Anzeige: Gewaltvorwürfe gegen Mitglied der Gemeinde Gottes im Klostertal

Die Gemeinde Gottes lebt zurückgezogen im Klostertal. Eine Anzeige stellt die Frage in den Raum, inwiefern das Kindeswohl gesichert ist.
Dalaas Seit 2009 hat die Gemeinde Gottes ihr Herz in Wald am Arlberg. Nun sind Ermittlungen wegen Quälens von Unmündigen und Freiheitsentzugs gegen ein Mitglied der Freikirche im Gange.

2009 floh die nicht anerkannte Glaubensgemeinschaft nach Vorarlberg, nachdem deutsche Behörden ihre nicht genehmigte Privatschule geschlossen hatten. In Österreich gibt es eine Unterrichts- statt einer Schulpflicht, dies erleichtert Heimunterricht.
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In Dalaas hat man mit den Zugezogenen nicht nur Freude: Der Zuzug von Gemeindemitgliedern trieb die Grundstückspreise nach oben. Die Glaubensgemeinschaft lebt sehr isoliert, gilt als kritisch gegenüber Staat und Medizin. Zuletzt fielen sie in der Hochphase der Covid-19-Pandemie verstärkt auf.

Anzeige in Vorarlberg
Aussteiger berichten in der aktuellen Ausgabe des Magazins Datum von psychischer und physischer Gewalt, unter der sie innerhalb der Glaubensgemeinschaft aufwuchsen. Es gibt auch Vorwürfe in Vorarlberg: Im Juli erging an die Staatsanwaltschaft (StA) Feldkirch eine Anzeige. Laut Datum ist der Vorwurf, dass der damals Jugendliche vor etwa zehn Jahren mehrmals eingesperrt und ihm bei hohem Fieber medizinische Versorgung verweigert wurde. Derzeit wird gegen ein Mitglied der Gemeinde Gottes wegen des Verdachts des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen und Freiheitsentzugs ermittelt, bestätigt die StA Feldkirch den VN.
Geführt wurde die Gemeinschaft im Klostertal ab 2019 von einem neuen Pastor. Dem Magazin stand er für ein ausführliches Gespräch zur Verfügung; seit dem Bericht ist die Webseite der Gemeinde offline, der bisherige Pastor steht den Medien nicht mehr zur Verfügung. Er habe aufgrund von Meinungsdifferenzen innerhalb und mit anderen Gemeinden kein Amt in der Gemeinschaft mehr inne, erklärt er der NEUE.
Gegenüber Datum räumte er Gewaltfälle in der Erziehung unter seinem Vorgänger ein. “Wenn ich von Kindesmisshandlung in der Gemeinde wüsste und ich würde nichts dagegen tun, dann würde ich mich schuldig machen vor Gott und vor dem Gesetz”, zitiert ihn das Magazin. Er sei überzeugt, dass es in der Vorarlberger Gemeinde weder psychische noch physische Misshandlungen gab. Er selbst war in der Erziehungsarbeit der Gemeinde nicht involviert.
Gottesvertrauen bei Krankheit
Die Kritik an der Gemeinde Gottes reicht weiter: Oft wird auf Gott mehr als auf Ärzte vertraut. 2020 wurden Gemeindemitglieder in Niederösterreich wegen Mordes verurteilt, sie verweigerten der Tochter eine ärztliche Versorgung. Der bisherige Pastor betont im Magazin, dass Eltern inzwischen bei einer Gefahr für die Kinder medizinische Versorgung akzeptieren müssen.
Heimunterricht
Und der Heimunterricht sei genau dies, auch wenn sich die Heranwachsenden regelmäßig zum gemeinsamen Lernen und sozialen Austausch im Gemeindezentrum träfen. Die Bildungsdirektion hat nur bei einer offiziellen Privatschule Aufsichts- und Zutrittsrechte, beim häuslichen Unterricht nicht. Und bei den jährlichen Reflexionsgesprächen und Externistenprüfungen seien die Kinder unauffällig, betont die Bildungsdirektion gegenüber den VN.
Auch die Jugendfürsorge hat ohne konkreten Verdachtsfall nur wenig Handlungsspielraum – ungeachtet der Vorgeschichte der Gemeinschaft in Deutschland. Dem bisherigen Pastor sei klar, dass man als kleine Gemeinschaft mit Misstrauen und Vorurteilen zu kämpfen habe. “Ich glaube, dass ein Mensch in allererster Linie seinem Gewissen und Gott verpflichtet ist. Aber auch den Gesetzen des Landes, sofern diese nicht der Bibel widersprechen”, sagt er gegenüber Datum.