Ein Stück Provence mitten im Walgau

Mit viel Handarbeit, Geduld und der Unterstützung ihrer Kinder haben Alexandra und Christof Dörn mit ihrem Lavendelfeld ein kleines Stück Provence mitten in Vorarlberg geschaffen.
Schnifis Wer den Buchenwaldweg zwischen Schnifis und Thüringen entlanggeht, rechnet wohl kaum damit, plötzlich in der Provence zu landen. Und doch fühlt es sich für einen Moment genau so an. Ein warmer Wind streicht durch die violetten Blüten, Hummeln und Bienen summen zwischen den Pflanzen, der intensive Duft des Lavendels liegt in der Luft. Wer hier unterwegs ist, vergisst für einen Augenblick, dass Südfrankreich Hunderte Kilometer entfernt liegt. Zwischen den Reihen huscht die fünfjährige Elina Häusle-Dörn mit einer Gartenschere umher. Sie hilft ihren Eltern Alexandra Häusle-Dörn (43) und Christof Dörn (44) ganz selbstverständlich dort mit, wo es gerade etwas zu tun gibt.

Was vor fünf Jahren mit einem kleinen Kräutergarten begann, ist heute das wohl einzige größere Lavendelfeld Vorarlbergs. Rund 1000 Pflanzen wachsen inzwischen auf dem sonnigen Südhang oberhalb von Schnifis und erfreuen damit Spaziergänger, Fotografen sowie zahlreiche Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Das Feld liegt direkt am Jakobsweg und ist längst zu einem beliebten Zwischenstopp geworden.

“Eigentlich wollten wir nur einen kleinen Kräutergarten”, erzählt Christof Dörn. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra, beide hauptberuflich Lehrer, setzten sie zunächst 100 Lavendelpflanzen. Weil sie sich auf dem heißen, trockenen Hang so wohlfühlten, wurde das Feld Jahr für Jahr erweitert.


Qualität vor Quantität
Dabei entschieden sich die beiden bewusst gegen den in Südfrankreich verbreiteten Lavandin. Stattdessen bauen sie den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) an. “Unsere Pflanzen liefern zwar deutlich weniger ätherisches Öl, enthalten aber wesentlich mehr Linalool”, erläutert der 44-Jährige. Jener natürliche Inhaltsstoff, auf den der Duft und die beruhigende Wirkung zurückgeführt werden. “Uns ist die Qualität wichtiger als der Ertrag.” Gedüngt oder gespritzt wird bei ihnen auf dem Feld nicht.



Alles, was sie heute über Lavendel wissen, haben sie sich selbst angeeignet. Bücher und der Austausch mit Produzenten aus dem Burgenland und der Steiermark hätten den Weg geebnet. “Vor allem aber haben wir einfach viel ausprobiert und dabei auch am Anfang einiges falsch gemacht”, erinnern sich die leidenschaftlichen Hobbygärtner.

Die Arbeit endet deshalb nie. Fast täglich schaut die Familie am Feld vorbei, entfernt Gras und Unkraut oder kontrolliert die Pflanzen. Geerntet wird möglichst zur Mittagszeit, wenn der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist. Anschließend werden die Blüten von Hand von den Stielen getrennt. Danach wandern die Blüten in die 70-Liter-Destille. Rund zehn Stunden dauert es, bis aus Wasserdampf Tropfen für Tropfen hochwertiges Hydrolat und eine feine Schicht ätherischen Öls entstehen. “Und das ganze Haus riecht tagelang angenehm nach Lavendel”, sagt Alexandra Häusle-Dörn.

Nachfrage größer als Angebot
Aus der ersten Ernte entstanden zunächst Geschenke für Freunde und Verwandte. Die Begeisterung darüber war so groß, dass die Familie schließlich den kleinen Selbstbedienungsstand direkt am Buchenwaldweg errichtete. Aus dem Lavendel entstehen von Hydrolat über Sirup, Salben, Kerzen bis zu Duftsäckchen, Badesalz und Honig. Verkauft werden sie im Selbstbedienungshäuschen direkt am Feld, in der Sennerei Schnifis, auf ausgewählten Märkten und online. Die Nachfrage sei inzwischen größer als das Angebot. “Eigentlich haben wir immer zu wenig Produkte”, sagt Dörn mit einem Schmunzeln. Trotzdem soll das Projekt bewusst klein bleiben.


Zwischen den violetten Blüten wächst also nicht nur Lavendel, sondern eine Idee, die mit viel Geduld, Handarbeit und Leidenschaft entstanden ist und jeden Sommer ein Stück Provence nach Vorarlberg kommen lässt.