“Kirchenstatistik ist Baustelle und Auftrag”

Vorarlberg / 23.09.2026 • 16:40 Uhr
Lehrlingswallfahrt
Die Lehrlingswallfahrt mit Bischof Benno Elbs ist mittlerweile eine gefragte Sache. Kath.Kirche

Die Zahl der Austritte ist eicht rückläufig, die Zahl der Eintritte leicht steigend.

Feldkirch Die Katholische Kirche in Vorarlberg verliert bei ihren Gläubigen zwar weiter an Boden, doch nicht mehr so stark. Im vergangenen Jahr kehrten ihr 3357 Personen den Rücken. Zuversichtlich stimmt die Verantwortlichen, dass es im Vergleich zu 2024 immerhin 13 Prozent weniger waren. Schönreden will die Kirche das nicht. “Was sich in den letzten Jahren jedoch beobachten ließ, ist eine Verlangsamung der Austritte. Schmerzhaft bleibt es dennoch”, räumt Pastoralamtsleiterin Petra Vonier-Pösel ein. “Gleichzeitig beobachten wir eine neue Entwicklung hin zu einem Wieder- und Neuentdecken des Glaubens im Erwachsenenalter. Hier knüpfen wir mit unserer Arbeit intensiv an. Ich denke da an Angebote wie die Erwachsenenfirmung oder Navigate, das sich an junge, gefirmte Erwachsene wendet, die ihren Glauben weiter vertiefen wollen”, ergänzt Vonier-Pösel.

"Kirchenstatistik ist Baustelle und Auftrag"
Pastoralamtsleiterin Petra Vonier-Pösel sieht die Statistik als Baustelle und Auftrag. Kath.Kirche

Angebot zur Erwachsenentaufe

Neu startet im Herbst ein Angebot zur Erwachsenentaufe, das stark auf Begleitung in den Glauben setzt. Vonier-Pösel: “Die Zahlen der Kirchenstatistik sind also immer beides: Baustelle und Auftrag.” Erfreuliches Detail: Jene, die wiedereintreten oder neu kommen, werden mehr. 2025 fanden 227 Personen in den Schoß der Kirche. Die Erhöhung des Firmalters auf 17 zeigt ebenfalls Wirkung. „Viele Pfarren erreichen Quoten von 80 bis 90 Prozent“, berichtet Generalvikar Hubert Lenz. In Zahlen ausgedrückt ließen sich 1233 junge Erwachsene das Sakrament der Firmung spenden (2024: 1052). Die Entscheidung für einen Glauben werde vielfach später, dann aber sehr bewusst getroffen, so die priesterliche Schlussfolgerung. Taufen (1869) und Hochzeiten (328) zeigten hingegen eine rückläufige Tendenz.

"Kirchenstatistik ist Baustelle und Auftrag"

Engagement vor Ort

Ein Schwerpunkt in der Arbeit vor Ort wurde auf eine stärkere Einbindung der Menschen vor Ort gelegt. Lenz: „Wir erleben in Vorarlberg viele Menschen, die sich mit Herz, Zeit und vielfältigen Talenten und Fähigkeiten für ihre Pfarren und für andere engagieren. Wir möchte dieses Engagement weiter stärken, Menschen Verantwortung zutrauen und ihnen Raum geben, Kirche mitzugestalten. So können wir gemeinsam das in die Welt tragen, wofür Jesus steht und was unsere Welt gerade heute so dringend braucht: Menschenfreundlichkeit, Hoffnung, Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung, Versöhnung und Leben in Fülle.“

Bischof Benno Elbs und Generalvikar Hubert Lenz genossen die Suppe
Generalvikar Hubert Lenz mit Bischof Benno Elbs. Franc

Beim Kirchenbeitrag mitbestimmen

Eine Mitbestimmung ist auch beim Kirchenbeitrag möglich. Die Hälfte kann nämlich zweckgewidmet werden. Direkte Unterstützung erfahren dadurch unter anderem Einrichtungen wie die Bildungshäuser, die Telefonseelsorge, die Hospiz oder das Ehe- und Familienzentrum.  Andreas Weber, Finanzkammerdirektor der Diözese Feldkirch, sieht darin viel Positives: „Die Zweckwidmung macht die Vielfalt des kirchlichen Lebens sichtbarer und gibt Menschen die Möglichkeit, gezielt jene Angebote zu unterstützen, die ihnen besonders wichtig sind. Für die Einrichtungen ist das ein starkes Zeichen der Anerkennung und Verbundenheit. Im vergangenen Jahr betrug das Kirchenbudget 33,7 Millionen Euro, über 87 Prozent stammten aus dem Kirchenbeitrag. Heuer sind es 35 Millionen Euro. Vom Geld gehen 55 Prozent an die Pfarren für direkte personelle und finanzielle Unterstützung sowie Bauvorhaben, 26 Prozent fließen in pastorale Einrichtungen, wie Hospiz, St. Arbogast, Jungschar, Telefonseelsorge und Junge Kirche, und nur 19 Prozent entfallen auf Verwaltung und Kirchenbeitrag.

Andreas Weber und Bischof Benno Elbs
Der Finanzchef der Diözese, Andreas Weber, sieht die Zweckwidmung des Kirchenbeitrags positiv.

Angebote wie Mitbestimmung, Teilhabe sowie eine stärkere Einbindung der Menschen sollen noch stärker ausgebaut werden und das Profil der Kirche in Vorarlberg auch in den nächsten Jahren prägen.

Infos zur Zweckwidmung: www.kath-kirche-vorarlberg.at/kirchenbeitrag bzw. bei der Kirchenbeitragsstelle, Tel. 05522/3485-7000, kirchenbeitrag@kath-kirche-vorarlberg.at.