Studie: Augenkontakt bei jeder Begegnung wichtig

Wissen / 02.11.2012 • 11:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ob glücklich, vergnügt oder traurig: Der Blick auf die Augen liefert Informationen über das Gegenüber. Foto: Fotolia
Ob glücklich, vergnügt oder traurig: Der Blick auf die Augen liefert Informationen über das Gegenüber. Foto: Fotolia

Laut Experiment schauen wir sogar bei Monstern zuerst in die Augen – egal, wo sie sitzen.

London. Wir schauen einem Gegenüber immer zuerst auf die Augen – auch dann, wenn diese nicht im Gesicht sitzen, wie beispielsweise bei einem Fantasiemonster. Das haben britische und kanadische Forscher in einem Experiment festgestellt. Sie testeten, wohin Probanden als erstes blickten, wenn sie Bilder von Menschen, menschenähnlichen Figuren oder Monstern mit Augen an den Armen sahen. Diese stammten aus dem Computerspiel Dungeons & Dragons. Bei allen Bildern seien die Blicke zuerst in die Bildmitte gegangen, dann aber direkt zu den Augen – egal, wo diese saßen.

Gehirn erkennt die Augen

Das zeige, dass nicht die Position der Augen im Gesicht entscheidend sei, sondern dass unser Gehirn die Augen an sich bei einem Gegenüber erkenne und gezielt anvisiere, berichten die Forscher im Fachmagazin „Biology Letters“. Diese Erkenntnis erlaube auch Rückschlüsse darüber, welcher Gehirnbereich für dieses Verhalten zuständig sei.

„Der Mensch, aber auch Affen, Delfine, Vögel oder Hunde folgen automatisch dem Blick ihres Gegenübers“, schreiben Alan Kingstone von der University of British Columbia und seine Kollegen. Der Blick auf die Augen liefere wichtige Informationen über das Gegenüber und dessen Umgebung.

Spezialisierter Schaltkreis?

Woran das Gehirn erkennt, wohin es dabei schauen muss, war bisher unklar. „Eine Erklärung wäre, dass wir einen Schaltkreis im Gehirn besitzen, der darauf spezialisiert ist, Augen zu erkennen“, sagen die Forscher.

Eine andere Möglichkeit wäre aber auch, dass unser Zentrum für die Gesichtserkennung unseren Blick automatisch in die Mitte eines Kopfes lenkt – dort, wo bei den meisten Tieren und dem Menschen die Augen sitzen. Mit ihrem Experiment haben die Forscher nun Indizien dafür geliefert, dass die erste Theorie – ein auf Augen spezialisierter Schaltkreis – zutreffen könnte.

Schaltkreis bei Autisten gestört

Diese Erkenntnis könnte vielleicht auch erklären, warum Menschen mit Autismus anderen oft nicht in die Augen blicken, meinen die Forscher. Möglicherweise sei bei ihnen der Schaltkreis gestört, mit dem die Augen erkannt werden. Als Folge falle es ihnen schwer, den Blick ihres Gegenübers zu erwidern.

Der Mensch, aber auch Affen, Delfine oder Hunde folgen automatisch dem Blick ihres Gegenübers.

Alan Kingstone