Spardruck setzt Hauskrankenpflege zu

Vorarlberg / 18.09.2026 • 13:10 Uhr
Hauskrankenpflege
Bei der Generalversammlung der Krankenpflegevereine gab es auch viel zu diskutieren. Vor allem die Finanzierung bereitet Sorgen. LVHKP

Landesverband fordert tragfähige Finanzierungsmodelle für die 66 Hauskrankenpflegevereine.

Dornbirn Die Spardruck setzt auch der Hauskrankenpflege immer stärker zu. Steigende Personalkosten, gedeckelte Beiträge aus dem Sozialfonds, weniger Geld von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK): Das riss 2025 eine Lücke von fast 660.000 Euro in die Budgets der Vereine. Das hohe Minus resultiert unter anderem aus dem Umstand, dass ein Abschluss erstmals genau auf das Kalenderjahr begrenzt war und somit nur die tatsächlichen Einnahmen bzw. Ausgaben enthielt. „Das soll sichtbar machen, welche Gelder für 2025 fehlten und erst heuer nachbezahlt wurden bzw. werden“, erläuterte die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Hauskrankenpflege, Johanna Rebling-Neumayr. Den Vereinen ringt diese Praxis nicht unerhebliche finanzielle Vorleistungen ab.

Gesundheitsförderung

Bei der Generalversammlung in Koblach gab es aber auch eine gute Nachricht. Für Projekte zur betrieblichen Gesundheitsförderung stehen 100.000 Euro bereit, zur Verfügung gestellt von den illwerke vkw. Die Vereine können Ideen in drei Kategorien nominieren, die besten erhalten Preisgelder. Rebling-Neumayr bezeichnet die Initiative als sehr wertvoll: „Ziel ist es, niederschwellige Entlastungsstrukturen für unsere Mitarbeitenden zu schaffen.“ Im Fokus steht vor allem die Frauengesundheit. Immerhin sind über 90 Prozent der Beschäftigten in den Krankenpflegevereinen weiblich und viele oft doppelt belastet. Eine umfassende betriebliche Gesundheitsförderung soll dazu beitragen, Fachpersonal zu halten.

Hauskrankenpflege
Obmann Wolfgang Rothmund und Geschäftsführerin Johanna Rebling-Neumayr.

Eigenmittel decken Verluste

Die Hauskrankenpflege ist ein zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems im Land. Die Nachfrage nach medizinischen und nicht-medizinischen Leistungen steigt. Im vergangenen Jahr wurden 9336 Klientinnen und Klienten von 349 Mitarbeitenden versorgt. Eine Pflegekraft betreut im Durchschnitt 27 Patienten. Das vergangene Jahr war vorrangig von Spardiskussionen geprägt. Johanna Rebling-Neumayr weiß: „Gute Pflege kostet Geld.“ Sie brauche qualifizierte Fachkräfte, stabile Strukturen, Verlässlichkeit und Finanzierungssicherheit. Letzteres gerät allerdings immer mehr ins Wanken. „Noch sind die Vereine handlungsfähig“, sagt die Geschäftsführerin, warnt aber gleichzeitig: „Müssen Verluste über längere Zeit aus Eigenmitteln abgedeckt werden, fehlt langfristig das finanzielle Polster.“

Hauskrankenpflege
Es gab auch viel Applaus für die wichtige Arbeit der Hauskrankenpflege.

Nur geringfügige Erhöhung

Für die Zukunft der mobilen Krankenpflege wünscht sich Johanna Rebling-Neumayr tragfähige Finanzierungsmodelle. Das gilt auch für die ÖGK. Der gekürzte Punktewert für abgerechnete Leistungen spülte statt 2,2 Millionen Euro lediglich 1,9 Millionen Euro und damit rund 269.000 Euro weniger in die Kassen. Nach Verhandlungen im Dezember konnte zumindest eine geringfügige Erhöhung erreicht werden. Eine Nachzahlung erfolgte bereits, die Lücke zur bisherigen Summe ist mit knapp 180.000 Euro jedoch nach wie vor hoch. Rebling-Neumayr will weiter das Gespräch mit den ÖGK-Verantwortlichen suchen „und gute Lösungen finden“. Es benötige außerdem dringend Überlegungen, wie das System besser laufen könne, spricht sie auch Kooperationen an. Die 66 Hauskrankenpflegevereine erzielten 2025 landesweit Einnahmen von 23,5 Millionen Euro. Dem standen Ausgaben von 24,2 Millionen Euro gegenüber.