Warum der Spielraum für Zahnärzte enger wird

Vorarlberg / 07.07.2026 • 08:00 Uhr
Warum der Spielraum für Zahnärzte enger wird
Die prekäre Finanzsituation der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) lässt auch die Vorarlberger Zahnärztekammer nicht kalt. Beim Kassenvertrag sieht Peter Kapeller den Spielraum enger werden. VOL.AT

Zahnärztekammer möchte Gruppenpraxen und die Anstellung von Ärzten bei Ärzten.

Bregenz Die prekäre Finanzsituation der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) lässt auch die Vorarlberger Zahnärztekammer nicht kalt. Sie fürchtet vor allem um das bestehende Abrechnungsübereinkommen. Es ersetzt schon seit mehr als 30 Jahren den klassischen Gesamtvertrag und ermöglicht direkte Verhandlungen zwischen Kammer und ÖGK-Landesstelle, was Honorare und Abrechnungsmodalitäten betrifft.

Kaum Schwierigkeiten bei der Besetzung von Kassenstellen

“Sonderlösungen, wie wir sie haben, sind immer schwieriger durchzusetzen, auch weil mehr oder weniger nur noch von Wien aus entschieden wird”, sagt Peter Kapeller (50), der kürzlich als Präsident der Vorarlberger Zahnärztekammer bestätigt wurde. Er will sich dieses Abkommen aber nicht so einfach nehmen lassen. Er verweist auf kurze Wege und die Verrechnungsstellenkommission, in der sich Vertreter der Kasse und der Zahnärztekammer regelmäßig zur Problembesprechung treffen. “Das gibt es nicht in jedem Bundesland”, merkt Kapeller noch an. Das Vorarlberger Spezifikum sorgt außerdem dafür, dass es kaum Schwierigkeiten bei der Besetzung von Kassenstellen gibt.

Warum der Spielraum für Zahnärzte enger wird
Peter Kapeller wurde kürzlich als Präsident der Vorarlberger Zahnärztekammer bestätigt. DDr. Peter Kapeller

Jobsharing als Einstieg

Vorarlberg verfügt aktuell über 220 Zahnärzte, 128 von ihnen sind Kassenzahnärzte, die übrigen niedergelassene und sogenannte Wohnsitzzahnärzte. “Wir sind in den meisten Bezirken sehr gut aufgestellt, eine Ausnahme ist Bludenz, da wollen die Jungen einfach nicht hin, warum auch immer”, merkt Peter Kapeller an.

Das Interesse an der Zahnheilkunde insgesamt bezeichnet er als sehr gut, allerdings würden sich junge Leute oft scheuen, nach dem Studium gleich in die Praxis zu gehen. Kapeller versteht es: “Die Investitionen sind hoch, und dass sie zuerst Erfahrungen sammeln wollen, ist nachvollziehbar.” Derzeit würde vor allem das Jobsharing als Einstieg in den Ordinationsalltag genutzt. Auf Dauer brauche es jedoch größere Strukturen. Schon länger steht die Forderung nach Gruppenpraxen auch bei den Zahnärzten ganz oben. Deshalb kann Peter Kapeller dem Vorschlag des Gesundheitsministeriums, größere Ordinationen zu schaffen, viel abgewinnen. “Der inzwischen hohe Frauenanteil in der Zahnmedizin erfordert ebenfalls neue Formen der Zusammenarbeit”, ergänzt Kapeller.

Das Fehlen eines Gruppenvertrags verhinderte bislang Gruppenpraxen. Da sei die Österreichische Zahnärztekammer jetzt jedoch dran. Für ebenso wichtig hält der Vorarlberger Zahnärztekammerpräsident die Möglichkeit der Anstellung von Zahnärzten, ähnlich dem Modell bei den Humanmedizinern. “Wir möchten in der Gestaltung von größeren Strukturen flexibler werden”, erklärt Peter Kapeller. An der Freiberuflichkeit soll indes nicht gerüttelt werden: “Wird diese gut organisiert und sind andere Konstrukte zulässig, führt das auch in eine gute Zukunft.” Gespräche zwischen der Österreichischen Zahnärztekammer und der ÖGK sind geplant.

Gute Zusammenarbeit

An der Zusammenarbeit mit der ÖGK-Landesstelle gibt es laut Peter Kapeller nichts zu bemängeln. “Sie will mit uns, und wir wollen mit ihr, aber der Spielraum wird enger, das muss man auch sehen.” Noch stehe das zwar nicht im Raum, aber: “Wir werden den Vertrag sicher nicht auflösen, wenn, dann muss uns die Kasse kündigen.” Für die nächsten fünf Jahre seiner Präsidentschaft möchte Peter Kapeller dafür eintreten, dass das Abrechnungsübereinkommen bestehen bleibt und Gruppenpraxen sowie Anstellungen von Zahnärzten bei Zahnärzten zur Realität reifen.

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