Vom Straßenplaner zum Stadtführer

Vorarlberg / 28.07.2026 • 10:44 Uhr
An symbolträchtigem Ort auf dem Gebhardsberg, hoch über „seinem“ Weidachknoten, trafen die VN Gerhard Tauber zum Gespräch. PETER STRAUSS
An symbolträchtigem Ort auf dem Gebhardsberg, hoch über “seinem” Weidachknoten, trafen die VN Gerhard Tauber zum Gespräch.Tauber

In der Pension lebt Gerhard Tauber seinen Jugendtraum in einem völlig anderen Metier.

Bregenz Wenn er seinen wissbegierigen Gästen Geschichte und Geschichten über seine Heimatstadt Bregenz vermittelt, dann spürt man, dass Gerhard Tauber sein ganzes Herzblut in seine Ausführungen legt. Geschichte, Kunst, Kultur haben ihn schon in seiner Jugend interessiert und fasziniert – und fast wäre es sein Beruf geworden, denn die Entscheidung zwischen einem Studium der Kunstgeschichte und des Bauingenieurwesens fiel ihm nicht leicht, wie er sich mehr als sechzig Jahre später im Gespräch mit den VN erinnert. In einem Gespräch, das wir an symbolträchtiger Stelle führten: auf der Terrasse des Gebhardsberg-Restaurants, hoch über dem Weidachknoten.

Ein „großer Tag“ für den Straßenplaner Gerhard Tauber: der von ihm in jahrelanger geduldiger und kreativer Planungsarbeit entwickelte Weidachknoten ist bereit für die Eröffnung.
Ein “großer Tag” für den Straßenplaner Gerhard Tauber: Der von ihm in jahrelanger geduldiger und kreativer Planungsarbeit entwickelte Weidachknoten ist bereit für die Eröffnung.

Regelrechter “Geniestreich”

“Nach der Eröffnung des Citytunnels im Juni 1984 begannen Diskussionen um den Vollanschluss an die A 14 im Weidach”, erinnert er sich. “Es war”, so Tauber, “nicht nur eine planerische Herausforderung, sondern auch ein gewaltiges finanzielles Problem. Details würden zu weit führen, nur so viel: Rein rechtlich hätte der Weidachknoten bedeutet, dass Land Vorarlberg und Stadt Bregenz den Citytunnel bezahlen bzw. dem Bund refundieren müssen. Die Planungen für den Anschluss mussten deshalb so gestaltet werden, dass der Bund in unzähligen Verhandlungen davon überzeugt werden konnte, dass er für die Finanzierung des Citytunnels zuständig ist”, erinnert Tauber mit berechtigtem Stolz daran, dass dieser ‚planerische und rechtliche Drahtseilakt‘ gelungen ist.

Ein Markstein für die Verkehrsabwicklung im Bereich des Güterbahnhofs: LR Hubert Gorbach und Gerhard Tauber im strömenden Regen beim Lokalaugenschein, als 1997 der Halbanschluss der Senderstraße an die A 14 ausgesteckt wurde.
Ein Markstein für die Verkehrsabwicklung im Bereich des Güterbahnhofs: LR Hubert Gorbach und Gerhard Tauber im strömenden Regen beim Lokalaugenschein, als 1997 der Halbanschluss der Senderstraße an die A 14 ausgesteckt wurde.

Nicht sein persönlicher Favorit

Ist die Lösung des Problems Weidachknoten für ihn sein wichtigstes Projekt? Es ist sicher im Interesse der Verkehrsteilnehmer ein Vorhaben, das aus dem Verkehrsnetz nicht mehr wegzudenken ist, aber “für mich sind einige andere Vorhaben höher einzustufen”, stellt Tauber seine persönliche “Hitliste” auf: “Die Neutrassierung der L 200 von Schröcken nach Nesslegg, damals heftig umstritten, heute aber allgemein als landschaftlich gut gelungen anerkannt, die Galerie von Damüls nach Faschina und dann natürlich die Verbindung vom Rheintal in den Bregenzerwald samt Achraintunnel stehen in meinem persönlichen Ranking noch über dem Weidachknoten.”

„Bei der Realisierung des Weidachknotens waren nicht nur kreative Ideen sondern auch viel Geduld und juristische Spitzfindigkeit gefragt.“ Gerhard Tauber
“Bei der Realisierung des Weidachknotens waren nicht nur kreative Ideen, sondern auch viel Geduld und juristische Spitzfindigkeit gefragt.” Gerhard Tauber

Komplett abgeschlossen

Der Achraintunnel hat ihn sein ganzes Berufsleben begleitet: “Als ich 1973 meinen Dienst in der Straßenplanung antrat, lag auf meinem Schreibtisch auch der Akt Neutrassierung B 200. Damals noch als offene Trasse in Serpentinen durch den Pfellerwald.” Pläne, die bald im Papierkorb landeten, denn Tauber entwickelte die Tunnelvariante. Als der Tunnel 2009 eröffnet wurde, hatte er damit nichts mehr am Hut, denn “mit meiner Pensionierung 2005 habe ich mit der Straßenplanung komplett abgeschlossen und mich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, doch noch Kunstgeschichte zu studieren”.

Die vielen Stammgäste, die zur Seeaufführung mit der Hohentwiel anreisen, werden ihn vermissen: „Viele Jahre durfte ich die Festspielgäste einführen, leider wurde diese Aktion eingestellt.“
Die vielen Stammgäste, die zur Seeaufführung mit der Hohentwiel anreisen, werden ihn vermissen: “Viele Jahre durfte ich die Festspielgäste einführen, leider wurde diese Aktion eingestellt.”

Mehr als ein Kompromiss

“Da kam mir jedoch die Asfinag dazwischen – sie wollte mein großes Know-how nützen und bot mir einen Fünf-Jahres-Vertrag als Konsulent an – das war’s dann mit dem Studium.” Stattdessen machte er die Ausbildung zum Stadtführer und sieht in dieser Tätigkeit mehr als einen Kompromiss zum Studium. “Jede Führung ist anders, bringt auch für mich immer wieder Neues, und ich kann mich – nicht nur in Bregenz, sondern auch in Lindau – mit Geschichte, Kultur und Kunst beschäftigen, und es macht Spaß, immer noch dazuzulernen.” STP

Gerhard Taubers „Lieblingsprojekt“ – die Neutrassierung der L 200 von Schröcken nach Nesslegg in den späten 1980-er Jahren. Die kreative Lösung mit der aufgeständerten Kehre auf der Schmitte war der Schlüssel zur Realisierung des Vorhabens.
Gerhard Taubers “Lieblingsprojekt” – die Neutrassierung der L 200 von Schröcken nach Nesslegg in den späten 1980er-Jahren. Die kreative Lösung mit der aufgeständerten Kehre auf der Schmitte war der Schlüssel zur Realisierung des Vorhabens.

Zur Person

Dipl. -Ing. Gerhard Tauber

Geboren: 11. April 1945

Wohnort: Bregenz

Beruf: Bauingenieur, Stadtführer

Familie: Gattin Marianne, zwei Kinder, ein Enkel

Hobby: Klavierspielen

Lebensmotto: Was getan werden muss, muss richtig getan werden.

Bei den zahllosen Presseterminen zum Thema S 18 lag es meist an Gerhard Tauber, Fragen zu beantworten. So auch im Oktober 1999, als LR Hubert Gorbach optimistisch von einem „frühesten Baubeginn für die S 18 im Jahr 2001“ ausging. Tauber hielt das für unrealistisch . . .   
Bei den zahllosen Presseterminen zum Thema S 18 lag es meist an Gerhard Tauber, Fragen zu beantworten. So auch im Oktober 1999, als LR Hubert Gorbach optimistisch von einem “frühesten Baubeginn für die S 18 im Jahr 2001” ausging. Tauber hielt das für unrealistisch …
1973 wurde die Riedautobahn – damals A 15 – nach § 4 verordnet. In den 32 Jahren bis zu seiner Pensionierung hat Gerhard Tauber zahllose Varianten entwickelt – umsonst.   
1973 wurde die Riedautobahn – damals A 15 – nach § 4 verordnet. In den 32 Jahren bis zu seiner Pensionierung hat Gerhard Tauber zahllose Varianten entwickelt – umsonst.
Lokalaugenschein am Weidachknoten: Gerhard Tauber (re.) und LR Hubert Gorbach (2. v. l.) bei einer der zahllosen Besprechungen um die Planung des Anschlusses.
Lokalaugenschein am Weidachknoten: Gerhard Tauber (re.) und LR Hubert Gorbach (2. v. l.) bei einer der zahllosen Besprechungen zur Planung des Anschlusses.
Tausenden erwartungsvoll gestimmten Gästen von Festspielfahrten gab Gerhard Tauber in den vergangenen Jahren mit fachkundiger Einführung Einblicke in die Festspiele und das Spiel auf dem See.
Tausenden erwartungsvoll gestimmten Gästen von Festspielfahrten gab Gerhard Tauber in den vergangenen Jahren mit fachkundiger Einführung Einblicke in die Festspiele und das Spiel auf dem See. “Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, und deshalb finde ich es schade, dass die Aktion eingestellt wurde.”