Schieß-Event von Polizisten in Kennelbach wirft Fragen auf

Fotos eines Schieß-Events von Exekutivkräften im Jahr 2023, die jetzt in einem Gemeindeblatt veröffentlicht wurden, bringen Verantwortliche in Erklärungsnot.
Schwarzach Diese Räumlichkeiten haben so in Vorarlberg erst wenige gesehen. Der Schießkeller im Schindlersaal ist gewöhnlich den 120 Vereinsmitgliedern vorbehalten. “Allesamt behördliche Waffenträger”, wie es in einem Beitrag der “Interessengemeinschaft Schießkeller Kennelbach der Exekutivbeamten” (IGSK) im jüngsten Gemeindeblatt heißt. Viele Kennelbacher hätten nur ungenaue oder gar keine Kenntnis von der Existenz, schreibt der Verein weiter und legt ein Bild einer internationalen Veranstaltung bei. Es entstand im Rahmen eines Schieß-Events für Exekutivbeamte im Jahr 2023 und wirft jetzt Fragen auf. In einem der Räume, in denen geschossen wurde, ist eine leicht bekleidete Puppe mit dem Konterfei von Pamela Rendi-Wagner zu sehen. Sie sitzt auf dem Schoß einer weiteren Puppe, die Heinz-Christian Strache darstellen soll. Hinsichtlich der Gestaltung des Verteidigungsschießens seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt gewesen, schreibt der Verein unter der Abbildung. Andere dürften die bizarre Kulisse im Schießkeller unterdessen geschmacklos finden. Mit der Veröffentlichung haben sich die Verantwortlichen jedenfalls eher einen Bärendienst erwiesen.

211 Teilnehmer aus vier Nationen waren am 27. und 28. April 2023 ins “beschauliche Örtchen Kennelbach” gekommen, wie später das Fachmagazin “caliber” berichtete. Beschrieben wird “ein Überraschungsparcours im scharfen Schuss” mit zehn Stationen. So sei blitzschnelles, aber angemessenes Handeln gefordert gewesen. Nicht immer sei ein Schusswaffeneinsatz “gegen die belgischen Scheiben” notwendig gewesen, heißt es im Magazin-Bericht. Geschossen wurde auch im Raum mit den Abbildungen von Rendi-Wagner und Strache, wobei diese selbst explizit kein Ziel gewesen seien. Das sagt der Organisator Karl-Heinz Rösler im Gespräch mit den VN. Dass die Bilder aus dem Schießkeller jetzt für Aufsehen sorgen, kann der pensionierte Polizist nicht nachvollziehen. Niemand habe sich darüber aufgeregt. Schließlich sei das ja auch keine bitterernste Sache gewesen, vielmehr scherzhaft unter dem Motto: “Ibiza – wie es wirklich war.”

“Manche Scheiben fielen bereits bei einem Körpertreffer, andere brauchten einen Kopftreffer”, beschreibt das Fachmagazin “caliber” in der Ausgabe 7–8/2023 unter dem Titel “Erlebnis- statt Ergebnisschießen”. Dass reale Personen aus der österreichischen Politik Kulisse für ein Schieß-Event waren, dürfte auch drei Jahre später für Irritationen sorgen. Pamela Rendi-Wagner war zum damaligen Zeitpunkt jedenfalls noch Parteivorsitzende der SPÖ.

Die Landespolizeidirektion Vorarlberg geht auf Distanz. Auf eine VN-Anfrage heißt es, es handle sich beim Veranstalter um einen privaten Verein. Die Landespolizeidirektion habe in keiner Weise an den dortigen Veranstaltungen mitgewirkt. “Wenn eine Teilnahme von Exekutivbeamten stattgefunden hat, dann ausschließlich in deren Freizeit”, heißt es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme.
Dass Exekutivbeamte vor Ort waren, ist unbestritten. Der Verein selbst demonstriert unterdessen seine Nähe zu den behördlichen Einrichtungen. So wird etwa auch eine enge Zusammenarbeit bei der Nutzung der Räumlichkeiten im Schindlersaal beschrieben. Man könne die Einrichtungen den Sicherheitsorganisationen im Land zur Grundausbildung und zu Übungen der Spezialkräfte in besonderem Rahmen kostenfrei anbieten. Das schreibt der Verein jedenfalls in der aktuellen Ausgabe des Kennelbacher Gemeindeblatts.