Nach vier Jahren verschwindet eine der größten Baustellen Feldkirchs

Vorarlberg / 24.09.2026 • 15:55 Uhr
Nach vier Jahren verschwindet eine der größten Baustellen Feldkirchs
Die neue Montfortbrücke ist rund einen Meter höher als vorher. Das soll bei Hochwasser mehr Abfluss ermöglichen. 20.000 Pkw queren täglich die Brücke.Roland Paulitsch

Die Ill hat mehr Platz, zwei Brücken sind neu: Nach vier Jahren Bauzeit ist Feldkirchs Hochwasserschutzprojekt fertig. Dahinter steckt ein enormer Aufwand.

Feldkirch In der Feldkircher Kapfschlucht ist nach rund vier Jahren die Baustellenzeit vorbei. Mit der Aufweitung der Schlucht sowie dem Neubau der Heilig-Kreuz-Brücke und der Montfortbrücke wurde ein zentrales Nadelöhr der Ill entschärft. Denn mit der Finalisierung des Projekts soll die Innenstadt künftig besser vor einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasser geschützt sein.

Nach vier Jahren verschwindet eine der größten Baustellen Feldkirchs
Das Hochwasser von 2005 war Anstoß für das Projekt. VN/Archiv

“Anstoß des Projekts war das Hochwasser 2005”, erinnert sich Wolfgang Errath vom Projektbetreiber Wasserverband Ill-Walgau. Der Wasserverband prüfte ab 2015 zwölf Varianten, ehe die Aufweitung des Ill-Flussbetts als Lösung feststand.

Nach vier Jahren verschwindet eine der größten Baustellen Feldkirchs
Wolfgang Errath vom Wasserverband Ill-Walgau ist seit den ersten Planungen in das Projekt involviert und kennt es bis ins Detail. Auf das Ergebnis blickt er mit gewissem Stolz.Roland Paulitsch

Wasserführung als Herausforderung

Im ersten Bauabschnitt wurde das Flussbett entlang einer Strecke von 190 Metern verbreitert, an der engsten Stelle um bis zu acht Meter. Dafür trugen die Baufirmen rund 15.000 m³ Fels ab. Kapfstraße und untere Ardetzenbergstraße werden neu geführt, eine Galerie der Architekten “marte.marte” für Busse, Radfahrer und Fußgänger wurde errichtet. Die denkmalgeschützte Heilig-Kreuz-Brücke wurde nach historischem Vorbild neu gebaut.

Nach vier Jahren verschwindet eine der größten Baustellen Feldkirchs
Sie haben die Baustelle begleitet, geplant und umgesetzt: Oriol Molló Manonelles (v. l.), Wolfgang Errath und Stefan Riegler. Roland Paulitsch

Ob es in den vergangenen Jahren besondere Herausforderungen gab? “Die Wasserführung, denn es durfte nur bei niedrigem Wasserstand gearbeitet werden”, sagt Errath. Durch Schmelzwasser bzw. Kraftwerksbetrieb konnte der Pegel steigen. Entsprechend genau mussten die Arbeiten an den Uferwänden abgestimmt werden. Auf das Ergebnis blicke er mit “gewissem Stolz”.

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Die denkmalgeschützte Heilig-Kreuz-Brücke wurde nach historischem Vorbild neu gebaut.Roland Paulitsch

500 Detailpläne

Im zweiten Bauabschnitt wurde die Montfortbrücke abgebrochen und rund einen Meter höher neu errichtet. Das soll bei einem 100-jährlichen Hochwasser mehr Abfluss ermöglichen. Vor dem Abbruch mussten Versorgungsleitungen verlegt werden, damit Wasser, Strom und weitere Infrastruktur verfügbar blieben. Inzwischen ist die Brücke, über die täglich 20.000 Pkw fahren, wieder offen.

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Die neue Galerie mit den markanten “Krokodilzähnen” führt Busse, Radfahrer und Fußgänger durch den umgebauten Bereich.Roland Paulitsch
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Die zwei neuen Brücken und mehr Raum für die Ill sollen Feldkirch künftig besser vor einem hundertjährlichen Hochwasser schützen.Roland Paulitsch
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Die Bevölkerung in Feldkirch brauchte in den vergangenen vier Jahren Geduld. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen. VN/Archiv

Für die Arbeiten war nicht nur viel Präzisionsarbeit bei den Gewerken erforderlich, sondern auch eine gute Planung: “Wir hatten etwa 500 Detailpläne, von Geländerplänen bis hin zur Statik”, gibt Oriol Molló Manonelles, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserverbands, Einblick in die komplexe Logistik des Projekts. Die Sprengungen hätten bei den Anrainern zunächst Skepsis ausgelöst. “Als sie sahen, dass diese gut funktionierten, hat sich aber auch das gelegt.”

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Im ersten Bauabschnitt von 2022 bis 2025 wurde die Ill bis zu acht Meter verbreitert. An der engsten Stelle gewann der Fluss bis zu acht Meter.VN/Steurer
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Rund 15.000 Kubikmeter Fels mussten für die Aufweitung des Flussbetts abgetragen werden.Stiplovsek Dietmar
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Oriol Molló Manonelles berichtet von rund 500 Detailplänen, die für das komplexe Bauprojekt erstellt wurden.Roland Paulitsch

Stefan Riegler, seit 1. September Geschäftsführer des Wasserverbands, blickt bereits auf das nächste Großprojekt an der Ill zwischen Frastanz und Nenzing. “Es soll rund 29,4 Hektar Siedlungsfläche schützen.” Geplant sind mehr Raum für den Fluss, neue Dämme und zwei Rückhalteanlagen in Schlins und Nenzing. Vorher stehen in Feldkirch noch letzte Arbeiten an: Das Umfeld der Montfortbrücke soll in den kommenden Monaten begrünt werden.

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Stefan Riegler ist seit September Geschäftsführer des Wasserverbands Ill-Walgau. Sein Blick richtet sich bereits auf das nächste Großprojekt im Walgau.Roland Paulitsch

Ein Drittel höhere Kosten

Die Kosten für die Maßnahmen in Feldkirch liegen laut Errath bei 28,6 Millionen Euro. “Fünf Prozent sind bauliche Änderungen, und der Rest an Mehrkosten entstand durch die Indexanpassungen über die Jahre”, sagt er. Die Kosten stiegen damit um rund ein Drittel. Bund, Land und Wasserverband finanzieren das Projekt im Verhältnis 40/40/20.

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Der Abschluss des Projekts wird am 26. September bei der Heilig-Kreuz-Brücke gefeiert.Roland Paulitsch

Ohne die umgesetzten Maßnahmen hätten laut Projektverantwortlichen direkte Schäden von rund 90 Millionen Euro entstehen können. Der Abschluss des Projektes wird am kommenden Samstag, 26. September, ab 10:30 Uhr gemeinsam mit der Bevölkerung bei der Heilig-Kreuz-Brücke gefeiert.

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Das schwerste geschichtlich belegte Hochwasser in Feldkirch ereignete sich im Juni 1910. VOLARE

Zahlen & Fakten

  • Projekt: Hochwasserschutzprojekt Feldkirch
  • Projektbetreiber: Wasserverband Ill-Walgau
  • Finanzierung: Bund, Land Vorarlberg, Wasserverband Ill-Walgau
  • Bauzeit: 2022 bis 2026
  • Gesamtkosten: 28,6 Millionen Euro
  • Bundesmittel: rund 11,42 Millionen Euro
  • Schutzziel: Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser
  • Potenzielle direkte Schäden ohne Maßnahmen: rund 90 Millionen Euro (Kostenbasis 2025)
  • Wesentliche Maßnahmen: Aufweitung der Kapfschlucht, Neubau der Heilig-Kreuz-Brücke und Neubau der Montfortbrücke

Eröffnungsfeier zur Fertigstellung des Hochwasserschutzes Feldkirch

Die Eröffnungsfeier beginnt am Samstag, 26. September, um 10:30 Uhr bei der Heilig-Kreuz-Brücke. Nach der kirchlichen Segnung durch Bischof Benno Elbs gibt es Vorführungen von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Wasserrettung. Für Musik und Verpflegung sorgen die Stadtmusik Feldkirch und der Musikverein Tisis-Tosters.

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