Vor der UVP-Verhandlung: Mit Bürger-Dialogen will Rondo um Vertrauen werben

Vor der entscheidenden UVP-Verhandlung im September sucht Rondo Ganahl verstärkt das Gespräch mit der Bevölkerung. Mit Dialogveranstaltungen will das Unternehmen erklären, warum es das umstrittene Reststoffkraftwerk für die Zukunft des Standorts Frastanz für unverzichtbar hält.
Frastanz Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Melih Topal in der Papierfabrik von Rondo Ganahl. Angefangen hat er 1994, inzwischen ist er Produktionsleiter. Bereits in dritter Generation arbeitet Topal hier in Frastanz, auch sein Sohn ist hier beschäftigt. Zwischen meterbreiten Papierbahnen, aufsteigendem Dampf und der 120 Meter langen Papiermaschine wird hier klar, warum Papierproduktion ohne große Mengen Prozesswärme nicht funktioniert. Aus 100 Prozent Altpapier entsteht hier Wellpappenrohpapier – die Papierbahn besteht zunächst jedoch zu rund 99 Prozent aus Wasser. Erst wenn ihr die Feuchtigkeit entzogen wird, entsteht das fertige Papier. Genau dieser Trocknungsprozess verschlingt enorme Mengen an Prozesswärme.

Dialog statt Schlagabtausch
Mit solchen Einblicken versucht Rondo derzeit, die Bevölkerung für das umstrittene Reststoffkraftwerk zu sensibilisieren. Wenige Wochen vor der öffentlichen UVP-Verhandlung lädt das Unternehmen zu Dialogveranstaltungen und Werksbesichtigungen ein. Statt großer Informationsabende setzt man bewusst auf kleine Gruppen mit rund 10 Teilnehmern. Ziel sei es, Fragen direkt zu beantworten und technische Zusammenhänge verständlich zu erklären. “Die Hemmschwelle ist kleiner, wenn man sich direkt austauschen kann”, sind sich Geschäftsleiterin Sigrid Rauscher und Udo Nachbaur, Vorstand der Rondo Ganahl AG, einig.



Zu den Führungen kämen auch Menschen, die dem Projekt kritisch gegenüberstünden oder selbst Einwendungen eingebracht hätten. “Vielleicht bleibt jemand trotzdem dagegen. Aber Missverständnisse kann man ausräumen.” Mit der Bürgerinitiative SOS Walgau führt das Unternehmen derzeit allerdings keine Gespräche mehr. Man wirft der Initiative vor, mit Fehlinformationen und emotionalisierenden Darstellungen zu arbeiten.



Warum die Papierfabrik so viel Energie braucht
Nach Angaben des Unternehmens entfallen rund sieben Prozent des gesamten Erdgasverbrauchs Vorarlbergs auf den Standort Frastanz. Grund dafür sei nicht veraltete Technik, sondern der Produktionsprozess selbst. Das Wasser könne nach der mechanischen Entwässerung nur noch mit Wärme aus dem Papier entfernt werden. “Es gibt weltweit keine andere Technologie, mit der das funktioniert”, betont Rauscher. Und: “Bei anderen Papierfabriken ist ein angeschlossenes Kraftwerk schon längst Standard.”

Künftig soll diese Wärme großteils nicht mehr mit Erdgas, sondern durch ein Reststoffkraftwerk erzeugt werden. Die Anlage sei zwar im UVP-Verfahren für eine Brennstoffmenge von bis zu 122.000 Tonnen ausgelegt, doch dieser Wert sei lediglich ein theoretischer Maximalfall für die Umweltbewertung. Im Normalbetrieb würde die Anlage rund 82.000 Tonnen Brennstoff pro Jahr benötigen.

Rund 12.000 Tonnen stammen direkt aus der Papierproduktion – etwa Fasern, die nach vielfachem Recycling zu kurz geworden sind, oder Reststoffe, die heute bereits zur Verwertung ins Ausland transportiert werden müssen. Ergänzt werden sollen sie durch aufbereitete gewerbliche Reststoffe aus Vorarlberg.

“Unsortierter Hausmüll oder der Inhalt schwarzer bzw. gelber Säcke sind technisch und rechtlich ausgeschlossen”, betonen die Kraftwerksprojektleiter Benjamin Jentzsch und Andreas Neuper. Auch die oft giftigen sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS werden durch die hohen Temperaturen in Reststoffkraftwerken vernichtet und neutralisiert, verweist Rondo Ganahl auf den aktuellen Forschungsstand.


Das 110 Millionen Euro schwere Projekt soll langfristig die Papierproduktion und damit 450 Arbeitsplätze, davon 100 in der Papierfabrik, in Frastanz sichern. “Wenn die Papiermaschine einmal weg ist, dann kommt sie nicht mehr zurück”, gibt Rauscher zu bedenken.

Nahwärmeversorgung für Feldkirch-Walgau möglich
Schlussendlich soll das Kraftwerk die gesamte Wärme- und Stromversorgung sicherstellen. Die Abwärme nach der Papierproduktion wiederum könnte langfristig an die Betreiber von Nahwärmenetzen zur Verfügung gestellt werden. Rechnerisch könnte damit die Stadt Feldkirch samt Landeskrankenhaus zweimal versorgt werden.

Am 11. September lädt das Unternehmen zur öffentlichen Planausstellung, am 22. September ab 9 Uhr beginnt die öffentliche UVP-Verhandlung im Ramschwagsaal in Nenzing. Im Rahmen des Verfahrens werden die vorliegenden Gutachten sowie die Einwendungen zum Projekt behandelt.
Fakten zum geplanten Kraftwerk
Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung mit stationärer Wirbelschichtfeuerung
Energieerzeugung: ca. 140 GWh Wärme und 60 GWh Strom pro Jahr
Brennstoffe: ca. 82.000 Tonnen pro Jahr im Normalbetrieb, davon ca. 12.000 Tonnen aus der Papierproduktion in Frastanz
Fläche: 3600 Quadratmeter auf dem Betriebsgelände
Investition: 110 Millionen Euro.
Inbetriebnahme: geplant für 2029, abhängig vom Genehmigungsverfahren
Bauhöhe: ca. 35 Meter Gebäudehöhe, Kaminhöhe ca. 45 Meter.