Teilzeitquote steigt und steigt

Bereits 35,5 Prozent: Immer mehr Frauen und Männer arbeiten maximal 35 Stunden pro Woche.
SCHWARZACH „Teilzeit“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder negativ besetzt, weiß Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft. Er selbst sieht das anders: „Ich empfinde es als etwas Positives.“ Für die Landeskrankenhäuser hätten sich Teilzeitmodelle zu einem wertvollen Instrument entwickelt, um qualifiziertes Fachpersonal zu gewinnen und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu halten. Davon würden alle profitieren, so Fleisch. Im Übrigen sei es ein Beispiel dafür, dass das Gesundheitswesen eine Vorreiterrolle unter anderem in Bezug auf Gleichbehandlung einnehme.

Stand 31. Dezember 2025 hätten von 4903 Beschäftigten der Landeskrankenhäuer 2438 Teilzeit gearbeitet; 49,7 Prozent also. Die Motive, das zu tun, seien vielschichtig, würden von Vereinbarkeit von Beruf und Familie über persönliche Bedürfnisse bis hin zu Fortbildung reichen.
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Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat gerade festgestellt, dass die Teilzeitquote insgesamt weiter steigt. Unter allen unselbstständigen Beschäftigten mit Arbeitsort Vorarlberg hat sie demnach im ersten Quartal 2026 bereits 35,5 Prozent betragen. Damit war sie um 0,7 Prozentpunkte höher als im Vergleichszeitrum des Vorjahres und so hoch wie in keinem anderen Bundesland.
Dominic Götz von der Abteilung Interessenspolitik der Arbeiterkammer wundert das nicht: Bei Frauen, bei denen die Quote laut Statistik fast 60 Prozent beträgt, ist der Hauptgrund für Teilzeit Kinderbetreuung. Da sei Vorarlberg im bundesweiten Vergleich nach wie vor hinten, was institutionelle Angebote wie Kindergärten betrifft. Bei den Männern ist die Quote ebenfalls steigend, aber niedriger, ist sie erst auf mehr als zehn Prozent gesprungen. Bei ihnen kommen laut Peter Huber vom WIFO eher andere Gründe ins Spiel; Weiterbildung etwa.

Von einen „Lifestyle-Trend“ will der Experte nicht reden. Das wäre seiner Ansicht nach zu einfach. Dominic Götz weist darauf hin, dass die, die Teilzeit arbeiten, das eher immer weniger oft maximal elf und eher immer öfter 25 bis 35 Stunden tun würden; bei 35 Stunden liegt die Grenze, bis zu der von Teilzeit die Rede ist. Vor allem auch in Folge der laufenden Anhebung des Pensionsalters seien im Übrigen zunehmend Ältere erwerbstätig, die mit den Stunden zurückgehen.
Überdurchschnittlich hoch ist die Teilzeitquote nicht nur im Gesundheitswesen, sondern zum Beispiel auch an den Schulen: 2025/26 hätten 44 Prozent der Lehrpersonen an Pflichtschulen und 47 Prozent all jener an höheren Schulen Vorarlbergs keine volle Lehrverpflichtung gehabt, berichtet Elisabeth Mettauer von der Bildungsdirektion. Wobei es einige spezifische Gründe gebe: Lehramtsstudierende etwa dürften nur in einem reduzierten Ausmaß eingesetzt werden. Zum Teil gebe es zudem Fächer, wie Instrumentalunterricht, bei denen keine Vollzeitbeschäftigung möglich sei.

In der Industrie ist die Teilzeitquote vergleichsweise niedrig, aber ebenfalls steigend. In einem produzierenden Unternehmen seien viele Tätigkeiten an feste Produktionsabläufe gebunden und würden direkt an Maschinen oder Anlagen erbracht werden, erklärt Thomas Hagen, Personalleiter bei „Blum“, wo man den Trend aber eben auch wahrnimmt, wie er bestätigt: Sei die Quote vor nicht einmal zehn Jahren noch „im tiefen einstelligen Prozentbereich“ gelegen, so habe sie per Ende Juni 10,7 Prozent betragen. Das zeige, das man auch in einem industriellen Umfeld Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitmodelle biete.