Richard Fischer: Der Dienstagnachmittag gehörte seinen “Fischerchören”

Vorarlberg / 26.08.2026 • 13:11 Uhr
Nachruf Richard Fischer
Nachruf auf Richard Fischer.privat

Richard Fischer gab sein Wissen an Generationen von Feuerwehrleuten weiter. Wenn er anpackte, dann richtig. Für sein Haus goss er selbst die Ziegel.

Von Hartmut Hofer

Wolfurt Richard Fischer wurde am 27. Jänner 1940 als Ältester von fünf Geschwistern geboren. Mit Margit, Peter, Renate und Rudi wuchs er in Wolfurt auf, wo er bis zuletzt lebte. Nach der Handelsschule begann er seine berufliche Laufbahn im kaufmännischen Bereich, im Büro und Verkauf bei der Firma Rädler. Schon als junger Mann packte Richard gerne selbst an. 1962 begann er mit dem Bau seines Hauses im Wolfurter Unterhub. Vieles machte er eigenhändig, sogar die Ziegel soll er samstags in der Firma selbst gegossen haben.

Ein Jahr später lernte er in einem Tanzcafé seine große Liebe Gerta kennen. Die junge Steirerin war nach Vorarlberg gekommen und arbeitete als Näherin bei der Firma Wolff. Von einheimischen Frauen durfte sie sich durchaus anhören, wie man aus der Steiermark kommen und ihnen die schönsten Männer wegschnappen könne. Am 12. Juli 1965 heirateten Richard und Gerta. Zwei Jahre später bezogen sie ihr Haus, bald erfüllten drei Kinder das Zuhause mit Leben.

Seine Gerta hat ihn gut getroffen: Richard an einem seiner Geburtstage.
Seine Gerta hat ihn gut getroffen: Richard an einem seiner Geburtstage.privat

Eine große Leidenschaft Richards galt der Feuerwehr. Als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wolfurt übernahm er Verantwortung, Ende der 1970er-Jahre machte er sein Hobby zum Beruf. Als Ausbildner beim Landesfeuerwehrverband gab er bis zur Pensionierung sein Wissen an Generationen von Feuerwehrleuten weiter. Besonders am Herzen lag ihm die Jugendfeuerwehr.

Engagiert bei der Lebenshilfe

Durch die schwere Behinderung seines jüngsten Sohnes Thomas entstand eine enge Verbindung zur Lebenshilfe Vorarlberg. Richard engagierte sich dort viele Jahre ehrenamtlich, unter anderem im Landespräsidium, als Obmann der Hofsteig-Gemeinden und auf dem wöchentlichen Wochenmarkt. Er war sozial sehr engagiert und setzte sich überall dort, wo Hilfe gebraucht wurde, mit ganzem Herzen für andere Menschen ein. 2014 traf die Familie mit dem Tod von Thomas ein schwerer Schicksalsschlag. Die Erinnerung an seinen Sohn trug Richard stets im Herzen.

Gesellige Nachmittage

Viel Freude bereiteten ihm seine vier Enkel und später seine drei Urenkel. Als Opa nahm er sich Zeit und diskutierte gerne über Fußball, Gott und die Welt. Für sie war er Ratgeber und Vorbild. Richard war ein geselliger Mensch. Geburtstage und Feste waren ihm wichtig, seine Kellerbar wurde über viele Jahre zum beliebten Treffpunkt. Auch in der Pension pflegte er die Geselligkeit. Jeden Dienstagnachmittag traf er sich im Café Reichl mit seinen Brüdern Rudi und Peter sowie seinem Schwager Günther zum Jassen, “uf an Kaffee und a Gläsle”. Die vier nannten sich augenzwinkernd die “Fischerchöre”. Dort wurde gejasst, diskutiert und erzählt. Große Reisen brauchte Richard nicht, diese gemeinsamen Nachmittage bedeuteten ihm umso mehr.

Bei der Feuerwehr war Richard Fischer ganz in seinem Element.
Bei der Feuerwehr war Richard Fischer ganz in seinem Element.privat

Früher war er leidenschaftlicher Skifahrer und Gründungsmitglied des Schachclubs Wolfurt. Später bevorzugte er das Auto. Seine Enkel bemerkten trocken: “Ist die Strecke länger als das Auto, fährt Opa.” Einen Wunsch hätte Richard dennoch gerne verwirklicht: mit dem Auto bis nach Schweden zu fahren.

Im Kreis der Familie

Die letzten vier Jahre waren von Blindheit und Demenz geprägt. Seine Familie begleitete und umsorgte ihn liebevoll. Am 13. Juli konnte Richard daheim im Kreis seiner Familie friedlich einschlafen, einen Tag nach seinem Hochzeitstag mit Gerta und dem Geburtstag seiner Tochter Carmen. In Erinnerung bleibt ein Mann, der anpackte, Verantwortung übernahm und gerne Menschen um sich hatte. Einer, der seine Leidenschaft zum Beruf machte und für den ein guter Dienstagnachmittag oft nicht mehr brauchte als seine Jasskarten, vertraute Gesellschaft, einen Kaffee und ein Gläsle.

Auch als das Sehen immer schwieriger wurde, verlor Richard sein Lachen nicht.
Auch als das Sehen immer schwieriger wurde, verlor Richard sein Lachen nicht.privat

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