“Was ist denn da los?” – Fotograf Lois Hechenblaikner ärgert sich über Wolfurts Zollamt

Vorarlberg / 06.07.2026 • 11:50 Uhr
"Was ist denn da los?" – Fotograf Lois Hechenblaikner ärgert sich über Wolfurts Zollamt
Lois Hechenblaikner und jene Bücher, die das Fass zum Überlaufen brachten.VN

Eigentlich wollte der Fotograf nur einen Verlag finden. Stattdessen fand er viel Gesprächsbedarf mit dem Zoll.

Wolfurt “Was ist denn da los? Man kann doch nicht bei jeder Sendung, die aus der Schweiz rausgeht, glauben, dass da Kriminelle dahinterstecken”, ärgert sich Lois Hechenblaikner. Der 2023 vom Land Tirol mit dem Preis für zeitgenössische Kunst ausgezeichnete Tiroler Fotograf ärgert sich über das Postzollamt in Wolfurt.

Verzögerung am Zoll

Gemeinsam mit Peer Teuwsen, Kulturchef der NZZ am Sonntag, arbeitet Hechenblaikner an dem Buch “Das reichste Dorf der Welt“, das einen Blick hinter die Kulissen von St. Moritz wirft. Kenner des Tirolers dürfte dies wenig überraschen: Er ist als Kritiker des Massentourismus im Alpenraum bekannt, hält vor allem seiner Heimat Tirol einen oft ungern gesehenen Spiegel vor. Für ein Buch braucht es einen Verlag, für die Verlagsauswahl den Versand von beispielgebenden Ansichtsexemplaren – auch von der Schweiz nach Tirol über das Postzollamt in Wolfurt. “Man wollte dort anscheinend nicht glauben, dass es sich bei dieser Buchsendung – wohlgemerkt mit schweizerisch korrekt ausgefülltem Zollformular – um kostenlose Ansichtsexemplare handelte.”

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Die Zollanmeldung ließ für das Postzollamt noch Fragen offen.Lois Hechenblaikner

Das Paket blieb im Zoll hängen, es brauchte Erklärungen und Einreichungen des Verlags wie auch des Fotografen. Der Zoll entschied sich schlussendlich für einen Warenwert von 100 Euro inklusive Versand und legte damit die Einfuhrumsatzsteuer auf 20,14 Euro fest. Hinzu kamen 28,80 Euro Bearbeitungs- und Lagerentgelt. Zwölf Euro für den Import einer Drittlandsendung wären so oder so schlagend geworden. So waren es 60,94 Euro und sieben Tage Verzögerung. Ärgerlich, da die Entscheidung eilte.

Keine Einmaligkeit

“Ich hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Probleme mit dem Postzollamt Wolfurt, weil sie immer wieder für Büchersendungen kassierten, wo eigentlich alles klar war”, ärgert sich der Fotograf. “Bücher machen ist heute ohnehin im Bereich der Selbstausbeutung angesiedelt. Dann braucht es nicht auch noch ein buchkulturverständnisloses Unternehmen wie die Post, welches die Sekundärbewirtschaftung des Bürgers auf eine tragische Spitze getrieben hat.”

"Was ist denn da los?" – Fotograf Lois Hechenblaikner ärgert sich über Wolfurts Zollamt
Diese Ansichtsexemplare strandeten im Zoll und sorgten damit für unerwünschte Verzögerungen.VN

Er habe bereits versucht, eine dauerhafte Lösung zu finden, bevorzugt im direkten Gespräch. Der Kundenservice der Post teilte ihm jedoch mit, dass es keine Möglichkeit eines persönlichen Vorsprechens gebe. “Es reicht mir jetzt einfach”, hat der Fotograf und damit Unternehmer kein Verständnis. Er fühlt sich kriminalisiert und ausgebeutet, die Angaben seien nachvollziehbar und auf ihre Plausibilität überprüfbar gewesen. “Die können doch nicht einfach eine Mauer bauen und sagen: Ich bin die Behörde und du der kleine Bürger.”

Am Schluss hängt es am Absender

Auf Anfrage der VN wollen sich weder das Finanzministerium noch die Post den Schuh anziehen lassen. Vonseiten der Post betont man jedoch, dass sie vor allem den Absender in der Pflicht sehen. So wäre es in diesem Fall besser, statt “Bücher” etwa “Ansichtsexemplare zur Geschäftsanbahnung” oder “Belegexemplar eines Fotobandes” anzugeben. Eine nachvollziehbare Beschreibung des Inhalts und des Warenwerts helfe im Endeffekt allen Beteiligten, unnötigen Aufwand zu vermeiden. Unterstützung fände man beispielsweise in der Schweiz bei der Auskunftszentrale für Zollbestimmungen des BAZG.

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