Thomas Heilbrun wird neuer Dompfarrer: In Feldkirch schließt sich ein Kreis

Thomas Heilbrun wird im September neuer Dompfarrer von Feldkirch. Für den Priester mit Berliner Geburtsort, Wiener Vergangenheit und Schweizer Pass ist die neue Aufgabe eine Rückkehr an jenen Ort, an dem sein Weg als Seelsorger einst begann.
Feldkirch In der Arthur-Conan-Doyle-Gasse unweit des Feldkircher Doms St. Nikolaus ist Thomas Heilbrun in seinem Element. Nicht nur, weil er als künftiger Dompfarrer bald mitten in der Stadt wirken wird. Sondern auch, weil sich hier eine eher ungewöhnliche Verbindung auftut: Sir Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des berühmten Meisterdetektivs, verbrachte ein Schuljahr an der Stella Matutina. In seinen Erinnerungen beschrieb er diese Zeit als positiv und prägend.

“Als lebenslanger Sherlock-Holmes-Leser hat mich dieses Detail aus der Feldkircher Literaturgeschichte fasziniert”, sagt der 59-Jährige im Gespräch mit den VN. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: “Sir Arthur Conan Doyle und ich haben beide eine prägende Zeit in Feldkirch verbracht.” Die Montfortstadt ist für ihn freilich mehr als eine literarische Fußnote. Im Dom wurde Heilbrun im Jahr 2000 zum Priester geweiht, dort feierte er seine erste heilige Messe. “Für mich bedeutet Feldkirch eine Rückkehr zu den Wurzeln”, sagt er. Als ihn Bischof Benno Elbs gefragt habe, ob er die Dompfarre übernehmen wolle, habe er die Anfrage als Vertrauensbeweis und Einladung verstanden. “Es schließt sich ein Kreis.”

Abschied von Hohenems
Zuvor war Heilbrun über 20 Jahre lang Pfarrer in Hohenems. Was ihm aus dieser Zeit besonders in Erinnerung bleibt, ist die Kraft gemeinschaftlichen Handelns. “Das Ehrenamt ist der Sauerstoff des Pfarrlebens”, sagt er. In Hohenems habe er Hauptamtliche erlebt, die mit der Motivation von Ehrenamtlichen arbeiteten, und Ehrenamtliche, die ihre Professionalität wie Hauptamtliche einbrachten. Der Abschied sei deshalb auch voller Wehmut: “Ich verlasse Hohenems als Beschenkter.”
Geboren wurde Thomas Heilbrun in Berlin, aufgewachsen ist er in Wien, er besitzt einen Schweizer Pass. Bevor er Priester wurde, unterrichtete er Latein an der Schule der Wiener Sängerknaben. Nach der Priesterweihe führten ihn Aushilfsstellen ins Große und Kleine Walsertal, nach Fraxern und Satteins.

Seine Mutter war Restauratorin und Ikonenmacherin. Im Wiener Atelier, in dem sie arbeitete, wurden auch Werke des Vorarlberger Malers Martin Häusle restauriert. Dessen Bilder und Kirchenfenster begegneten Heilbrun später immer wieder. Kunst, Literatur und Glaube sind für ihn keine voneinander getrennten Welten. So erinnert ihn Hermann Hesses Gedicht “Stufen” daran, dass jedem Anfang ein Zauber innewohne. Und auch die Bibel beginne mit der Weltenschöpfung und ende mit dem Neuanfang, der Auferstehung. “Jeden Tag als positiven Neuanfang zu sehen – darum bemühe ich mich, und das möchte ich auch vermitteln.”

Den Dom versteht Heilbrun als Ort, an dem sich Generationen begegnen. Der Großvater kommt zur Taufe des Enkels, die Enkelin zur goldenen Hochzeit der Großeltern. Auch jene, die sich von der Kirche entfernt haben, möchte Heilbrun nicht aus dem Blick verlieren, auch wenn es eine einfache Formel gegen die zunehmenden Kirchenaustritte nicht gebe.
In einer Zeit, in der viele nach Orientierung und Halt suchen, verweist Heilbrun auf die Weisheit der Kirche und die Spiritualität vieler Generationen. “Der Friede sei mit euch”, sei ein persönlicher Leitsatz. Friede und Ruhe gehörten zu den größten Verheißungen des Glaubens, man müsse darauf vertrauen, dass Gott die “stürmischen Seen” des Lebens immer wieder beruhige. “Der Schatz der Spiritualität hält für jede und für jeden etwas bereit.”

Mit seinem Vorgänger Fabian Jochum – beide ursprünglich Lateinlehrer – hat er bereits gute Gespräche geführt. Die formelle Übergabe erfolgt am 1. September, am 20. September der feierliche Einführungsgottesdienst mit Bischof Benno Elbs. Das Gewachsene gelte es zu begleiten, zu betreuen und fortzuführen, bei konkreten Schwerpunkten wolle er aber den pfarrlichen Räten nicht vorgreifen.

Was in fünf Jahren erreicht sein soll, lässt sich für Heilbrun nicht in Zahlen fassen: “Glaube ist Beziehung, und da ist der Erfolg nicht immer leicht messbar.” Der Dom möge ein Bezugspunkt und Anziehungspunkt bleiben – für die Feldkircher Bevölkerung ebenso wie für Menschen, die von anderswo kommen.
Gottesdienst
Hl. Messe mit Bischof Benno Elbs mit Einführung von Dompfarrer Thomas Heilbrun
Sonntag, 20. September 2026, 8:30 bis 9:30 Uhr im Dom St. Nikolaus.