Wasser in der Not

Wetter / 02.02.2020 • 18:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Inge Dunst zeigt ein Foto von der Einweihung der Wasseranlage in Mbuyuni. HRJ
Inge Dunst zeigt ein Foto von der Einweihung der Wasseranlage in Mbuyuni. HRJ

Inge Dunst setzt sich für Hilfsprojekte in Tansania ein.

FELDKIRCH „Uns geht es so gut, dass es anderen auch gutgehen darf.“ Dieses Motto prägt den Alltag von Inge Dunst. Für die 63-jährige Pensionistin aus Feldkirch-Nofels ist helfen wo Not ist, von Kindheit an selbstverständlich. Zurzeit engagiert sie sich besonders für ein Hilfsprojekt in Tansania – das Mbuyuni Water Project.

Zehn Jahre ist es her, als Inge Dunst im tansanischen Tanga Urlaub machte: „Dort lernte ich den katholischen Priester Sylvester Nitunga kennen. Wir freundeten uns an.“ Er kam kurz darauf nach Österreich, um fünf Jahre lang in Innsbruck Theologie zu studieren. Zwischendurch reiste der Student aus Tansania hin und wieder nach Vorarlberg, um als Aushilfspriester in den Kirchen in Nofels und Braz Messen zu zelebrieren. Eines Tages habe er Inge Dunst um Hilfe für sein Dorf Mbuyuni gebeten. Der 2500-Einwohner-Ort brauchte dringend einen Brunnen. Sie kontaktierte Manfred Fiel, ebenfalls ein Nofler, denn er hatte bereits Erfahrung mit einem Hilfsprojekt in Tansania. Fiel, ehemals Geschäftsführer der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Vorarlberg, ließ eine Mädchenschule in Ifakara sanieren. Seit seinem Tod 2017 wird sein Projekt von seinem Freund Horst Böhler und Inge Dunsts Sohn Michael weitergeführt. „Ich habe Manfred Fiel damals gefragt, wie man solch ein Brunnenprojekt auf die Beine bringen könnte“, schildert Inge Dunst. „Als er wieder einmal in Ifakara war, reiste er von dort nach Mbuyuni, um zu prüfen, ob sich so etwas realisieren lässt. Seine Erkenntnis: Einen Brunnen konnte man nicht bauen, es brauchte eine Wasserleitung.“ Damals mussten die Bewohner von Mbuyuni ins acht Kilometer entfernte Dorf Mapatano gehen, um Wasser zu holen, denn dort steht ein Wasserturm. So entstand die Idee, auch in Mbuyuni einen Wasserturm zu bauen. Die Kosten dafür wurden auf 60.000 Euro veranschlagt.

Während Manfred Fiel gemeinsam mit Horst Böhler die Organisation des Projekts vor Ort vorantrieb, ging Inge Dunst in Vorarlberg auf Sammeltour: „Ich habe allein in Nofels 11.169,13 Euro bekommen“, sagt sie. Aufgestockt wurde der Spendenbetrag mit dem Erlös von Nofler Suppensonntagen. Des Weiteren unterstützten andere Gemeinden – etwa Braz und Wenzenbach in Deutschland – sowie das Land Vorarlberg das Hilfsprojekt. „Als das nötige Geld beisammen war, kauften wir in Tansania das Material, und die Bewohner von Mbuyuni begannen den Turm zu bauen.“ Im Frühling 2018 wurden die Wasserleitungen gelegt und die Anlage installiert. Ende Oktober floss bereits Wasser aus den Hähnen. Die Einweihungsfeier des Mbuyuni Water Projects am 25 Juni 2019, mit Musik, Tanz und einer von Sylvester Nitunga gelesenen Messe sei etwas ganz Besonderes, Emotionales gewesen, erinnert sich Inge Dunst. „Andererseits war es auch beschämend, weil für uns hier in Vorarlberg Fließwasser völlig normal ist.“

Neues Projekt im Kopf

Und schon hat Frau Dunst ein neues Projekt im Kopf: den Bau einer Krankenstation. Jetzt aber nutze sie noch die Gunst des Augenblicks, „um allen, die mitgemacht haben, Danke zu sagen: Freunden, Verwandten, vor allem meinen Geschwistern“. Vier sind es insgesamt – drei Schwestern und ein Bruder – mit denen sie in Nofels aufgewachsen ist. Und hier, im größten Stadtteil Feldkirchs, wohnt die pensionierte Zahnarztsekretärin noch immer mit ihrem Partner und den beiden Söhnen.

So gern sie sich den Hilfsprojekten widmet, so gern treibt sie Sport, etwa Wandern, Radfahren, Fitnesstraining. „Wichtig ist jedoch vor allem, jeden Moment bewusst zu leben“, mahnt Inge Dunst: „Denn wir haben das Glück, in einem Land zur Welt gekommen zu sein, in dem es uns gut geht.“ HRJ

Zur Person

Inge Dunst

Geboren 10. Oktober 1956

Wohnort Feldkirch-Nofels

Beruf Arztsekretärin in Pension

Familie Partnerschaft, zwei Söhne (35 und 27 Jahre), eine Enkelin

Spendenkonto Raiffeisenbank Feldkirch, Ingeborg Dunst, Horst Böhler, AT53 3742 2000 0010 3648, „Wasserprojekt Tansania“