“Coding sollte ein fixer Bestandteil der Ausbildung werden” – ein Ferienkurs der anderen Art

Websites und Computerspiele entwickeln: Bei diesem günstigen Ferienkurs lernen Jugendliche wichtige Fähigkeiten für die Zukunft.
Schwarzach “Wenn man es nicht kann, schaut es sehr kompliziert aus. Aber das ist es eigentlich gar nicht”, sagt der 14-jährige Paul Clemens aus Bregenz. Mit kaum Vorerfahrung programmierte er in den vergangenen zwei Wochen selbst eine Website beim Code Base Camp AI. Insgesamt 20 Jugendliche nahmen daran teil und entwickelten auch eigene Online-Spiele. Diese zukunftsorientierte Initiative von Russmedia und der Fachhochschule (FH) Vorarlberg soll junge Menschen für Ausbildungsangebote und Berufe im Bereich Softwareentwicklung und Webdesign begeistern.


Kreative Projekte
Am Freitag endete das zehntägige Code Base Camp AI bei Russmedia in Schwarzach mit einem Abschlussfest. Dabei stellten die Jugendlichen einzeln ihre Projekte vor. Es gab zum Beispiel Websites über Harry Potter, Fußballschuhe und die schönsten Plätze Vorarlbergs. Paul Clemens programmierte eine zum Thema Herr der Ringe. “Es war sehr cool, ich habe viel gelernt”, sagt er. Er würde später gern in der Softwareentwicklung arbeiten.


Manche der Jugendlichen haben Online-Spiele programmiert. In einem davon muss man zum Beispiel vor der Polizei weglaufen, und in einem anderen muss man mit einem Vogel Hindernissen ausweichen. Die Geschwister Xina Haas (16) und Lena Wong (14) haben gemeinsam ein Spiel entwickelt, bei dem zwei Bodybuilder-Katzen Hanteln und Hühnchen fangen müssen. Vor allem das Erstellen der Animation und Soundeffekte hat ihnen viel Spaß bereitet. Die beiden nahmen schon zum dritten Mal am Code Base Camp AI teil.

Weichen für die Zukunft
In den Kursen wurde auch Künstliche Intelligenz (KI; englisch: AI) eingesetzt. Den beiden Kursleitern Sebastian Rangger und Phuc Le war es jedoch wichtig, dass die Jugendlichen das eigenständige Programmieren lernen. Sie sollten es von Grund auf verstehen und zum Beispiel die Möglichkeit haben, schnell und einfach generierte KI-Anwendungen nach ihren Wünschen anzupassen. Außerdem ist Rangger (36) davon überzeugt, dass der Einsatz von KI die Kreativität ein Stück weit hemmt. “Manche Jugendliche sagen, sie seien nicht kreativ, aber dann beweisen sie in den Kursen das Gegenteil.” Manche Teilnehmer haben auch ganz auf KI verzichtet und wirklich alles selbst programmiert.

Der Kursleiter Phuc Le (43) ist seit vielen Jahren Teil des Code Base Camps AI. Er erklärt, dass es für viele Jugendliche eine Gelegenheit ist, in die Softwareentwicklung hineinzuschnuppern und mögliche berufliche Interessen auszuloten. “Für mich ist es am schönsten, wenn man später einmal erfährt, dass manche diesen Weg weitergegangen sind und ich vielleicht ein bisschen dazu beigetragen habe.” Am Montag startet die zweite und zugleich letzte Gruppe dieses Sommers, die ebenfalls zehn Tage lang in die Welt des Programmierens eintaucht.

Ein möglicher Berufsweg
Das Code Base Camp AI hat die Eltern lediglich einen Unkostenbeitrag von 100 Euro gekostet. Neben Russmedia und der Fachhochschule Vorarlberg ermöglichen das vor allem auch die Partner: die illwerke vkw, das Land Vorarlberg, Bachmann electronic und Omicron electronics. Beim Camp der vergangenen zwei Wochen wurde auch eine Exkursion zu Omicron electronics unternommen, wo es eine Führung und einen Workshop gab.

Das Code Base Camp AI soll jungen Menschen zeigen, welche Chancen die digitale Zukunft bietet. “Coding sollte als dritte Fremdsprache ein fixer Bestandteil der Ausbildung werden”, sagt Markus Raith, Geschäftsführer bei Russmedia. “Mitarbeiter mit Entwicklungskenntnissen haben beste Chancen am Arbeitsmarkt.”

