Mit Ötzi war doch alles anders

Welt / 07.11.2022 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neuen Erkenntnissen zufolge starb Ötzi nicht im Herbst, sondern im Frühling oder Sommer, außerdem wurde er nicht dauerhaft unter Eis begraben. APA/SÜDTIR. ARCHÄOLOGIEMUSEUM
Neuen Erkenntnissen zufolge starb Ötzi nicht im Herbst, sondern im Frühling oder Sommer, außerdem wurde er nicht dauerhaft unter Eis begraben. APA/SÜDTIR. ARCHÄOLOGIEMUSEUM

Mehr als 30 Jahre nach dem Fund muss die Geschichte von Ötzi umgeschrieben werden.

ötztal Sie gehört zu den ältesten und weltweit am besten erhaltenen Mumien: die 5300 Jahre alte Eismumie Ötzi. 31 Jahre nach dem Sensationsfund in den Ötztaler Alpen kommt eine jetzt veröffentlichte Studie zu dem Befund, dass die ursprüngliche Erklärung, wie Ötzi erhalten wurde, nicht dem aktuellen Stand der Forschung entspricht. 

Neue Arbeiten von Archäologen mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigen, dass die offizielle Geschichte von Ötzi, nach der der Eismann im Herbst mit beschädigter Ausrüstung auf den Pass geflohen und dann in der schneefreien Schlucht, in der seine Überreste gefunden wurden, erfroren war, so nicht stimmen kann. Der Körper und die dazugehörenden Überreste sollen nach den bisherigen Erkenntnissen danach schnell von Eis bedeckt worden sein und dann unter einem sich bewegenden Gletscher geruht haben, bis die Fundstücke 1991 wieder abschmolzen.

Erkenntnisse für Klimawandel

Laut der neuen Studie starb Ötzi jedoch im frühen Frühling oder Sommer auf dem Schnee und nicht im Herbst. Die Mumie und die Artefakte sind erst später in die Vertiefung geschmolzen, in der er gefunden wurde. Er ist also nicht dort gestorben. Ötzi und seine Artefakte wurden in den 1500 Jahren nach seinem Tod immer wieder durch Schmelzprozesse freigelegt. Er wurde also nicht, wie bisher angenommen, sofort und dauerhaft unter Eis begraben.

Neue Forschungen legen zudem nahe, dass die Schäden an Ötzis Artefakten auf natürliche Prozesse an der Fundstelle zurückzuführen sind und nicht auf einen Konflikt oder Kampf. Die Geschichte des Eises an der Fundstelle zeigt außerdem, dass es entgegen den Behauptungen in der wissenschaftlichen Literatur unwahrscheinlich ist, dass sich dort nach dem Tod von Ötzi ein Gletscher bewegt hat. Und: Es gibt keine eindeutigen Beweise für eine plötzliche und drastische Abkühlung des Klimas zum Zeitpunkt von Ötzis Tod.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.