Der Präsident feiert mit

Wetter / 16.06.2014 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Was Andreas Weber geschafft hat, das schaffen nicht viele: Die „Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae“. Foto: VN/Hartinger
Was Andreas Weber geschafft hat, das schaffen nicht viele: Die „Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae“. Foto: VN/Hartinger

Bei der Promotion von Andreas Weber schaut auch Heinz Fischer mit einem Ehrenring vorbei. 

Thüringen. (VN-ger) Österreichweit bringen das nur knapp 20 Studenten pro Jahr zustande. Ein Kunststofftechniker der Montanuniversität Leoben war bislang noch nie dabei. Doch das soll sich nun ändern – einem Vorarlberger sei Dank: Am 20. Juni wird Andreas Weber aus Thüringen unter den Auspizien des Bundespräsidenten promoviert.

Die „Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae“ gilt als die höchstmögliche Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich. Um das zu erreichen, müssen unter anderem alle Oberstufenklassen und die Matura mit „Ausgezeichnetem Erfolg“ abgeschlossen und alle Fachprüfungen, Rigorosen sowie die Diplom- bzw. Masterarbeit und Dissertation mit „Sehr gut“ bewertet worden sein.

Hineingestolpert

Die Promotion so wirklich auf dem Plan hatte der 29-Jährige nicht. „Ich bin da irgendwie zufällig hineingestolpert. Eigentlich wollte ich nach dem Masterstudium aufhören“, erzählt der Ausnahmestudent. Schlussendlich waren es aber die thermotropen Materialien, die den Thüringer von einer Verlängerung der akademischen Karriere überzeugen konnten. „Das Thema ist sehr interessant und Leoben eines von nur zwei Forschungszentren weltweit, die sich damit auseinandersetzen“, präzisiert er.

Während eine herkömmliche Promotion nur formalen Charakter hat, dürfen sub-auspiciis-Kandidaten bis zur Promotion den akademischen Grad Doktor nicht führen. Auch die Promotionsfeier selbst ist ein besonderer Akt – im Falle des Vorarlberger Kunststofftechnikers ohnehin. Da Andreas Weber der einzige Kandidat ist, reist Bundespräsident Heinz Fischer am Freitag nur seinetwegen nach Leoben und überreicht ihm den Ehrenring mit der Aufschrift „sub auspiciis Praesidentis“. Aber auch der Rektor, der Bezirkshauptmann und diverse Landesräte werden im Publikum vertreten sein und der laut Protokoll fünf- bis sechsminütigen Dankesrede des Thüringers lauschen. „Das löst einen Mords-Zinober aus“, schmunzelt er. „Aber reden vor Publikum bin ich mittlerweile ja gewohnt.“

Vorträge in aller Welt

In den vergangenen dreieinhalb Jahren war Weber als Vortragender auf diversen internationalen Tagungen in Amerika, Portugal, Spanien oder Italien zu Gast und hat darüber hinaus sieben Artikel über Kunststoffe in der Solaranwendung in Fachzeitschriften verfasst. Eine akademische Karriere kam für den Bald-Doktor dennoch nicht infrage. „Das ist nicht meine Welt. Ich möchte in der Industrie arbeiten, weil mir diese Art zu denken einfach näher ist“, hat sich Weber bewusst für eine Rückkehr nach Vorarlberg entschieden. „Ich habe das Gefühl, dass ich bei der Firma Alpla noch sehr viel dazulernen kann.“

Feuerwehrmann

Voll eingespannt ist der 29-Jährige nicht nur im Berufsleben. Auch sein größtes Hobby – die Feuerwehr – präsentiert sich derzeit von der anspruchsvollen Seite. „Wir trainieren gerade für die Nassleistungswettbewerbe.“ Seit dem 13. Lebensjahr ist Weber bei der Ortsfeuerwehr Thüringen aktiv und firmiert dort mittlerweile als Gruppenkommandant-Stellvertreter, Maschinist und Atemschutzgeräteträger. „Es ist die Kameradschaft. Meine besten Freunde sind bei der Feuerwehr. Du vertraust diesen Leuten einfach blind“, schwärmt er.

Ich bin da irgendwie zufällig hineingestolpert.

Andreas Weber

Zur Person

Andreas Weber

wird am 20. Juni als erster Kunststofftechniker an der Montanuniversität Leoben sub auspiciis promoviert.

Geboren: 7. September 1984

Wohnort: Thüringen

Familie: ledig, Bruder Johannes, Schwester Carmen

Ausbildung: HS Thüringen, HTL Dornbirn (Zweig Chemieingenieurwesen), Bachelor-, Master- und Doktoratsstudium der Kunststofftechnik an der Montanuniversität Leoben

Beruf: seit Februar Forschungs- und Entwicklungsingenieur bei der Firma Alpla in Hard

Hobbys: Feuerwehr, Aikido, Skifahren

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