Vom Straßenplaner zum Stadtführer

In der Pension lebt Gerhard Tauber seinen Jugendtraum in einem völlig anderen Metier.
Bregenz Wenn er seinen wissbegierigen Gästen Geschichte und Geschichten über seine Heimatstadt Bregenz vermittelt, dann spürt man, dass Gerhard Tauber sein ganzes Herzblut in seine Ausführungen legt. Geschichte, Kunst, Kultur haben ihn schon in seiner Jugend interessiert und fasziniert – und fast wäre es sein Beruf geworden, denn die Entscheidung zwischen einem Studium der Kunstgeschichte und des Bauingenieurwesens fiel ihm nicht leicht, wie er sich mehr als sechzig Jahre später im Gespräch mit den VN erinnert. In einem Gespräch, das wir an symbolträchtiger Stelle führten: auf der Terrasse des Gebhardsberg-Restaurants, hoch über dem Weidachknoten.

Regelrechter “Geniestreich”
“Nach der Eröffnung des Citytunnels im Juni 1984 begannen Diskussionen um den Vollanschluss an die A 14 im Weidach”, erinnert er sich. “Es war”, so Tauber, “nicht nur eine planerische Herausforderung, sondern auch ein gewaltiges finanzielles Problem. Details würden zu weit führen, nur so viel: Rein rechtlich hätte der Weidachknoten bedeutet, dass Land Vorarlberg und Stadt Bregenz den Citytunnel bezahlen bzw. dem Bund refundieren müssen. Die Planungen für den Anschluss mussten deshalb so gestaltet werden, dass der Bund in unzähligen Verhandlungen davon überzeugt werden konnte, dass er für die Finanzierung des Citytunnels zuständig ist”, erinnert Tauber mit berechtigtem Stolz daran, dass dieser ‚planerische und rechtliche Drahtseilakt‘ gelungen ist.

Nicht sein persönlicher Favorit
Ist die Lösung des Problems Weidachknoten für ihn sein wichtigstes Projekt? Es ist sicher im Interesse der Verkehrsteilnehmer ein Vorhaben, das aus dem Verkehrsnetz nicht mehr wegzudenken ist, aber “für mich sind einige andere Vorhaben höher einzustufen”, stellt Tauber seine persönliche “Hitliste” auf: “Die Neutrassierung der L 200 von Schröcken nach Nesslegg, damals heftig umstritten, heute aber allgemein als landschaftlich gut gelungen anerkannt, die Galerie von Damüls nach Faschina und dann natürlich die Verbindung vom Rheintal in den Bregenzerwald samt Achraintunnel stehen in meinem persönlichen Ranking noch über dem Weidachknoten.”

Komplett abgeschlossen
Der Achraintunnel hat ihn sein ganzes Berufsleben begleitet: “Als ich 1973 meinen Dienst in der Straßenplanung antrat, lag auf meinem Schreibtisch auch der Akt Neutrassierung B 200. Damals noch als offene Trasse in Serpentinen durch den Pfellerwald.” Pläne, die bald im Papierkorb landeten, denn Tauber entwickelte die Tunnelvariante. Als der Tunnel 2009 eröffnet wurde, hatte er damit nichts mehr am Hut, denn “mit meiner Pensionierung 2005 habe ich mit der Straßenplanung komplett abgeschlossen und mich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, doch noch Kunstgeschichte zu studieren”.

Mehr als ein Kompromiss
“Da kam mir jedoch die Asfinag dazwischen – sie wollte mein großes Know-how nützen und bot mir einen Fünf-Jahres-Vertrag als Konsulent an – das war’s dann mit dem Studium.” Stattdessen machte er die Ausbildung zum Stadtführer und sieht in dieser Tätigkeit mehr als einen Kompromiss zum Studium. “Jede Führung ist anders, bringt auch für mich immer wieder Neues, und ich kann mich – nicht nur in Bregenz, sondern auch in Lindau – mit Geschichte, Kultur und Kunst beschäftigen, und es macht Spaß, immer noch dazuzulernen.” STP

Zur Person
Dipl. -Ing. Gerhard Tauber
Geboren: 11. April 1945
Wohnort: Bregenz
Beruf: Bauingenieur, Stadtführer
Familie: Gattin Marianne, zwei Kinder, ein Enkel
Hobby: Klavierspielen
Lebensmotto: Was getan werden muss, muss richtig getan werden.



