Begabt zum Funkenbauer

Der Montafoner ist seit fast vierzig Jahren Funkenmeister. Der Brauch und die Kameradschaft sind ihm wichtig.
Schruns, Gamprätz. (VN-kum) Die Tanne steht. Auch den Funkentisch haben die Männer der Funkenzunft Gamprätz bereits angefertigt. 16 Stunden benötigt das 15-köpfige Team, um den 17 Meter hohen Funken zu bauen. „Wir nageln die Holzscheite, denn wir wollen nicht, dass der Funken zusammenbricht, wenn er brennt“, erklärt Funkenmeister Norbert Stüttler. Der Gamprätzer ist stolz auf sein Team und auch auf sich. Denn: „Selbst Konkurrenten sagen, dass wir den schönsten Funken im Montafon haben.“
Frust beim fremden Funken
Seit 1979 steht Stüttler an der Spitze der Funkenzunft Gamprätz. Er gründete sie damals selbst. „Weil ich mit ein paar Leuten in Gamprätz nicht ausgekommen bin, bin ich nach Schruns gegangen und habe mir den fremden Funken angeschaut. Das hat mich so frustriert, dass ich mich entschlossen habe, selbst eine Zunft zu gründen.“ Schon damals war er ein Funkner mit Leib und Seele. „Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr mit dabei.“
Stüttler ist einer, der gerne arbeitet und Verantwortung übernimmt. Bereits als zehnjähriger Bub schichtete er gegen Entgelt Holz in der benachbarten Zimmerei und sägte mit einer Motorsäge Holz. Der Inhaber des Holzbaubetriebs übernahm ihn später gerne als Lehrling. Stüttler lernte das Zimmererhandwerk und war damit zum Funkenbauer prädestiniert. Die ersten Holztürme baute er mit Arbeitskollegen. „Die Arbeit taugte mir. Denn du musst genau schaffen. Es ist eine Herausforderung.“
Mit 29 wurde Stüttler, der inzwischen als Monteur arbeitete, Funkenmeister, „weil ich am meisten Ahnung hatte und es liebe, zu organisieren.“ Es braucht viel, um einen Funken zu bauen. „Du musst den Funkenplatz und die Tanne organisieren, die Holzwolle, die Hexe und das Holz, mit dem könnte man übrigens drei Jahre einen Kachelofen heizen.“ Aber es braucht auch mutige und handwerklich geschickte Männer, die bereit sind, zusammen mehrere Hundert Stunden Arbeit zu leisten.
„Nachwuchsprobleme haben wir nicht, denn wir sind gut zu unseren Burschen. Die leben bei uns auf“, freut sich Stüttler, der mit 66 Jahren der Älteste in der Funkenzunft ist. Er überlässt es inzwischen den Jüngeren, sich beim Holzturm in die Höhe hinaufzuarbeiten. „Die große Gefahr beim Bauen ist, dass einer runterfällt“, weiß der Funkenmeister um das Risiko. In all den Jahren ist nur einmal etwas passiert. „Ein Stück Holz ist einem Mann auf den Kopf gefallen. Er verletzte sich aber nicht schwer.“ Gefahren gehen auch vom lodernden Funken aus, vor allem, wenn es windig ist. „Durch Funkenflug können Gebäude in Brand geraten. Deshalb ist auch immer die Feuerwehr da.“
Apropos Feuerwehr: Stüttler gehört ihr seit 42 Jahren an und arbeitete sich bis zum Brandmeister hoch. In dieser Funktion führt er eine 30 Mannstarke Truppe an. Je mehr Verantwortung Stüttler hat, desto mehr läuft er zur Höchstform auf. Mit seinen 66 Jahren fühlt er sich noch nicht zu alt, um als Brand- und Funkenmeister weiterzumachen. Bei der Feuerwehr möchte er die 50 Jahre vollmachen. Als Funkenchef will er in zwei Jahren in Pension gehen. „Dann habe ich die 40 Jahre voll und übergebe an meinen Sohn Mario.“ Stüttler freut es, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt. „So bleibt die Tradition in der Familie.“ Sein langjähriges Engagement begründet er so: „Mir ist es wichtig, dass der Brauch hochgehalten wird. Außerdem schätze ich die Kameradschaft.“
Die große Gefahr beim Bauen ist, dass einer runterfällt.
Norbert Stüttler

Zur Person
Norbert Stüttler
ist mit Leib und Seele Funkner, und das seit mehr als 50 Jahren.
Geboren: 4. September 1950
Ausbildung: Zimmermann
Familie: verheiratet, drei Kinder
Hobbys: Funken, Feuerwehr, Skifahren, Fußball