Der Tango als Begegnung

Wetter / 30.08.2016 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maurice probt mit Theresia die Tanzschritte für den Auftritt beim Eröffnungsabend „Tango en Punta – In- Concert“.  VN/Stiplovsek
Maurice probt mit Theresia die Tanzschritte für den Auftritt beim Eröffnungsabend „Tango en Punta – In- Concert“. VN/Stiplovsek

Maurice Nouaili hat das Downsyndrom. Er tanzt heuer beim inklusiven Festival „Tango en Punta“ mit.

Hard. (VN-jun) Lateinamerikanische Musik, eine Mischung aus Geigen, Klavier, Kontrabass und einer Art Akkordeon, erklingt. Maurice Nouaili hält seine Tanzpartnerin Theresia im Arm. Sie hat auch wie Maurice das Downsyndrom. Im Takt der Musik und mit gekonnten Tanzschritten führt Maurice sie durch den Probenraum in Hard. Hier trainieren die beiden gemeinsam mit Tanzlehrerin Andrea Seewald und Matías Haber für ihren Auftritt bei „Tango en Punta“. Es ist das einzige internationale Tangofestival, das Personen mit und ohne Behinderung zusammenführt. Das Festival findet seit 2013 im Festspielhaus Bregenz statt.

Maurice macht bereits zum dritten Mal mit. Zu „Tango en Punta“ kam er über die Lebenshilfe Vorarlberg. „Ich bin ein offener Mensch und hatte Lust, mir das einmal anzuschauen“, erzählt Maurice. „Es war etwas ganz Neues für mich. Das Tanzen hat mir viel Spaß gemacht und seitdem bin ich dabei.“

Aktiver junger Mann

Tango zu tanzen ist aber nicht das einzige Hobby von Maurice. Er ist auch im Dornbirner Schwimmverein aktiv. Zudem besucht er hin und wieder den Karateclub in Höchst. Ansonsten macht Maurice all das, was eben 19-Jährige so machen. „Ich treffe mich gerne mit Freunden, gehe ins Kino oder unternehme etwas mit meiner Freundin Elke“, sagt er. Nur Auto- und Motorradfahren kann Maurice aufgrund seiner Behinderung nicht. Deshalb fährt er jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit ins Bundesgymnasium Blumenstraße in Bregenz. Dort ist er in der Kantine beschäftigt. „Ich helfe beim Jause machen und Mittagessen zubereiten, stehe an der Essens­ausgabe, räume das Geschirr auf und halte die Kantine sauber.“ Momentan sind allerdings Sommerferien und die Schule ist geschlossen. Deshalb kann sich Maurice voll und ganz dem Tango tanzen hingeben.

Seit ein paar Wochen übt er für seinen großen Auftritt beim Eröffnungsabend „Tango en Punta – In-Concert“ am 9. September. Der lebensfrohe junge Mann ist einer von insgesamt elf Menschen mit Behinderung, die an diesem Abend zusammen mit professionellen Tangotänzern auf der Bühne stehen werden. Zu eigenen Kompositionen, die extra für diese Aufführung von Musikern aus Uruguay geschrieben wurden, studierten die elf Tanzpaare eine Choreographie ein. „Am Anfang ist es nicht so einfach, sich die Schritte zu merken. Umso öfter ich tanze, desto leichter fällt es mir“, berichtet Maurice. Um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, zählt er leise im Takt mit.

An dem Tanzstil gefällt ihm die zwischenmenschliche Verbindung besonders gut: „Es geht um Gefühle und Wärme, die der Partner beim Tanzen spürt.“ Diese Begegnung der Menschen und die Inklusion stehen auch im Mittelpunkt des Festivals.

Jeder ist willkommen

In inklusiven Tangoklassen, Workshops und Milongas (Stilrichtung des Tangos) tanzen behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen. Dabei kann jeder kostenlos mitmachen. Auch Maurice wird neben seinem Auftritt beim Eröffnungsabend an den Inklusionsklassen und Milongas teilnehmen. Mit seiner offenen Art fordert er auch gerne selbst Menschen zum Tanzen auf. „Im Tango ist das ganz einfach. Ich nehme Blickkontakt zu einer Frau auf, schwenke den Kopf in Richtung Tanzfläche und schon geht es los.“ Am liebsten würde er die ganze Nacht durchtanzen.

Beim Tanzen spürt man die Wärme des Partners.

Maurice Nouaili

Zur Person

Maurice Nouaili

ist Tänzer bei „Tango en Punta“.

Geboren: 20. Juni 1997 in Bregenz

Wohnort: Gaißau

Laufbahn: Volksschule Höchst, Sonderpädagogisches Zentrum Lustenau, Mitarbeiter in der Kantine BG Blumenstraße

„Tango en Punta“ von 8. bis 11. September 2016; Eröffnungsabend „In-Concert“ am 9. September.