversichtlich. Sie verweist auf die alternde Gesellschaft und darauf, wie wichtig es ist, gesund zu altern. Dazu könne gerade die Gürtelrose- und Pneumokokken-Impfung wesentlich beitragen.

Niederschwellig wirkt

Ein Sorgenkind war immer auch die Grippeschutzimpfung. Seit sie gratis zu haben ist, steige die Nachfrage jedes Jahr. Aus Sicht von Maria Paulke-Korinek zeigt das, dass niederschwellige Angebote wirken. Gleichzeitig müsse bei jeder weiteren Ausweitung sorgfältig abgewogen werden, wo der gesundheitliche Nutzen im Verhältnis zu den Kosten besonders groß sei. Die Expertin nennt als Beispiele die Diphterie-Tetanus-Keuchhusten-Impfung für Erwachsene, die RSV-Impfung, die Zeckenschutzimpfung sowie für Kinder die Feuchtblattern- und alle empfohlenen Meningokokken-Impfungen: derzeit jedoch alle nicht finanzierbar. Paulke-Korinek bleibt dennoch optimistisch: „Impfungen können beitragen, die Bevölkerung gesund zu erhalten, eine gesunde Bevölkerung wiederum entlastet das Gesundheitssystem und macht Investitionen in Impfungen möglich.“

Was die Forderung nach Impfen in Apotheken angeht, äußert sie sich pragmatisch: „Das ist eine rein politische Entscheidung. Es gibt Länder, da wird es gemacht und funktioniert. Also warum soll es bei uns nicht funktionieren.“