Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht

Vorarlberg / 10.09.2026 • 11:54 Uhr
Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
Der neue Wanderweg ist zwar grün, aber mit weniger Aussicht als gewohnt.VOL.AT/Erdic

Ein neues Haus in Haggen führte auch zu einem neuen Verlauf für einen Teil des Panoramawanderweges. Nun müssen die Gerichte entscheiden, wer einen Wegverlauf festlegt.

Lochau An sich begann es im Ortsteil Haggen mit einem millionenschweren Grundstückskauf und einer Baustelle: Da der Kran für den Hausbau auf dem Wanderweg, der der alten Pfänderstraße folgt, stand, wurde dieser verlegt. Nach Fertigstellung des Hauses blieb der alte Weg versperrt, die Umleitung unter dem Haus vorbei wurde vom Hauseigentümer als neuer Weg festgelegt. Seitdem hängt in Lochau der Haussegen schief.

Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
Der Panoramawanderweg bietet einen einmaligen Blick über den See. Nun endet er an einer Wand und wird hinunter zur Straße geführt, statt weiter an der Grundstücksgrenze mit Seeblick entlangzuführen.VOL.AT/Erdic
Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
Dieser Neubau führte dazu, dass der Wanderweg von der Geländekante und der damit verbundenen Aussicht wegverlegt wurde. Eine farbige Bodenmarkierung zeigt den neuen Verlauf des Weges.VOL.AT/Erdic

Wie die NEUE als Erste berichtete, sehen viele Anrainer und Wanderer die neue Wegführung als Anmaßung. Der alte Wanderweg ist ein Panoramawanderweg mit Blick auf den See. Im Bereich der Umleitung ist nicht nur der Anstieg steil, sondern auch der Blick meterhoch versperrt. Und auch im Rathaus ist man ungehalten: Für die Veränderung des öffentlichen Wanderwegs bestehe keine rechtliche Grundlage, man erwarte die Wiederherstellung der alten Trasse oberhalb des Wohnhauses. “Dieses Stück Wanderweg bietet ja Sicht auf den See. Und das sollen alle Menschen genießen, gerade in einer Tourismusgemeinde”, macht Bürgermeister Frank Matt klar. So wie auch das Vorarlberger Bodenseeufer für alle frei zugänglich ist, müsse auch der Blick auf den See auf dem Wanderweg allen offenstehen.

Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
Haggen im Jahr 2021, bevor der Industrielle an der Hangkante baute. Der Wanderweg folgt überwiegend der Baumlinie und erlaubt den Blick auf den See.VN/Stiplovsek

Dass man das ersessene Wegerecht direkt auf der Trasse der alten Pfänderstraße verortet, habe man dem Hausbesitzer auch klargemacht. Der Hauseigentümer verweist gegenüber VOL.AT auf sein Recht auf Privatsphäre. Der Weg wurde nicht gesperrt, nur verlegt und auch befestigt. Das Wegerecht ist damit erfüllt, da es einen Weg gibt. Wie dieser über das Grundstück führt, sei Sache des Grundeigentümers. Es sei nicht das erste Mal, dass sich die Wegführung dieses Panoramawanderwegs aufgrund von Bautätigkeiten ändere. Man sei bereit für Adaptionen, etwa den Bau eines Geländers, sehe sich aber allgemein im Recht.

Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
So präsentierte sich der Wanderweg noch 2021 entlang des betroffenen Grundstücks. VN/Gasser

Für die Gemeinde Lochau geht es jedoch ums Grundsätzliche. “Wenn wir das einfach akzeptieren, wo hört es dann auf?”, befürchtet Matt einen Präzedenzfall: Wenn ein Wanderweg einfach verschoben werden könne, könnte das bei anderen Wegen ebenfalls passieren. Angesichts von rund 60 Kilometern Wanderwegen stelle das keine Kleinigkeit dar.

Wanderweg endet an einer Wand: Streit in Lochau geht vor Gericht
Der Weiler Haggen in den 1970ern und im Jahr 2025. Der Wanderweg führt vom oberen linken Bildrand, wendet sich dann vom Waldrand zur Kurve, an der heute der Wanderparkplatz ist, und kehrt dann wieder zum Waldrand zurück. Vorarlberg Atlas

Einerseits wurde die Bezirkshauptmannschaft eingeschaltet, um verwaltungsrechtlich das von der Gemeinde festgelegte Wegerecht durchzusetzen. Andererseits wird geklagt. Das Bezirksgericht sah sich nicht zuständig, das Landesgericht war anderer Meinung. Noch ist für den 17. September eine neue Verhandlung angesetzt. “Ich gehe davon aus, dass diese jedoch abgesagt wird”, räumt Matt ein. Die Gegenseite habe Rechtsmittel eingelegt, die Causa gehe daher statt ans Bezirks- ans Oberlandesgericht nach Innsbruck. Der Hauseigentümer war für eine aktuelle Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Rechtsstreit hat auch das Interesse deutscher Medien geweckt. Beim Hausbesitzer handelt es sich um einen vermögenden Industriellen aus Deutschland. Matt hält dieses Interesse jedoch für unangebracht. “Wir haben einfach nur die Interessen der Gemeinde und der Öffentlichkeit zu wahren. Und so wird das abgehandelt, wie wir es bei jedem machen würden.”

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