Erst Traum, dann Arbeit

Wetter / 11.11.2014 • 18:06 Uhr
Harald König in seinem Weinkeller. Seit über zehn Jahren ist er Winzer im piemontesischen Montabone. Foto: privat  

Harald König in seinem Weinkeller. Seit über zehn Jahren ist er Winzer im piemontesischen Montabone. Foto: privat  

Harald König hat als Weinbauer und Touristiker im Piemont seine Erfüllung gefunden.

Montabone. (VN-hk) Träumen ist eine Sache. Den Traum umsetzen eine andere. Der 61-jährige Harald König kennt das. Natürlich war er auch ein bisschen Träumer und Romantiker, als er gemeinsam mit seiner Frau Anneliese vor knapp 15 Jahren beschloss: „Ich will ein neues Leben führen. Am liebsten als Weinbauer im bekannten Weinbaugebiet des italienischen Piemont.“ Klang toll und lässig nach Aussteigen und Freiheit. Doch als der ehemalige Lustenauer Versicherer sein Vorhaben tatsächlich in die Tat umsetzte, markierte dies den Beginn eines nicht immer gemütlichen Abenteuers.

Verschlafenes Nest

In verschlafenen Nest Montabone, unweit der Stadt Acqui Terme, fanden die Königs ein bezauberndes Anwesen inmitten von Wäldern und Weinbergen. 400 Jahre alt, Piemont pur. 2003 erwarben sie die Liegenschaft. Sie renovierten diese mit viel Liebe und Geld, wurden Herr über mehrere Hektar Weinanbaufläche. Gleichzeitig richteten sie geschmackvolle Fremdenzimmer ein. „Es ist wunderschön hier, ja“, sagt König und räkelt sich auf dem Gartenstuhl im gepflasterten Innenhof seines Anwesens. Nachsatz: „Aber ohne harte Arbeit funktioniert auch hier nichts. Das wurde mir schon sehr bald klar.“

König setzte sich im Piemont als angesehener Winzer durch. Unermüdlich schuftete er dafür in seinem Weinberg. Seinen Rebensaft musste er selber verkaufen. Und schließlich wollen auch das Seminarhaus und die Fremdenzimmer der „Casa Re“ gehegt und gepflegt werden. Eine Aufgabe, die Gattin Anneliese in Perfektion bewältigt. Den Vertrieb des Weines hat inzwischen das Vorarlberger Unternehmen Bevanda übernommen. Für König ein großer Coup, der ihm das Leben als Verkäufer um einiges leichter macht.

Härten des Alltags

Dem erholungssuchenden Bewohner erschließen sich die Härten des Alltags eines Weinbauers kaum. „Geht dir während der Ernte ein Maschinenteil kaputt, kann das Stress pur bedeuten. Auch wenn du über Nacht plötzlich einen Vertriebsleiter verlierst, ist das eine beunruhigende Situation“, erzählt König. Doch der frühere Eishockeytrainer hat sich fern der Heimat behauptet. Er schaffte es mit seinen Weinen mit Namen wie „Sincero“ oder „Pettirosso“, seinem Moskato und seinem Brachetto auf die Weinkarten zahlreicher piemontesischer Lokale. Der Hof wurde zu einem begehrten Feriendomizil für viele, die echte Erholung suchen. Natürlich kommen viele Vorarlberger zu ihm. Die meisten von ihnen müssen sich zuerst daran gewöhnen, dass „Casa Re“ keinen Hotspot hat, dass die Netze oft nicht funktionieren, dass sie inmitten der kitschig schönen Grünlandschaft tatsächlich zur Erholung „verdammt“ sind.

Geschichten übers Piemont

Wenn sie Zeit haben, erholen sich Harald und Anneliese König mit ihren Gästen gerne etwas mit. Bereitwillig erzählen sie den Besuchern vom Piemont, von den Menschen, der Natur und weihen sie in die Geheimnisse des Weinbaus ein. In seinem Weinkeller mit den riesigen Fässern veranstaltet König Degustationen. Draußen führt er Interessierte durch seine Rebberge und erklärt, wie sich Weintrauben entwickeln und warum er genau am Tag X mit der Weinlese beginnt. 

Für immer werden die Königs trotzdem nicht in Montabone bleiben. „Die Pension werden wir zu Hause in Lustenau genießen“, sagt Harald. Allerdings: „Loslassen wird uns das Piemont ganz sicher nie.“

Loslassen wird uns das Piemont ganz sicher nie.

Harald König

Zur Person

Harald König

Geboren: 30. Oktober 1953

Wohnhaft: Montabone, Piemont

Beruf: Weinbauer

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Hobbys: Eishockey, Lesen

Lieblingsspeise: Käsknöpfle