Wasser per Traktor oder aus dem See: So unterschiedlich trifft die Trockenheit die Älpler

Vorarlberg / 12.08.2026 • 17:30 Uhr
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Mario Muxel, Hirte auf der Alpe Süns, hat weder Wasser- noch Futterknappheit. Bilder: VN/JUN

Nur wenige Kilometer liegen zwischen den Alpen am Furkapass, doch die Trockenheit trifft sie ganz unterschiedlich. Während auf einer Alpe jeder Tropfen zählt, ist Wasser anderswo kein Problem. Und auch beim Futter zeigt sich ein differenziertes Bild.

Damüls, Laterns Die Dürre macht sich auch auf den Alpen bemerkbar, denn das Futter wird langsam knapp. Die VN haben mit Älplern rund um den Furkapass gesprochen. Ein früherer Alpabtrieb kommt für sie nicht infrage.

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Martin Ganahl und Max Mayer (v. l.) von der Alpe Gävis sind froh um jeden Tropfen Wasser.
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Das Gras ist bereits vertrocknet.

Auf der Alpe Gävis ist die Wasserknappheit deutlich spürbar. „Wir müssen jeden Tropfen zweimal umdrehen“, sagt Kuhhirte Max Mayer. Trotz zweier Wasserreservoirs mit etwa 20.000 Liter Wasser zur Grundversorgung bringt ein Traktor dreimal täglich je 2800 Liter zur Alpe. „Die Quelle führt zu wenig Wasser“, sagt Mayer. Das größere Reservoir ist nur noch halb voll.

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Für die Milchkühe der Alpe Gävis geht es aufgrund der Trockenheit früher ins Tal.
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Der Boden ist ebenfalls ausgetrocknet.

Voralpe gleicht einer Steppe

Für die 105 Milchkühe geht es kommendes Wochenende hinunter ins Tal – zehn Tage früher als geplant. Die Voralpe werde übersprungen, da sie einer Steppe gleiche, schildert Mayer. „Die ist ausgetrocknet. Es ist nicht mehr rentabel, auf die Voralpe zu gehen.“

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Auf der Alpe Gävis behilft man sich mit Wassertanks, die mit dem Traktor hinauf transportiert werden.
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Die Alpe Gävis liegt im hinteren Laternsertal.

Die Rinder stehen auf einer anderen Weide Richtung Alpe Portla. Dort gebe es genügend kleinere Quellen, doch das Gras ist auch dort trocken und „schaut so aus, als ob es Mitte September wäre“, sagt Rinderhirte Martin Ganahl. Da Rinder weniger Futter als Milchkühe brauchen, ist Ganahl zuversichtlich, mit den 218 Tieren erst am 5. oder 6. September abzusteigen. „Eventuell dreht sich das Blatt nochmal bis Anfang September.“

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Die Alpe Portla hat nicht nur Kühe und Rinder, sondern auch viele andere Tiere wie Wachteln, Gänse, Schweine, Hunde und Katzen.
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Die Rinder zwischen den Alpen Gävis und Süns haben noch genug Wasser, da es in diesem Gebiet mehrere Quellen gibt.

Auf der Alpe Portla kümmert sich Martin Vogt seit zehn Sommern um das Vieh. „Gott sei Dank regnet es jetzt“, sagt er. In den letzten Tagen zogen einige Schauer über die Alpe. Neben einer großen Quelle zwischen Gävis und Süns helfen ein 1000-Liter-Tank und selbst gebaute Staudämme bei der Wasserversorgung. Wenn die Rinder nicht mehr genug zu trinken haben, bestehe die Gefahr einer Vergiftung durch verunreinigte Pfützen.

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Dieses Gebiet ist noch mit Wasser gesegnet.
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Einer von mehreren kleinen Bächen, bzw. Rinnsalen.

Von der Alpe zum Schlachter

Vogt hat ebenfalls vor, erst Mitte September mit den Rindern, Kälbern und Mutterkühen ins Tal zu gehen. Noch gebe es genug Futter und Wasser bekommen sie zurzeit aus dem Blauen See. Manche Rinder seien nach dem Alpabtrieb bereits für die Schlachtbank angemeldet. „Da kenne ich einige Bauern.“ Denn Futtermangel herrsche nicht nur am Berg, sondern auch im Tal. „Der Winter wird zur Herausforderung“, sagt Vogt, der selbst 16 Stück Vieh auf der Alpe hat. Er habe glücklicherweise noch Siloballen vom Vorjahr übrig. An den Winter wolle er noch gar nicht denken. „Den Schock brauche ich jetzt noch nicht.“

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Tobias Nigsch sennt auf der Alpe Oberdamüls.
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Die Milchkühe kommen abends in den Stall.
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Die Alpe Oberdamüls ist an das Wassernetz der Gemeinde angeschlossen.

Tobias Nigsch bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Herlinde die Alpe Oberdamüls. Da hier gesennt wird, brauchen sie mehr Wasser, Probleme gibt es dank des Anschlusses ans Wassernetz der Gemeinde aber keine. Das Futter werde hingegen knapp. „Wir füttern mehr Heu zu“, sagt Tobias Nigsch. Die Kühe bleiben bis Ende August, das Jungvieh bis Mitte oder Ende September.

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Dank des Sünser Sees hat die Alpe Süns genügend Wasser.
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Martin Vogt hat auf der Alpe Unterstützung durch Lukas Hartmann.

Mario Muxel von der Alpe Süns hat 280 Rinder unter sich. Wasser bekommt er aus dem Sünser See – eine verlässliche Quelle. Auch das Futter sei noch ausreichend vorhanden. Er sieht keinen Grund, früher mit dem Vieh abzusteigen und bleibt bis Ende August, bevor er für vier weitere Wochen auf die Voralpe nach Schuttannen zieht.

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Martin Vogt von der Alpe Portla ist das zehnte Jahr hier oben.
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Die Alpe ist unweit des Furkapasses gelegen.

Kühe geben weniger Milch

Auch Fred Rhomberg hat auf der Alpe Gampernest genug Wasser. „Wir haben mehrere gute Quellen“, sagt er. Doch der Boden sei zu trocken. Mit seinen 48 Milchkühen geht er wenige Tage früher auf die Voralpe, wo sie eine weitere Woche verbringen werden. Wegen des Futtermangels geben die Kühe weniger Milch. Die 60 Rinder bleiben jedoch noch länger oben und müssen das „alte Gras zusammenbeißen“. Wie es im Winter weitergeht, lässt der Landwirt noch offen. „Entweder wir müssen noch Heu zukaufen oder Viecher verkaufen.“ Die älteren Kühe hat er bereits frühzeitig an den Schlachter verkauft.

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Fred Rhomberg bewirtschaftet die Alpe Gampernest. Auch er hat keinen Wassermangel, jedoch werde das Futter knapp.