Korallenriff trotzt Klimakrise

Welt / 14.10.2022 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Riff im Roten Meer macht fünf Prozent der weltweiten Korallenvorkommen aus. AFP
Das Riff im Roten Meer macht fünf Prozent der weltweiten Korallenvorkommen aus. AFP

Das Rote Meer als womöglich letztes Refugium für Korallen.

Marsa Alam Eine der vielen Folgen der Erderwärmung, über deren Bekämpfung ab Anfang November bei der UNO-Klimakonferenz in Scharm el Scheich beraten wird, ist die vielerorts zu beobachtende Korallenbleiche. Entlang der Küste des Gastgeberlandes Ägypten gibt es ein Korallenriff, das farbenfroh und noch weitgehend intakt ist. Wissenschaftern zufolge könnte es in einigen Jahren als weltweit einziges intaktes Korallenriff übrig bleiben – dank eines Klimagedächtnisses seiner Korallen.

„Wir haben fundierte Belege, dass dieses Korallenriff der Menschheit die Hoffnung bewahrt, ein Korallen-Ökosystem zu erhalten“, sagt Mahmud Hanafy, Experte für marine Lebensräume von der Suezkanal-Universität. Denn die Korallen vor Ägyptens Küste im Roten Meer seien „sehr tolerant gegenüber der Erwärmung des Wassers“.

Korallen bedecken nur 0,2 Prozent der weltweiten Meeresgründe. Dennoch beherbergen sie mindesten ein Viertel der marinen Pflanzen- und Tierarten. Der Weltklimarat (IPCC) warnt, wenn die Erderwärmung voranschreite, gebe es bis zum Jahrhundertende zumindest in den flacheren Gewässern keine Korallen mehr. Selbst wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, die Erderwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, eingehalten werden sollte, dürfte der größte Teil der weltweiten Korallenbestände wegen der zunehmenden Hitzewellen in den Weltmeeren nicht überleben.

Allein diesen Sommer waren 91 Prozent des Great Barrier Reef vor Australien wegen einer solchen Hitzewelle von der Korallenbleiche betroffen. Ausgebleichte Korallen können sich je nach Schwere der Schäden wieder erholen. Immer wieder eintretende Hitzewellen überstehen sie aber nicht. In Ägypten scheinen die Korallen dieser Regel zu trotzen. Der Grund: „Ein biologisches Gedächtnis, das sich im Zuge der Evolution entwickelt hat“, sagt Eslam Osman von der König-Abdullah-Universität in Ägyptens Nachbarland Saudi-Arabien.

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