Herr der Ringe

Wetter / 30.06.2019 • 18:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aus dem Bregenzerwald nach Satteins gezogen, sorgte Wüstner schon für tausende glückliche Gesichter. vn/JLO
Aus dem Bregenzerwald nach Satteins gezogen, sorgte Wüstner schon für tausende glückliche Gesichter. vn/JLO

Jodok Wüstner traut morgen sein 1000. Hochzeitspaar.

Satteins „Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal so viele Hochzeiten zelebrieren kann, geschweige denn, dass ich einmal Standesbeamter werde“, gibt Jodok Wüstner lachend zu. Wüstner ist Standesbeamter in Satteins und darf sich morgen, Dienstag, 2. Juli, über ein ganz besonderes Jubiläum freuen: Er traut sein 1000. Hochzeitspaar.

Weg zum Beruf

„Ursprünglich komme ich aus dem Bregenzerwald und habe nach meiner Schulausbildung dort drei Jahre in der Gastronomie gearbeitet“, sagt der 57-Jährige. Das Schicksal oder besser der Zufall wollte es, dass Wüstner während des Präsenzdienstes seine Frau Isolde kennenlernte. „Sie kam aus Satteins, und als hier 1982 eine Stelle in der Gemeinde frei wurde, habe ich mich sofort dafür beworben und diese auch erhalten“, erzählt Wüstner. Bereits 6 Jahre später wurde Wüstner gefragt, ob er im Standesamt mitwirken wolle. Es folgten ein Kurs in Salzburg, dann die Stelle als Stellvertreter und schlussendlich 1992 jene als Standesbeamter.

„Meine erste Trauung vollzog ich dabei am 17. Februar 1989, also vor 30 Jahren“, erinnert sich der emigrierte Wälder zurück. „Das waren zwei mir noch heute gut bekannte Satteinser, nämlich Susanne und Gabriel Schwanzer, die übrigens noch heute glücklich verheiratet sind.“

Damals wurden in Satteins noch um die 25 Paare im Jahr getraut, wofür der Bürgermeister jeden Freitag sein Büro zur Verfügung stellen musste. „Mit dem Umzug in das heutige Gemeindeamt änderte sich die Situation aber rasch“, erzählt Wüstner. Die Anzahl an Hochzeiten stieg aufs Vierfache; heute begleitet er bis zu 100 Paare im Jahr. „Mir gefällt diese positive, mit Energie geladene Arbeit“, schwärmt der Standesbeamte auch nach 30 Jahren und (bald) 1000 Hochzeiten. „Man hat mit ganz vielen Menschen zu tun, die ich beim Gestalten ihres schönsten Tages unterstützen darf.“

Emotionale Momente

Bei all den Emotion gebe es auch immer noch Momente, die besonders unter die Haut gehen. „Beispielsweise, wenn das Brautpaar vor dem Jawort persönliche Worte zueinander spricht oder wenn das Paar durch emotionale Einlagen von Familienangehörigen oder Freunden überrascht wird“, sagt Wüstner und gesteht augenzwinkernd, dass in solchen Augenblicken schon einmal ein Staubkorn ins Auge kommen könne. Ein besonderer Moment sei auch gewesen, als einmal die Gästeschar ein zuvor heimlich einstudiertes Lied aus dem Film „Wie im Himmel“ im Chor anstimmte.

„Die Arbeit kann sehr erfüllend sein; das hängt aber natürlich immer von den Menschen ab“, sagt Wüstner. Ihm sei deshalb das Vorgespräch sehr wichtig, da man hier die Menschen kennenlernen und Zeremonien auf die Charaktere perfekt abstimmen könne. „Ich empfehle zum Beispiel immer Livemusik“, so Wüstner. „Sonst schauen Dutzende Menschen auf einen CD-Player.“ Bei der Frage, wieso Hochzeiten in der Jagdberggemeinde so beliebt seien, gibt sich der Satteinser dabei bescheiden: „Die Location hier passt einfach super, der schöne Keller ist etwas Besonderes, und der  Schäflegarten kann perfekt für eine Agape genutzt werden“, sagt er und klammert seine Leistung als beliebter Standesbeamter bewusst aus.

Als Ausgleich für die emotionale Tätigkeit setzt Wüstner auf Bewegung in der Natur und seine „Harley“, wie er schwärmt: „Da kann es gut sein, dass ich mich am Abend noch auf meine Low Rider Dyna setze und mir auf einer schönen Runde den Kopf freifahre.“ VN-JLO

Zur Person

Jodok Wüstner

Standesbeamter in Satteins

Geboren 29. August 1961

Familie verheiratet, zwei Kinder

Beruf Gemeindesekretär und Standesbeamter, Begleiter bei „Abschied in Würde“

Hobbys Harley und Sport