“Eine Flut von Zuweisungen”

Gegen lange MRT-Wartezeiten hilft laut Radiologensprecher nur ein weiteres Gerät.
Bregenz Im Westen nichts Neues: Noch immer ist Vorarlberg mit 36 Tagen unrühmlicher Spitzenreiter bei den Wartezeiten auf eine MRT-Untersuchung. Die VN berichteten. Schneller geht es, wenn man selbst bezahlt. Das kostet allerdings, und zwar satte 549 Euro. Auch da hat Vorarlberg die Nase vorn. “Es tut mir leid für die Patienten, dass sie so lange warten müssen, aber wir arbeiten schon am Anschlag”, spricht der Fachgruppenobmann der Radiologen, Herbert Vonbank, von enormem Druck. In den vier Instituten werden jährlich rund 35.000 MRT-Untersuchungen durchgeführt. Versuche, die Frequenzen einzudämmen, hält Vonbank für “fast nicht machbar”. Der heutige Stand der Medizin verlange exakte Diagnosen, die oft nur mit einer entsprechenden Bildgebung möglich seien. Um Wartezeiten abbauen zu können, braucht es seiner Einschätzung nach mindestens noch ein Gerät.
Anmelden, aber nicht abmelden
Herbert Vonbank betreibt neben dem “Kassen”-MRT auch ein privates Gerät. Eine Bewilligung, um Kassenpatienten damit untersuchen zu können, wurde ihm vom Land verweigert. Er hält das Angebot angesichts einer “Flut von Zuweisungen” trotzdem für ein Muss, denn: “Es eröffnet Kassenpatienten immerhin zusätzlich 1000 Zeitfenster.” Den Preis bezeichnet Vonbank als angemessen. Er verweist auf das Ost-West-Gefälle, was die Kosten insgesamt betrifft. Der Radiologe betont zudem, dass die niedergelassenen Ärzte über die Wartezeiten informiert sind: “Ist eine Abklärung dringlich, ruft der Arzt an, und wir versuchen, den Patienten innerhalb von drei Tagen unterzubringen.” Gleichzeitig will Vonbank auf eine, wie er sagt, ungute Entwicklung aufmerksam machen: “Patienten melden sich in allen vier Instituten an, aber bei den anderen nicht mehr ab, wenn sie in einem einen früheren Termin bekommen.”

Dünne Personaldecke
Andererseits stehen in Spitälern nicht ausgelastete MRT-Geräte. Wie Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher dazu auf VN-Anfrage mitteilte, wären die Landeskrankenhäuser grundsätzlich bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zusätzliche Kapazitäten für Untersuchungen aus dem niedergelassenen Bereich zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung sei allerdings, dass dies mit Personal aus dem extramuralen Bereich bewerkstelligt werde. “Völlig absurd”, kommentiert Herbert Vonbank. Dass die in der fh Gesundheit in Tirol bereitgestellten Ausbildungsplätze für Radiologietechnologen aus Vorarlberg bislang ausschließlich von den Spitälern in Anspruch genommen wurden, wie Rüscher weiter ausführt, wundert ihn ebenfalls nicht. “Wir brauchen das Personal im Institut, daher muss die Ausbildung berufsbegleitend erfolgen.” Die Personaldecke sei so schon dünn.
Den “verwirrenden Zahlenspielen” rund um MRT/CT-Untersuchungen setzten die Institute für Bildgebende Diagnostik (VBDO) im vergangenen Jahr eine eigene Erhebung entgegen. Der zufolge werden die Zahlen in einzelnen Ländern sehr unterschiedlich und oft nur zum Teil erfasst. Vor diesem Hintergrund sieht die Studie Österreich etwa auf Platz acht und nicht vorn. Meist würden auch die finanziellen Aufwendungen viel zu hoch eingeschätzt. Laut dem VBDO kostet eine MRT-Untersuchung für die ÖGK etwa 150 bis 170 Euro. Dazu komme, dass MRT/CT-Untersuchungen zunehmend Röntgenaufnahmen ersetzen, wodurch sich Kassen an dieser Stelle viel Geld ersparen.
Elektronische Zuweisung
Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher zur allgemeinen Situation: “Die Ergebnisse für Vorarlberg sind selbstverständlich nicht zufriedenstellend und zeigen klaren Handlungsbedarf. Entscheidend ist, dass daraus konkrete Verbesserungen für die Patientinnen und Patienten entstehen. Die Verantwortung dafür liegt bei der Sozialversicherung. Die ist bereits auf uns zugekommen, um erste Lösungsansätze zu diskutieren. Diesen Gesprächen stehen wir offen gegenüber.” Ab 1. Oktober 2027 ist etwa die elektronische Zuweisung verpflichtend. Derzeit läuft die Pilotphase. Laut Ärztekammer beteiligen sich auch Vorarlberger Radiologen daran. Am Problem der Wartezeiten werde sich ohne zusätzliche Plätze aber nichts ändern.