Neuanfang mit Pappmaché

Krieg, Flucht und ein mutiger Neuanfang. Mit viel Herzblut bauten sich Rosa Canaval und ihre Schwester Leopoldine nach dem Zweiten Weltkrieg in Vorarlberg eine neue Existenz als Bühnenbildnerinnen auf.
Alberschwende Vor dem Zweiten Weltkrieg betrieben die Geschwister Franz, Rosa und Leopoldine Canaval in Wien eine Werkstatt für Bühnenrequisiten. “Sie haben für verschiedene Theater gearbeitet und Figuren, Skulpturen und Dekorationen aus Pappmaché angefertigt”, weiß Franz Canaval (66), der namensgleiche Enkel von Franz.

Als der Krieg kam, gingen die Aufträge rapide zurück. “Gegen Ende des Krieges war Wien zerbombt. Die Menschen litten Hunger, auch die Familie meines Großvaters musste Hunger leiden.” Dieser wurde von einem Soldaten der Roten Armee erschossen, weil er eine Uniform des Roten Kreuzes trug. “Die Russen hatten den Befehl, Männer in Uniform zu erschießen.” Franz hinterließ seine Ehefrau Elisabeth und sechs Kinder.

Die Witwe flüchtete gegen Kriegsende mit ihren Kindern in einem Viehwaggon nach Vorarlberg. Dort kamen sie bei einer Bauernfamilie unter. Auch Rosa Canaval und ihre Schwester Leopoldine, eine gelernte Schneiderin, waren nach Vorarlberg geflüchtet. Das Schicksal verschlug sie nach Alberschwende. Die Schwestern wollten auch hier in Vorarlberg als Bühnenbildnerinnen arbeiten. Sie überlegten, wie sie zu Aufträgen kommen könnten. “In unserer Familie erzählt man sich, dass Rosa die Idee für die Bregenzer Seebühne hatte. Diese Idee wurde dann aufgegriffen”, meint Franz Canaval. Jedenfalls erhielten die Schwestern mehrfach Aufträge von den Bregenzer Festspielen. Für die Aufführung des Bettelstudenten im Jahr 1956 etwa fertigten die Canavals zwei große Pferdeskulpturen an. Später arbeiteten sie auch für die Theater in Bregenz und St. Gallen.

Alfred, der älteste Sohn von Elisabeth, unterstützte seine Tanten. “Alfred hat fest mitgearbeitet”, weiß sein Sohn Franz Canaval. Alfred entging dem Krieg nur knapp. Er war 16, als er seine Einberufung im Jahr 1944 erhielt. Doch seine Mutter Elisabeth und seine Tante Rosa wollten ihn nicht ins Kriegsgemetzel schicken. Sie versteckten ihn mehrere Monate auf einem Dachboden. “Mein Vater wurde zum Glück nicht gefunden und verraten”, so Franz Canaval.

Alfreds Tante Rosa war eine tüchtige Frau und die treibende Kraft hinter dem Betrieb. Von 1946 bis 1959 widmete sie sich in Vorarlberg mit Herzblut der Bühnenbildnerei. Dieses Engagement endete aber im Jahr 1959 abrupt. 57-jährig verstarb Rosa nach einem Schlaganfall. Mit ihrem Tod endete auch die Geschichte des Familienbetriebes. Alfred jedoch blieb sein Leben lang ein kreativer Mensch. Er gestaltete mit Leidenschaft Figuren und Skulpturen für den Fasching und fertigte Puppen, Kasperlefiguren und Weihnachtsmänner aus Pappmaché und Schaumstoff an. “Ich habe das künstlerische Talent meines Vaters immer bewundert”, so Franz Canaval, der selbst Klavierlehrer und Organist ist.

