Im Dunkeln hoffen dürfen

Wetter / 28.03.2013 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Milena Heussler predigt heute in Bregenz zum Karfreitag. Foto: tm
Milena Heussler predigt heute in Bregenz zum Karfreitag. Foto: tm

Die evangelische Theologin Milena Heussler predigt heute in Bregenz zum ersten Mal.

Bregenz. (VN-tm) Sie kommt aus Wien. Doch Milena Heussler wurde im Handumdrehen zur „Beute-Vorarlbergerin“. Die Studentin der evangelischen Theologie war so angetan von der „prinzipiellen Offenheit“, mit der ihr die Gemeinde am Bregenzer Ölrain begegnet ist. Im September 2012 stand sie das erste Mal in der neugotischen Kreuzkirche. Sie war willkommen in „einer sehr selbstbewussten Gemeinde“. Heute wird sie vor diese Menschen hintreten und das erste Mal predigen. Das lassen sich ihre Eltern und ihre Schwester nicht entgehen und reisten an den Bodensee.

Der aber hüllt sich vom Frühlingsanfang gänzlich unbeirrt in ein kaltes, metallenes Grau. Schnee und Nässe geben auch wenig Anlass zu österlicher Hoffnung. Einzig die Augen der Praktikantin erzählen von Erwartung und Zuversicht.

Besonders fromm ist sie gar nicht aufgewachsen. „Ganz klassisch“ nennt Heussler die Jahre, in denen sie unregelmäßig den Gottesdienst besucht hat. Nach dem Gymnasium standen Philosophie- und Theologiestudium zur Diskussion. „Ein suchender Mensch war ich immer.“ Der Theologie gab sie den Vorzug, „weil da am Ende die Theorie in die Praxis übersetzt wird“.

Ein so vielfältiger Beruf

Beim Gemeindepraktikum in Bregenz beschloss Milena Heussler dann, Pfarrerin zu werden. Warum? Weil sich ihr der Beruf so vielfältig darbot: „Da bin ich Lehrerin, Seelsorgerin, Organisatorin, Predigerin . . .“ Genau. Und jetzt hängt da der schwarze Talar an der Wand. Der weiße Kragen will gebunden werden. Nur eine Handvoll Stufen und ein paar Stunden trennen sie noch von der Kanzel, auf der sie zum ersten Mal „das Wort Gottes verkünden“ wird.

15 Minuten lang wird sie über den Karfreitag predigen. Kann sie ihre Gedanken in einen Satz fassen? Da denkt Milena Heussler kurz nach, dann sagt sie: „Auch wenn wir im Dunkeln sind, dürfen wir hoffen, dass Gott uns nicht verlassen hat.“ Was macht sie da so sicher? Milena zitiert Christus am Kreuz, der seinen Zweifel herausschreit mit dem Satz: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? „Aber dieser Schrei verhallt nicht ungehört“, sagt sie, „sondern erfährt seine Antwort am Ostersonntag.“ Auch sie sei schon durch Zeiten des Zweifels gegangen, betont die junge Frau. Aber, wenn es wieder lichter wurde, beschlich sie jedes Mal das Gefühl, „dass ich die ganze Zeit gehalten worden bin“. Davon wird sie der Bregenzer evangelischen Gemeinde heute erzählen. Vom Licht in der Dunkelheit. Von der Gewissheit, dass kein Winter ewig währt.

Wir dürfen hoffen, dass Gott uns nicht verlassen hat.

Milena Heussler

Zur Person

Milena Heussler

Nach dem Praktikum möchte die angehende Pfarrerin ihr dreijähriges Vikariat in Bregenz verbringen.

Geboren: 1990 in Wien

Ausbildung: studiert seit 2008 evangelische Theologie in Wien

Laufbahn: Gemeindepraktikum in Bregenz

Familie: ledig