Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält

Vorarlberg / 24.07.2026 • 16:00 Uhr
Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
Nach der Inbetriebnahme sind im Bereich der Tunnelportale und des Lüftungsbauwerks mindestens sechs Jahre lang Luftmessungen vorgeschrieben.VN

Am Stadtschrofen sind die Arbeiten am Lüftungsschacht vorerst abgeschlossen. Antworten des Landes auf eine VN-Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) geben Einblick, warum der künftige Abluftturm ohne Filtersystem auskommt und wie die Luftqualität überwacht werden soll.

Frastanz, Feldkirch Der große Baukran oberhalb des buddhistischen Klosters prägte monatelang das Bild am Feldkircher Stadtschrofen. Nun sind die Vortriebsarbeiten für den rund 75 Meter tiefen Lüftungsschacht planmäßig abgeschlossen. Bis zum Bau des rund zehn Meter hohen oberirdischen Schachtgebäudes in der zweiten Jahreshälfte 2027 sind dort vorerst keine weiteren Arbeiten vorgesehen.

Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
Seit Monaten prägt der Baukran am Stadtschrofen das Bild über der Feldkircher Innenstadt. Dietmar Stiplovsek

Im Vorfeld des Baubeginns sorgte der Lüftungsturm für Diskussionen. 2013 protestierten Anrainer mehrfach gegen das Bauwerk und kritisierten den Verzicht auf eine Filteranlage. Wie aus den Antworten des Landes auf eine Anfrage der Vorarlberger Nachrichten nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) hervorgeht, bleibt es dabei: Die Tunnelabluft soll ohne Filter ins Freie geleitet werden. Begründet wird dies mit den rechtskräftigen Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts und den im UVP-Verfahren eingeholten Sachverständigengutachten. Diese kämen zum Schluss, dass das Lüftungskonzept bei Einhaltung aller Auflagen die gesetzlichen Grenzwerte einhalte und als umweltverträglich gelte. Auch neuere Filtertechnologien seien deshalb nicht weiter geprüft worden. Das Land verweist zudem auf den steigenden Anteil emissionsärmerer Fahrzeuge und strengere Abgasnormen.

Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
Der Lüftungsturm soll möglichst unauffällig gestaltet und begrünt werden.Dietmar Stiplovsek

Umfangreiche Auflagen

Der UVP-Bescheid sieht dennoch Auflagen vor. So muss die Abluft mindestens zehn Meter über Gelände und drei Meter über den Baumkronen senkrecht nach oben ausgeleitet werden. Nach der Inbetriebnahme sind im Bereich der Tunnelportale und des Lüftungsbauwerks mindestens sechs Jahre lang Luftmessungen vorgeschrieben. Zusätzlich werden Bodenproben entnommen und die Lüftungssteuerung muss regelmäßig überprüft und – abhängig von der tatsächlichen Emissions- und Immissionsentwicklung – angepasst werden.

Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
70 Prozent der Haupttunnel-Röhre sind bereits ausgebrochen. Dietmar Stiplovsek Pauschal

Gleichzeitig soll der Turm laut UVP-Bescheid möglichst unauffällig gestaltet werden – ein ursprünglicher Plan durch das Architekturbüro “marte.marte” wurde aus diesem Grund verworfen. Zusätzlich sind Baumpflanzungen und eine Begrünung vorgesehen, um das Bauwerk möglichst gut in die Landschaft einzubinden.

Kein Sonderfall

Der Verzicht auf Filter beim Stadttunnel ist kein Sonderfall. Wie die Asfinag den VN auf Anfrage erklärt, verfügen auch Pfänder- und Arlbergtunnel über keine entsprechenden Abluftfilter. Dort würden die Lüftungsanlagen im Wesentlichen nur bei besonderen Ereignissen wie Bränden oder Trübsicht betrieben. Ein direkter Vergleich mit dem Stadttunnel lässt sich laut Asfinag allerdings nicht ziehen, da für Autobahntunnel andere technische Regelwerke und Verkehrsverhältnisse gelten.

Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
Foto von April: Hier soll bald der zehn Meter hohe Abluftturm stehen. Beate Rhomberg

Aktuell ist die Diskussion auch deshalb, weil sich die Luftqualität in Feldkirch verbessert hat. Laut aktuellem Luftgütebericht des Umweltinstituts wurden 2025 an allen Messstellen in Vorarlberg – auch an der Bärenkreuzung – die gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub eingehalten. Die Tunnelgegner sehen sich dadurch bestätigt. Das ursprüngliche Hauptargument für das Projekt habe sich „in guter Luft aufgelöst“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative “Transform”. Das Land hält dagegen, Ziel des Projekts sei weiterhin die Entlastung der innerstädtischen Siedlungsgebiete. Ob diese erreicht werde, müsse nach der Verkehrsfreigabe durch die vorgeschriebenen Langzeitmessungen nachgewiesen werden. Nach Inbetriebnahme des Stadttunnels, die für das Jahr 2030 geplant ist, erwartet das Land einen Rückgang des Verkehrs über die Letze von bis zu 57 Prozent.

Warum der Stadttunnel keine Luftfilter erhält
So soll der Stadttunnel unter der Erde aussehen.VN

70 Prozent Fortschritt im Berginneren

Währenddessen schreitet der Stadttunnel an anderer Stelle voran. Im Haupttunnelast Felsenau sind bereits 70 Prozent der Hauptröhre ausgebrochen. Am Portal Altstadt laufen die Arbeiten in Deckelbauweise, danach folgt das Portal Tisis, wo derzeit die Baustelleneinrichtung und Lärmschutzwände errichtet werden.

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