Missbrauchsverdacht in Wiener Kindergarten bereits seit 2020

Welt / 07.07.2022 • 22:48 Uhr

Wien Im heuer bekanntgewordenen Verdachtsfall des sexuellen Missbrauchs in einem städtischen Kindergarten in Wien-Penzing hat sich nun herausgestellt, dass zwölf Eltern bereits seit 2020 über Auffälligkeiten bei ihren Kindern berichtet haben. Dennoch seien die weiteren Eltern nicht oder nur „halb“ über die Vorwürfe informiert worden, berichtete der Wiener Kinder-und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs am Donnerstag gemeinsam mit Stadtrat Christoph Wiederkehr aus einem Prüfbericht.

Nik Nafs kritisierte die hierarchischen Strukturen. Eltern von betroffenen Kindern seien mit der Bitte, auch andere Eltern zu informieren, zurückgewiesen worden – mit dem Hinweis, man warte zunächst auf eine „Entscheidung von oben“. Er ortete eine „mangelnde Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung“ und Angst vor Vorgesetzten.

Der unter Federführung der Kinder- und Jugendanwaltschaft erstellte Bericht zeige auf, „dass hier nicht früh genug mit den Eltern kommuniziert worden ist“, sagte Wiederkehr. Die Frage über Schuld oder Nicht-Schuld des Pädagogen „ist keine Frage, die ich als Politiker beantworte, oder auch der Bericht“, betonte der Vizebürgermeister. Die Staatsanwaltschaft führe Ermittlungen.