Hilfe aus Vorarlberg nach der Flutkatastrophe in Nepal: Teams kommen nur im Schritttempo vorwärts

Der Vorarlberger Verein „Chay Ya“ ist vor Ort im Einsatz, unter schwierigsten Bedingungen.
Bizau Die Katastrophe traf die Grenzregion zwischen Nepal und Tibet mit voller Wucht. Eine bis zu 80 Meter hohe Flutwelle verwüstete vergangene Woche binnen Minuten ganze Täler. Wo zuvor Häuser, Straßen, Brücken Wasserkraftwerke und ganze Dörfer standen, türmen sich nun Schlamm, Geröll und Trümmer. Die Zahl der Toten ist am Dienstag auf mehr als 1000 gestiegen. Rund 5100 Menschen werden noch vermisst. Während sich Rettungskräfte bei teils heftigem Regen durch die gewaltigen Schlamm- und Geröllmassen kämpfen und nach Vermissten suchen, setzt auch der Vorarlberger Verein „Chay Ya“ alles daran, den Betroffenen schnellstmöglich zu helfen.


Die 45 Mitarbeiter vor Ort haben unmittelbar nach der Katastrophe die Hilfskette in Gang gesetzt. Am Dienstag gegen Mittag (Ortszeit) erreichten die Helfer die ersten betroffenen Ortschaften und begannen mit der Verteilung der Hilfsgüter. „Wir haben zwei Lager mit Hilfsmaterial wie Zeltplanen oder Decken, damit wir sehr schnell reagieren können. Nepal hat eine extrem fragile Infrastruktur und es passiert andauernd etwas“, schildert Sabine Klotz (42), die „Chay Ya“ 2011 gegründet hat.
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Auch andere Vorarlberger helfen mit. „Chay Ya“ (auf Deutsch: „Packen wir es an“) arbeitet unter anderem eng mit dem Nüziger Wolfgang Bartl von „Let the Children Walk“ zusammen. Das Land hat den beiden Vorarlberger Hilfsorganisationen am Dienstag eine Unterstützung von 20.000 Euro zugesagt. Auch der Schröckener Eric Leitner von Rokpa widmet die Einnahmen der diesjährigen „Seven Summits Tour“ der Fluthilfe.

Die Hilfe gestaltet sich schwierig, wie die Obfrau von „Chay Ya Austria“ berichtet: „Es bleiben laufend Geländewagen stecken, die man aus dem Schlamm ziehen muss. Die Helfer kommen nur in Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Es ist sehr mühsam.” Große Lkw kommen nicht durch. Strom, Internet und Mobilfunk sind großflächig ausgefallen. Viele Ortschaften sind bislang nur aus der Luft erreichbar. „40 Kilometer Straßen und 37 Brücken wurden komplett weggerissen. Auch die Helikopter können in vielen Orten nicht landen, weil teilweise noch alles überschwemmt ist. Und jetzt regnet es blöderweise wieder“, erläutert Sabine Klotz. Um Chaos und Ausschreitungen zu vermeiden, wird die Hilfe in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden koordiniert.

Auslöser der Katastrophe war vermutlich ein Gletscherabbruch, durch den ein Fluss blockiert und aufgestaut wurde. Die Schulen und Geburtenstationen, die „Chay Ya“ in Dhading und Rasuwa in den letzten Jahren gebaut hat, blieben von der Sturzflut glücklicherweise verschont. „Wir haben uns von vornherein geweigert in Flussnähe zu bauen, weil es dort schon bei einem normalen Monsun sehr gefährlich ist”, erklärt die “Chay Ya“-Gründerin.

In drei Wochen reist Sabine Klotz für sieben Wochen nach Nepal. Die Bizauerin will dann mit der lokalen Regierung auch über den Wiederaufbau sprechen. Viele Menschen, die Familienmitglieder und Freunde verloren haben, seien schwer traumatisiert und wollten nicht mehr in ihre Dörfer zurückkehren. „Wir wissen noch gar nicht, wie die Regierung damit umgehen will. Um die Dörfer weiter oben neu anzusiedeln, müssen Wälder gerodet werden. Das ist ein Megaprozess – mit der Fluthilfe allein ist es nicht getan“, unterstreicht sie.
Spendenkonto „Chay Ya Austria“: Raiffeisenbank am Bodensee, IBAN: AT50 3743 1000 0032 2974, BIC: RVVGAT2B431.

Caritas verstärkt Hilfe vor Ort
Im Katastrophengebiet kämpfen tausende Menschen ums Überleben. Gemeinsam mit der Caritas Nepal hat auch Caritas Österreich ihre Unterstützung vor Ort verstärkt. „Uns erreichen Bilder aus Nepal, die ein verheerendes Ausmaß an Zerstörung und eine dramatische Versorgungslage zeigen“, sagt Martin Hagleitner-Huber, Leiter der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg. „Zahlreiche Familien haben innerhalb weniger Stunden ihr Zuhause, ihre Existenz und oft auch Angehörige verloren. Sie besitzen nur noch das, was sie retten oder bei sich tragen konnten.“ In den betroffenen Regionen fehlt es an sauberem Wasser, Unterkünften und medizinischer Hilfe. Die Caritas Nepal hat ein Einsatzteam in ein zugängliches Katastrophengebiet entsandt. „Jede Spende lindert das Leid und gibt den betroffenen Menschen Schutz, Hoffnung sowie die Chance auf einen Neuanfang”, unterstreicht Martin Hagleitner-Huber.
Spendenkonto: Caritas, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Katastrophenhilfe Nepal; online spenden: www.caritas.at/katastrophenhilfe-nepal
