Ein Job zum Hineinbeißen

Wetter / 07.07.2014 • 18:57 Uhr
Bruno Hänsler kann es nicht lassen. Er war und ist auch als Pensionist immer noch begeisterter Bäcker. Foto: VN/Hofmeister

Bruno Hänsler kann es nicht lassen. Er war und ist auch als Pensionist immer noch begeisterter Bäcker. Foto: VN/Hofmeister

Bruno Hänsler hat als Bäcker- und Konditormeister ein bewegtes Leben hinter sich.

Thüringen. (VN-mm) Aus dem rußgeschwärzten Backofen quillt dichter Rauch. Zeit für Bruno Hänsler, nach dem Rechten zu sehen. Er öffnet die gusseiserne Türe, und die Luft füllt sich mit dem köstlichen Duft frisch gebackener Brotlaibe. Vorsichtig hebt Hänsler ein Stück nach dem anderen aus der Glut, um sie ausdampfen und auskühlen zu lassen. Zum Hineinbeißen sehen die Rundlinge aus. Der Bäcker- und Konditormeister zeigt sich zufrieden mit den Werken, die bei Einheimischen wie Gästen reißenden Absatz finden. Dreimal die Woche, nämlich am Mittwoch, Freitag und Sonntag, bäckt Bruno Hänsler speziell für die Besucher am Sonnenkopf im Klostertal. Seit fünf Jahren schon vertreibt sich der Pensionist damit den Sommer. Und es macht dem einst Ruhelosen nach wie vor großen Spaß.

Privates zurückgestellt

Wer meint, das Bäckerdasein sei eine eintönige Sache, der kennt Bruno Hänsler nicht. Für das, was er beruflich abgespult hat, würden viele wohl zwei Leben brauchen. Denn dem Thüringer war sein erlernter Job nicht genug. Er wollte weiterkommen. Für diese Maxime stellte er lange auch sein privates Glück zurück. „Ich habe erst mit 36 geheiratet“, merkt Hänsler mit einem neckischen Lachen an.
Dass er Bäcker wurde, kam nicht von ungefähr. Schon sein Vater frönte dieser Leidenschaft. Da war der Weg in die Backstube für den Junior praktisch vorgegeben. „Auch mir hat diese Arbeit gefallen“, erzählt Bruno Hänsler. Ein eigenes Geschäft kam allerdings nie infrage. Er zog die Unabhängigkeit vor. Die Bäcker- und Konditorlehre absolvierte er in Hohenems. Nach dem Militärdienst zog es den jungen Mann zum ersten Mal ins Ausland. In Vaduz fand er eine Stelle als Konditor. Anschließend arbeitete Bruno Hänsler „Saison“ in Lindau und München. Dann heuerte er für zwei Jahre als Bäcker auf einem Frachter an, segelte quasi hinaus in einen neuen Lebensabschnitt. „Eine wirklich spannende Zeit“, resümiert er rückblickend.

Hongkong und Chicago

Zurück in der Heimat feilte der Thüringer weiter an seinem Fortkommen. Er legte die Bäcker- und Konditormeisterprüfung ab und bewarb sich bei einem großen Hotelkonzern um die Stelle des Leiters einer Zentralbäckerei in Hongkong. Er bekam sie. Damit die europäischen Gäste auch auf ihre geschmackliche Rechnung kamen, führte Bruno Hänsler sogar das Roggenbrot ein. Weil: „Die Einheimischen bevorzugen Weißbrot.“ Vier Jahre später ging es von Hongkong direkt nach Chicago, wo der umtriebige Vorarlberger ein Studium für Bäckereimanagement, -wissenschaft und -technik absolvierte. Mit diesem Abschluss in der Tasche schupfte Hänsler in Villingen im Schwarzwald die Versuchsbäckerei eines Herstellers für Großanlagen. Auch dieser Job brachte den Thüringer in die weite Welt hinaus. „Ich leitete die Inbetriebnahmen in Übersee“, erklärt er.

Kleinere Brötchen

Danach begann Bruno Hänsler kleinere Brötchen zu backen: bei Ruez in Kematen, bei Ölz in Dornbirn und schließlich bei Hilcona in Schaan. Hier beschloss er nach 20 Jahren als Entwickler von Teigwaren sein aufregendes Berufsleben. „Ja, und dann fand mich der Sonnenkopf“, sagt er schmunzelnd. Dort oben steht er nun regelmäßig, um Interessierten sein Handwerk näherzubringen. Noch immer mit Begeisterung, noch immer mit Vergnügen. Dafür nimmt der allzeit fröhliche Pensionist auch das Pendeln ins Klostertal gerne in Kauf.

Ich wollte in meinem Beruf immer unabhängig sein und bleiben.

Bruno Hänsler

Zur Person

Bruno Hänsler

Geboren: 23. Oktober 1945 in Thüringen

Wohnort: Thüringen

Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Söhne

Beruf: Pensionist

Hobbys: Alles rund ums Haus