Wie viel die obersten Tausend verdienen

Vorarlberg / 20.10.2026 • 15:00 Uhr
Wie viel die obersten Tausend verdienen
Durchschnittlich kamen die obersten Tausend Einkommensbezieher 2023 auf knapp 440.000 Euro netto. Sie zahlten aber auch ganz schön Steuern: in Summe fast 200 Millionen. APA

954 Vorarlberger erreichen über 200.000 Euro netto im Jahr. Überwiegend sind es Männer.</strong>

SCHWARZACH Es dauert immer, bis Statistik Austria alle Einkommensdaten für ein Jahr zusammengetragen hat. Jetzt liegen sie aber für 2023 vor: Rund 330.000 Menschen in Vorarlberg haben ein Nettogesamteinkommen von 10,6 Milliarden Euro erreicht. Es entspricht 32.195 Euro pro Kopf. Darin enthalten sind Löhne und Gehälter genauso wie Pensionen. Alle Einkommen werden eingerechnet, unabhängig davon, ob bei Erwerbstätigen zum Beispiel Voll- oder Teilzeitbeschäftigung vorliegt.

Ungefiltert würden daher auch gesellschaftliche Unterschiede in die Statistik einfließen, die sich nach wie vor an unterschiedlichen Geschlechterrollen festmachen lassen, erklärt Fabian Rebitzer, Leiter der Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften an der Fachhochschule in Dornbirn: Bei Männern beträgt das durchschnittliche Nettoeinkommen 38.915 Euro, bei Frauen gerade einmal 25.266 Euro.

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Auffallend sind vor allem auch die Unterschiede nach Höhe des Einkommens: “Die Schere geht in beide Richtungen”, stellt Lea Putz-Erath von der Beratungsstelle “Femail” fest. Auf weniger als 30.000 Euro netto im Jahr kommen überwiegend Frauen; ihr Anteil beträgt hier ganze zwei Drittel. Bei 30.000 Euro und mehr sind sie mit einem Drittel hingegen klar in der Minderheit – die große Mehrheit ist männlich.

Je weiter man nach oben geht, desto kleiner wird der Anteil der Frauen und größer der der Männer: Die höchste Einkommensstufe, die von der Statistik Austria ausgewiesen wird, beginnt bei 200.000 Euro und ist nach oben hin offen. 954 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind 2023 in diese Stufe gefallen, durchschnittlich kamen sie auf 439.691 Euro netto, bei Männern war es etwas mehr (rund 446.000 Euro), bei Frauen weniger (391.000 Euro). Zusammen zahlten sie aber auch ganz schön Einkommensteuer. Pro Kopf nämlich knapp 208.000 Euro. In Summe kamen so allein von ihnen 198 Millionen Euro für den Staatshaushalt zusammen – bzw. ein Zehntel des gesamten Lohn- und Einkommensteueraufkommens von rund zwei Milliarden Euro, das vor drei Jahren hierzulande verzeichnet wurde.

Christine Zulehner
Das könne man als Folge einer gläsernen Decke sehen, erklärt Christine Zulehner: “Frauen steigen in das mittlere Management auf, aber nicht in die Toppositionen.” WIFO

Von den 954 Personen waren 841 männlich und 113 weiblich, also gerade einmal zwölf Prozent. Das könne man als Folge einer gläsernen Decke sehen, erklärt Christine Zulehner, Einkommensexpertin am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: “Frauen steigen in das mittlere Management auf, aber nicht in die Toppositionen. Daher sind weniger Frauen im oberen Teil der Verteilung zu sehen.” Zurückzuführen sei das unter anderem darauf, dass sie den Arbeitsmarkt viel öfter verlassen würden als Männer, um die gemeinsamen Kinder zu betreuen. Was häufig wiederum mit fehlenden Betreuungseinrichtungen und auch sozialen Normen zusammenhänge.

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Fabian Rebitzer bestätigt, dass Frauen weit häufiger und länger in Karenz gehen und in weit höherem Maß in Teilzeit arbeiten als Männer: Das trage nicht nur zu einem niedrigeren Erwerbseinkommen bei, sondern längerfristig auch zu geringeren Pensionsansprüchen.

“Wenn wir Einkommensunterschiede nachhaltig reduzieren wollen, müssen wir an mehreren Stellen ansetzen”, ist Simon Kampl, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung, überzeugt: “Bei einer Kinderbetreuung, die auch Vollzeitarbeit ermöglicht, bei Berufsorientierung und gleichen Karriere- und Aufstiegschancen.”

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Es müsse an mehreren Hebeln angesetzt werden, erklärt Simon Kampl: bei Kinderbetreuung, die Vollzeitarbeit ermöglicht, Berufsorientierung sowie Karriere- und Aufstiegschancen. Paulitsch

Ein wesentlicher Punkt sei die Berufswahl: “Gerade in Vorarlberg als starkem Industriestandort gibt es viele hochproduktive und gut bezahlte Arbeitskräfte in Industrie und Technik.” Frauen seien hier aber “deutlich unterrepräsentiert”.

Die Tatsache, dass immer mehr Jüngere zu höheren Bildungsabschlüssen kommen, ändert laut Kampl nichts daran: “Entscheidend sind die Fachrichtung und der anschließende Berufsweg.” Deshalb sei es wichtig, Frauen verstärkt für die sogenannten “MINT”-Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen. Dadurch würde auch der Zugang zu gut bezahlten Jobs verbessert werden.