Ein Helfer mit Erfahrung

Als Helfer ist er ganz nah dran an der Elite des Ski-Cross und des Snowboard-Cross.
Schruns. (VN-kum) Der Weltcup-Zirkus macht auch diesen Winter Halt im Montafon: Von 15. bis 18. Dezember jagt die Elite des Ski-Cross und des Snowboard-Cross über die spektakuläre Rennstrecke am Hochjoch und kämpft um Weltcup-Punkte. Unter anderem tragen mehrere Hundert ehrenamtliche Helfer dazu bei, dass die Veranstaltung über die Bühne gehen kann. Sie sind seit Tagen im Einsatz – so wie Heinz Netzer aus St. Gallenkirch. Der 60-Jährige hat mitgeholfen, die Strecke mit den Steilkurven zu bauen, die Tribüne und die Zäune aufzubauen und die Fernsehkabel vom Start bis ins Ziel zu ziehen. An Renntagen gibt Netzer Material aus. Nach den Rennen hilft er beim Abbau mit.
Herausforderung Wetter
„Der Weltcup ist mit sehr viel Aufwand verbunden“, zeigt das Mitglied des Wintersportvereins St. Gallenkirch auf, dass es vieler Helfer bedarf, um ein solches Großereignis auszurichten. Schon beim ersten Weltcup im Montafon vor sechs Jahren war Netzer als Helfer mit dabei. Von daher weiß er: Keine Veranstaltung gleicht der anderen. Die größten Herausforderungen sind die Wetterverhältnisse. „Beim zweiten Weltcup hatte es Nebel. Außerdem schneite es stark.“ Der Montafoner erinnert sich, „dass es einen halben Meter Schnee her machte und wir die Strecke freischaufeln und die Zäune ausgraben mussten“. Auch vorletztes Jahr seien die Bedingungen extrem gewesen. „Da hatte es minus 20 Grad – kein Vergnügen für uns Helfer im Freien.“ Aber Netzer bringt den nötigen Enthusiasmus für dieses Engagement mit. Das hängt mit seiner Leidenschaft für den Wintersport zusammen. Und mit seiner Krebserkrankung. „Ich wäre heute nicht so engagiert, wenn ich nicht krank geworden wäre.“
Mit drei Jahren lernte der St. Gallenkirchner Ski fahren. Als Jugendlicher schloss er sich dem WSV St. Gallenkirch an. Netzer fuhr Rennen und erreichte hin und wieder Stockerlplätze. Mit 42 wurde der begeisterte Skifahrer schwer krank: Mandelkrebs. Er magerte auf unter 40 Kilo ab. Der krebskranke Mann konnte nicht mehr arbeiten und wurde in die Invaliditätsrente geschickt. Drei Jahre später stellte man bei ihm Metastasen in der Lunge fest. Netzer kämpfte. Und kam durch Skitouren und Skifahren wieder zu Kräften. Aufgrund der krankheitsbedingten Pensionierung hatte er viel Zeit. Er begann, beim WSV St. Gallenkirch mitzuarbeiten. „Ich habe bei der Organisation von Skirennen geholfen, Stangen gesteckt und die Piste präpariert.“ Für ihn stellte das eine schöne Abwechslung im Alltag dar. Jetzt hatte Netzer wieder eine Aufgabe.
Auch heute noch engagiert sich der zweifache Vater für den Verein. „Im Winter werden es schon um die 50 Stunden sein“, versucht er sein Engagement in Zahlen zu fassen. Ein abermaliger gesundheitlicher Rückschlag – der Krebs kam zurück – bremste ihn allerdings ein. Nach mehreren Chemotherapien teilten ihm die Ärzte mit, dass der Krebs weg sei. Netzer hofft, dass er seine zwei Enkel noch aufwachsen sieht. Dank dem Opa fährt die zweijährige Julia schon Ski. Die Netzers freuen sich jedes Jahr auf den Winter. „Meine Frau Sonja und ich sind Wintersportler. Wir gehen fast jeden Tag miteinander Ski fahren.“
Weil es beim Weltcup erfahrene Helfer braucht, greift man gerne auf solche Leute wie Netzer zurück. Dieser ist mit Feuer und Flamme dabei. Denn: „Als Helfer kommst du ganz nah ran.“ Die Rennen am Hochjoch sind für ihn schon deshalb etwas Besonderes, weil Einheimische wie Markus Schairer und Alessandro Hämmerle mitfahren.
Der Weltcup ist mit sehr viel Aufwand verbunden.
Heinz Netzer
Zur Person
Heinz Netzer
engagiert sich heuer bereits zum sechsten Mal bei den Weltcup-
Bewerben im Montafon.
Geboren: 11. April 1956
Familie: verheiratet, zwei Söhne
Hobbys: Skifahren, Skitouren, Wandern, Motorradfahren