Radwegbau in Schnepfau “steht im Stau”

Lieferschwierigkeiten für die Achbrücke verzögern das wichtige Projekt um mehrere Monate.
Schnepfau “Schade, die Hochsaison ist gelaufen, und auch den ‚Radler-Herbst‘ müssen wir abschreiben – vor Ende Oktober wird die neue Brücke nicht geliefert”, kommentiert Schnepfaus Bürgermeister Georg Fessler die wenig erfreuliche Entwicklung rund um das Projekt “Radwegausbau im Bereich des Schnepfauer Tunnels”. Das mit insgesamt mehr als fünf Millionen Euro veranschlagte Vorhaben sollte nach ursprünglichem Terminplan viel weiter sein, doch die Lieferung der 42 Meter langen Achbrücke verzögert sich um mehrere Monate. “Sie sollte Ende Juni geliefert werden”, so der Gemeindechef.
Dringender Handlungsbedarf
Das wichtige Projekt im Wälder Radwegenetz wurde den direkt betroffenen Gemeinden Schnepfau, Au, Mellau und Schoppernau im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht von der Natur aufgezwungen: Im August des Vorjahrs stürzten Felsbrocken von der Kanisfluh auf den bestehenden linksufrigen Radweg im Schnepfauer Wald. Geologen sprachen ein Machtwort: Es muss weiterhin mit akuter Steinschlaggefahr gerechnet werden, der Radweg musste deshalb gesperrt werden. “Wir waren gezwungen, eine sehr gefährliche Umleitung zu installieren”, so Fessler. Der Radweg wurde im Bereich des Tunnels im Schnepfauer Wald vom linken Achufer über eine schmale Brücke auf die L 200 umgeleitet.
Das Problem dabei: “Weil die alte L 200 zwischen Tunnel und Achufer unbenützbar geworden war, mussten Radfahrer in diesem Abschnitt durch den Tunnel fahren und auch in weiterer Folge bis Au auf der L 200 weiterfahren. Ein riskantes Unterfangen, zumal in Spitzenzeiten täglich rund tausend Radlerinnen und Radler unterwegs sind und sich den Tunnel mit dem motorisierten Verkehr teilen mussten.”

Die notwendigen Planungen und Behördenverfahren für eine Lösung des Problems gingen zügig voran, schon kurz nach der Radwegsperre wurde das 5-Millionen-Euro-Projekt präsentiert, und noch vor Weihnachten 2025 gab es seitens des Landes und der Behörden grünes Licht für den neuen Radweg.
Zeitplan und aktueller Stand
In einem ersten Schritt war vorgesehen, den Radverkehr zwischen Schnepfau und Au im gesperrten Bereich vom linken Achufer auf die andere Seite zu lenken: über eine bestehende schmale Brücke über die Ach auf die L 200. Zunächst musste der Radverkehr durch den Tunnel rollen, “inzwischen ist die alte L 200 so weit adaptiert, dass sie für den Radverkehr benützt werden kann. Noch nicht neu asphaltiert, aber immerhin befahrbar”, schildert Fessler im VN-Gespräch den Stand der Dinge. Damit ist zwar das größte Problem, die Tunneldurchfahrt, behoben, die weiterführende Radwegstrecke bis Au bleibt aber provisorisch auf der schmalen L 200 – auch nicht gerade ein Vergnügen für die Radlerinnen und Radler.
“Furt” wäre eine Alternative
Nach dem Tunnel sollte der Radweg über eine Brücke auf die bestehende Trasse in Richtung Au weiterführen. Sollte, denn eben diese Brücke ist nicht geliefert worden.
Vielleicht könnte man sich als Alternative eine Furt überlegen, meinte ein Radler vor der Baustelle, an der seit Monaten nicht mehr gearbeitet wird, mit Galgenhumor. Auch bei der aktuellen Niedrigwasser-Situation höchstens für “Abenteuer-Radler”, die nasse Füße nicht scheuen, eine Option.

Bleibt wohl nur die Hoffnung, dass der verschobene Liefertermin für die Brücke hält. Und auch der Terminplan, wonach die alte Brücke beim Westportal im Spätwinter 2027/28 erneuert wird und das Gesamtprojekt zum Beginn der Radsaison 2028 fertiggestellt wird. STP
