Sabotageakte gegen Umspannwerke und Stromleitungen in Deutschland – wie sicher ist Vorarlbergs Energienetz?

Deutschlands Energieinfrastruktur ist im Fadenkreuz von Sabotageversuchen. Dies hat auch Folgen für Vorarlberg; die kritischen Infrastrukturen sind eng verknüpft.
Bregenz Einen Monat nach den Sprengstofffunden auf dem Flughafen Leipzig spricht das offizielle Deutschland von verdeckten Operationen des russischen Geheimdienstes. Doch es trifft nicht nur Transportflüge in die Ukraine: In Berlin brannte in der Nacht auf Montag ein Umspannwerk; derzeit geht man von einem technischen Defekt aus. In Sachsen fand man Sprengsätze an Strommasten. In Brandenburg sollten Drohnen eine Hochspannungsleitung überlasten, in Nordrhein-Westfalen wurden Umspannwerke Ziel von Sabotageakten. Nach einem 48-Jährigen aus dem Ruhrgebiet wird wegen einer möglichen Verbindung zu den Vorfällen gefahndet. Vermutet werde aufgrund von Bekennerschreiben Klimaterrorismus; viele der Anlagen stehen mit Braunkohlekraftwerken in Verbindung.
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Resilienz per Gesetz
Seit März verpflichtet das Resilienz-kritischer-Einrichtungen-Gesetz (RKEG) Betreiber kritischer Infrastruktur, Risikokonzepte zu erstellen und kritische Vorfälle unverzüglich zu melden. So sollen Sicherheitsvorfälle bestenfalls im Vorfeld verhindert werden. Welche Unternehmen von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) als kritische Infrastruktur eingestuft sind, wird nicht bekannt gegeben. Doch die Bereiche Energie, Verkehr und Transport, Finanzen, Lebensmittel- und Trinkwasserversorgung und Gesundheit gelten per EU-Verordnung als kritische Infrastruktur.
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In Vorarlberg bündeln sich viele Energiethemen in der illwerke vkw. Sie betreibt die Stauseen im Land, ihr Tochterunternehmen Vorarlberger Energienetze GmbH unterhält die Stromleitungen, Umspannwerke – aber auch die Erdgasleitungen: Zu den 2000 km an Gasleitungen im Land gehören auch knapp über 80 km Hochdruckleitungen des europäischen Gas-Verbundnetzes, über die die Ostschweiz und Liechtenstein versorgt werden. Und die Vorarlberger Stauseen dienen Baden-Württemberg als Starthilfebatterie, wenn deren Stromnetz kollabiert. Sprich, sowohl das Strom- als auch das Gasnetz sind eng mit den deutschen und europäischen Netzen verflochten.
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“Höchste Priorität”
“Der Schutz der kritischen Infrastruktur hat für die illwerke vkw höchste Priorität”, versichert Konzernsprecher Andreas Neuhauser. Man stehe hierzu im engen Austausch mit der Exekutive und habe auch die aktuellen Entwicklungen in Deutschland genau im Blick.
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Entsprechend will man nicht zu sehr ins Detail gehen, versichert aber: “Grundsätzlich sind unsere Standorte und Objekte bereits gut geschützt.” Gleichwohl werden die Sicherheitsmaßnahmen laufend überprüft und verbessert, wie auch die Mitarbeitenden sensibilisiert. Dies gelte auch für digitale Bedrohungen und Cyberangriffe.
Immer kompensierbar
Bei der Netzinfrastruktur kommt das sogenannte N-1-Prinzip hinzu: Jede Anlage ist so aufgebaut, dass sie einen Totalausfall eines anderen Netzteils vollständig kompensieren kann. Durch Umschaltungen lasse sich so die Versorgungssicherheit rasch wiederherstellen. Zuletzt bei der Übung “Walgau 2023” von Bundesheer und Polizei war auch der Schutz von Umspannwerken Thema.

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Die Stauseen im Süden Vorarlbergs sind aufgrund ihrer Fähigkeit, sich selbst ohne Energie von außen aktivieren zu können, besonders wichtig. Gerade Verbrennungskraftwerke brauchen Strom, bevor sie welchen produzieren können. Ihre Sicherheit musste bislang schon jährlich kontrolliert werden. Derzeit deute nichts darauf hin, dass etwa Felsstürze in die Seen ein Risiko darstellen könnten. Sollte eine Alarmierung der Bevölkerung erforderlich sein, würde diese über die Typhon-Sirenenanlage erfolgen. Dabei wäre die Sprengung eines Staudammes alles andere als ein einfaches Unterfangen, muss er doch ständig dem Druck von Millionen Tonnen Wasser standhalten.