Vor der UVP-Verhandlung: Mit Bürger-Dialogen will Rondo um Vertrauen werben

Vorarlberg / 26.08.2026 • 15:30 Uhr
Vor der UVP-Verhandlung: Mit Bürger-Dialogen will Rondo um Vertrauen werben
Die rund 120 Meter lange Papiermaschine verarbeitet ausschließlich Altpapier zu Wellpappenrohpapier. Produktionsleiter Melih Topal arbeitet seit 1994 – wie bereits sein Vater und Großvater – bei Rondo Ganahl in Frastanz.Alexandra Serra

Vor der entscheidenden UVP-Verhandlung im September sucht Rondo Ganahl verstärkt das Gespräch mit der Bevölkerung. Mit Dialogveranstaltungen will das Unternehmen erklären, warum es das umstrittene Reststoffkraftwerk für die Zukunft des Standorts Frastanz für unverzichtbar hält.

Frastanz Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Melih Topal in der Papierfabrik von Rondo Ganahl. Angefangen hat er 1994, inzwischen ist er Produktionsleiter. Bereits in dritter Generation arbeitet Topal hier in Frastanz, auch sein Sohn ist hier beschäftigt. Zwischen meterbreiten Papierbahnen, aufsteigendem Dampf und der 120 Meter langen Papiermaschine wird hier klar, warum Papierproduktion ohne große Mengen Prozesswärme nicht funktioniert. Aus 100 Prozent Altpapier entsteht hier Wellpappenrohpapier – die Papierbahn besteht zunächst jedoch zu rund 99 Prozent aus Wasser. Erst wenn ihr die Feuchtigkeit entzogen wird, entsteht das fertige Papier. Genau dieser Trocknungsprozess verschlingt enorme Mengen an Prozesswärme.

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Das geplante Reststoffkraftwerk des Altpapierverwerters und Wellpappenherstellers Rondo sorgt derzeit für Diskussionen in Frastanz und den umliegenden Gemeinden. Visualisierung: Rondo Ganahl

Dialog statt Schlagabtausch

Mit solchen Einblicken versucht Rondo derzeit, die Bevölkerung für das umstrittene Reststoffkraftwerk zu sensibilisieren. Wenige Wochen vor der öffentlichen UVP-Verhandlung lädt das Unternehmen zu Dialogveranstaltungen und Werksbesichtigungen ein. Statt großer Informationsabende setzt man bewusst auf kleine Gruppen mit rund 10 Teilnehmern. Ziel sei es, Fragen direkt zu beantworten und technische Zusammenhänge verständlich zu erklären. “Die Hemmschwelle ist kleiner, wenn man sich direkt austauschen kann”, sind sich Geschäftsleiterin Sigrid Rauscher und Udo Nachbaur, Vorstand der Rondo Ganahl AG, einig.

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Projektleiter Benjamin Jentzsch, Vorstand Udo Nachbaur, Geschäftsführerin Sigrid Rauscher und Projektleiter Andreas Neuper setzen vor der UVP auf kleine Dialogveranstaltungen mit der Bevölkerung.Alexandra Serra
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100 Mitarbeiter sind in der Papierfabrik in Frastanz beschäftigt, am Standort gesamt 450.Alexandra Serra
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Zu Beginn besteht die Papierbahn zu rund 99 Prozent aus Wasser. Erst durch den energieintensiven Trocknungsprozess entsteht das fertige Papier. Reststoffe aus der Papierproduktion sollen künftig direkt im geplanten Kraftwerk energetisch verwertet werden.Alexandra Serra

Zu den Führungen kämen auch Menschen, die dem Projekt kritisch gegenüberstünden oder selbst Einwendungen eingebracht hätten. “Vielleicht bleibt jemand trotzdem dagegen. Aber Missverständnisse kann man ausräumen.” Mit der Bürgerinitiative SOS Walgau führt das Unternehmen derzeit allerdings keine Gespräche mehr. Man wirft der Initiative vor, mit Fehlinformationen und emotionalisierenden Darstellungen zu arbeiten.

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So soll sich das geplante Reststoffkraftwerk künftig in das Werksgelände von Rondo Ganahl einfügen. Vorgesehen sind eine Gebäudehöhe von 35 Metern und eine Kaminhöhe von 45 Meter. Visualisierung: Rondo Ganahl
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Sigrid Rauscher ist Leiterin der Rondo-Papierfabrik.Alexandra Serra
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Befürchtungen, dass durch die Verbrennung von Kunststoffen und Faserschlämmen PFAS in die Umwelt gelangen könnten, weist Projektleiter Andreas Neuper zurück. Alexandra Serra

Warum die Papierfabrik so viel Energie braucht

Nach Angaben des Unternehmens entfallen rund sieben Prozent des gesamten Erdgasverbrauchs Vorarlbergs auf den Standort Frastanz. Grund dafür sei nicht veraltete Technik, sondern der Produktionsprozess selbst. Das Wasser könne nach der mechanischen Entwässerung nur noch mit Wärme aus dem Papier entfernt werden. “Es gibt weltweit keine andere Technologie, mit der das funktioniert”, betont Rauscher. Und: “Bei anderen Papierfabriken ist ein angeschlossenes Kraftwerk schon längst Standard.”

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Die Papierfabrik verbrauche derzeit noch sieben Prozent der in Vorarlberg genutzten Gasmengen. Aus diesem Grund sei das geplante Kraftwerk auch im öffentlichen Interesse.Alexandra Serra

Künftig soll diese Wärme großteils nicht mehr mit Erdgas, sondern durch ein Reststoffkraftwerk erzeugt werden. Die Anlage sei zwar im UVP-Verfahren für eine Brennstoffmenge von bis zu 122.000 Tonnen ausgelegt, doch dieser Wert sei lediglich ein theoretischer Maximalfall für die Umweltbewertung. Im Normalbetrieb würde die Anlage rund 82.000 Tonnen Brennstoff pro Jahr benötigen.

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Dort, wo heute der Besucher- und Mitarbeiterparkplatz ist, soll das neue Reststoffkraftwerk entstehen. Mit diesem will Rondo künftig einen Großteil der benötigten Prozesswärme ohne Erdgas erzeugen. Visualisierung: Rondo Ganahl

Rund 12.000 Tonnen stammen direkt aus der Papierproduktion – etwa Fasern, die nach vielfachem Recycling zu kurz geworden sind, oder Reststoffe, die heute bereits zur Verwertung ins Ausland transportiert werden müssen. Ergänzt werden sollen sie durch aufbereitete gewerbliche Reststoffe aus Vorarlberg.

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Das in Frastanz produzierte Wellpappenrohpapier wird später zu Verpackungen weiterverarbeitet.Alexandra Serra

“Unsortierter Hausmüll oder der Inhalt schwarzer bzw. gelber Säcke sind technisch und rechtlich ausgeschlossen”, betonen die Kraftwerksprojektleiter Benjamin Jentzsch und Andreas Neuper. Auch die oft giftigen sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS werden durch die hohen Temperaturen in Reststoffkraftwerken vernichtet und neutralisiert, verweist Rondo Ganahl auf den aktuellen Forschungsstand.

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Kraftwerksprojektleiter Benjamin Jentzsch.Alexandra Serra
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100 Mitarbeiter sind in der Papierfabrik beschäftigt. Alexandra Serra

Das 110 Millionen Euro schwere Projekt soll langfristig die Papierproduktion und damit 450 Arbeitsplätze, davon 100 in der Papierfabrik, in Frastanz sichern. “Wenn die Papiermaschine einmal weg ist, dann kommt sie nicht mehr zurück”, gibt Rauscher zu bedenken.

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Am 22. September wird das Projekt bei der öffentlichen UVP-Verhandlung auf den Prüfstand gestellt. Visualisierung: Rondo Ganahl

Nahwärmeversorgung für Feldkirch-Walgau möglich

Schlussendlich soll das Kraftwerk die gesamte Wärme- und Stromversorgung sicherstellen. Die Abwärme nach der Papierproduktion wiederum könnte langfristig an die Betreiber von Nahwärmenetzen zur Verfügung gestellt werden. Rechnerisch könnte damit die Stadt Feldkirch samt Landeskrankenhaus zweimal versorgt werden.

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Auf dem jetzigen Besucherparkplatz soll das Kraftwerk entstehen. Alexandra Serra

Am 11. September lädt das Unternehmen zur öffentlichen Planausstellung, am 22. September ab 9 Uhr beginnt die öffentliche UVP-Verhandlung im Ramschwagsaal in Nenzing. Im Rahmen des Verfahrens werden die vorliegenden Gutachten sowie die Einwendungen zum Projekt behandelt.

Fakten zum geplanten Kraftwerk

Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung mit stationärer Wirbelschichtfeuerung

Energieerzeugung: ca. 140 GWh Wärme und 60 GWh Strom pro Jahr

Brennstoffe: ca. 82.000 Tonnen pro Jahr im Normalbetrieb, davon ca. 12.000 Tonnen aus der Papierproduktion in Frastanz

Fläche: 3600 Quadratmeter auf dem Betriebsgelände

Investition: 110 Millionen Euro.

Inbetriebnahme: geplant für 2029, abhängig vom Genehmigungsverfahren
Bauhöhe: ca. 35 Meter Gebäudehöhe, Kaminhöhe ca. 45 Meter.

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