Worüber sich Georg Sporschill freut

Vorarlberg / 24.07.2026 • 15:31 Uhr
Worüber sich Georg Sporschill freut
Georg Sporschill in Ziegental, einem Ort in Siebenbürgen, wo er mit seiner Nachfolgerin Ruth Zenkert das Sozialprojekt “Elijah” aufgebaut hat. Foto: Elijah.Soziale Werke

Zum 80. Geburtstag gibt es von einem ehemaligen Straßenkind „das größte Geschenk“.

SCHWARZACH. Geburtstagsfest gebe es keines, sagt Pater Georg Sporschill: „Das habe ich jeden Tag.“ Am 26. Juli wird er 80 und das ist nicht das einzige Jubiläum, das er heuer begeht: Vor 50 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein und vor 35 Jahren ging er als Sozialarbeiter nach Rumänien.

Das ist die Heimat des gebürtigen Vorarlbergers geworden. Begonnen hat es in Bukarest auf dem Nordbahnhof, wo nach dem Zusammenbruch des Ceaușescu-Regimes Kinder versuchten, auf sich allein gestellt zu überleben. Eines davon war Moise, ein Bub. „Er hat sofort erkannt, dass ich mich bedroht fühle“, erinnert sich Sporschill: „Er ist auf mich zugekommen und hat gesagt, dass er mich beschützt.“ Das habe der damals etwa Zehnjährige dann auch getan. Er sei eine Respektsperson gewesen, auch Polizisten hätten ihn gegrüßt.

Worüber sich Georg Sporschill freut
Hat als Straßenkind Georg Sporschill auf dem Bukarester Nordbahnhof beschützt und nun sein Leben mit ihm nachgezeiechnet: Moise. Foto: Elijah.Soziale Werke

Heute sagt Sporschill: „Er ist mein Lebensmensch geworden.“ Niemand kenne ihn besser als er. Niemand könne ihn besser aufbauen. Er könne zwar kaum lesen und schreiben, hinterlasse ihm aber jeden Morgen eine Sprachnachricht, die ihn durch den Tag trage.

Nicht, dass alles gut wäre: „Wir haben alles versucht mit Moise, Schule, Beruf – es ist eigentlich immer alles gescheitert.“ Bis auf das Zeichnen. Da sei er drangeblieben und das hat zu dem geführt, was Sporschill als das „schönste Geburtstagsgeschenk“ betrachtet, das er sich vorstellen könne: Ein fast 200 Seiten starker Bildband mit Zeichnungen, deren Inhalt auch der Titel ist: „Moise: Mein Leben mit Pater Georg“.

Ruhestand ist Georg Sporschill fremd im 80. Lebensjahr. Er ist noch immer viel unterwegs, immer wieder auch in Vorarlberg. Er gesteht jedoch, dass sich mit dem Alter etwas geändert habe: „Ich denke mir, welches Glück ich habe, dass ich halbwegs gesund bin, „das alles“ habe und mich die Jungen nicht wegschicken, sondern weiter mittragen.“

Worüber sich Georg Sporschill freut
Russ-Preis-Träger Georg Sporschill 1996 mit Alt-Landeshauptmann Herbert Keßler: Ehe er Jesuit und Sozialarbeiter wurde, arbeitete er beim Land. Foto: VN/Hofmeister

Ursprünglich schien ein ganz anderer Weg vorgezeichnet zu sein. Da war er Referent für Erwachsenenbildung im Amt der Landesregierung. Es sei eine gute Zeit gewesen, eine innere Unruhe habe ihn jedoch woanders hingezogen. Zum damaligen Jesuitenpater Wolfgang Feneberg, den er als seinen Lehrer bezeichnet. Nicht einen, sondern den Lehrer: „Er hat mich in Jugendgefängnisse geschickt und gefordert, er hat mich in meine Berufung hineingestoßen.“ Dazu passt der Jesuitenorden: „Das ist kein sentimentaler Orden. Er verspricht kein warmes Nest, sondern verlangt, dass du in die Welt hinausgehst. Dorthin, wo die Not am größten ist.“

Auch wenn es hart ist. „Bei Schwierigkeiten erlaube ich mir keine Wehleidigkeit“, so Sporschill: „Ich bin gespannt, welche Tür als nächstes aufgeht. Das ist ein Grundoptimismus: Wenn es dunkel ist, bin ich davon überzeugt, dass es wieder hell wird. Das hilft.“

Worüber sich Georg Sporschill freut
Pater Georg Sporschill mit seiner Nachfolgerin Ruth Zenkert: “Allein ihre Organisiertheit ist einzigartig. Und ihre Ruhe.” Foto: Elijah.Soziale Werke

Ehe er 1991 nach Rumänien ging, war er mit Ruth Zenkert in einem Jugendhaus in der Wiener Blindengasse tätig. Sie ist für ihn die zweite Säule neben Moise, seine Nachfolgerin und eine Ergänzung für ihn: „Allein ihre Organisiertheit ist einzigartig. Und ihre Ruhe: Wenn in der Blindengasse ein Gewalttäter im Haus war und alle Angst hatten, ist sie hingegangen und hat gesagt, er soll ihr die Waffe geben. Das hat er dann getan.“

Mit Zenkert ist der Russ-Preis-Träger 2012 nach Siebenbürgen weitergezogen, wo sie das Sozialprojet „Elijah“ für Roma aufgebaut haben und nach wie vor aktiv sind; wo sie Sozialzentren und Musikschulen sowie vor einigen Jahren auch ein Heim für Studierende in Hermannstadt (Sibiu) aufgebaut haben, das unterstreicht, dass es gelingt, Menschen Flügel zu verleihen und zu einem besseren Leben zu verhelfen.  

Tipp: Das Buch „Moise: Mein Leben mit Pater Georg“ ist gegen eine Spende beim Verein „Elijah. Pater Georg Sporschill SJ. Soziale Werke“ erhältlich. IBAN: AT66 1630 0001 3019 8724. Website: elijah.at